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Reisebericht
als Textdatei (ohne Bilder)
Die Pechvogeltour
Monheim
– Stilvser Joch – Gavia Pass – Kalterer See – Sella Joch
Ein eisiger
Wind weht uns um die Ohren. Orgel, orgel, orgel... verzweifelt versuche
ich das Auto zu starten. Außer dem Anlasser bewegt sich nichts! Wir stehen
auf 2700 Meter Höhe neben dem Gletscher des Ortlers. Um uns herum wird
Skier gefahren, teils auch mit kurzen Hosen und das bei dieser eisigen
Kälte. Bei dem Gedanken dass unser Wagen nicht startet wird es mir auch
nicht wärmer.
Voller
Freude waren wir heute Morgen um 5 Uhr Richtung Süden zu einem Campingurlaub
in die Dolomiten aufgebrochen. Die 48 Haarnadelkurven zum Stilfser Joch
haben wir soeben hinter uns gebracht. Das Auto, glühend heiß, ist vermutlich
überhitzt. Es ruht auf dem Parkplatz am höchsten Punkt des Passes. Um
die Zeit zum Kühlen etwas verstreifen zu lassen, beschließen wir eine
Wanderung auf dem Platau. Strahlender Sonnenschein und eine gute Fernsicht
lassen uns hinunter zur „Königin der Alpenstraßen“ blicken. So wird bisweilen
und auch heute noch die Straße
genannt, die das 2757 Meter hohe Stilfser Joch überquert. Die atemberaubende
Strecke ist wie eine Himmelsleiter an den Berg geklatscht. Bewusst haben
wir mehrere solche Himmelsleitern in unsere Streckenplanung mit einbezogen.
So folgt nach dem geglückten Start unsers fahrbaren Untersatzes auch gleich
der nächste Pass.
Diesmal
nicht so flott, kriechen wir die Serpentinen zum Gavia Pass hoch. Oben
auf 2545 Meter am Lago Nero, legen wir eine Verschnaufpause ein. Die Abfahrt
ist landschaftlich ein einziger Traum, der manchmal fast zum Albtraum
wird. Vor allem wenn Fahrzeuge entgegenkommen wir es Millimeterarbeit
zwischen Spiegel und unbefestigten Fahrbahnrand. Wir kämpfen uns weiter
Richtung Süden nach Ponte di Legno durch.
Nach
einer ausgiebigen Rast am Kalterer See erreichen wir am späten Abend unser
geplantes Etappenziel. Überfüllte Straßen ließen schon schlimmstes befürchten.
Die Italiener haben Ferien. So ist es auch kein Wunder das wir nach mehrmaligen
Versuchen immer noch keinen freien Campingplatz finden. Es geht weiter
über die große Dolomitenstraße. Sie bietet uns atemberaubende Ausblicke,
aber sie erstickt im Hochsommer und an Wochenenden fast im Gestank der
Autoabgase. Wir passieren das Sella Joch, wo uns die untergehende Sonne
an einem schön gelegenen Platz mit Dolmitenblick zum Übernachten zwingt.
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Sella Joch – Grödner Joch – Bruneck
Es ist sechs Uhr morgens. Im Tal hängt noch der Dunst. Die Berge zeigen
sich noch unverschleiert und die aufgehende Sonne taucht sie in ein leuchtendes
Rot. Von Minute zu Minute ändert sich das Licht, die Farben und schenkt
uns bezaubernde Fotomotive. Allmählich werden die Spitzen einer Gebirgskette
in ein sattes Orange gezaubert. Nur schwer können wir uns von diesem Naturschauspiel
lösen, aber unser Weg führt uns weiter nach Bruneck.
Eine gut ausgebaute Passstraße schraubt sich hoch zum Grödner-Joch. Die
Vegetation wird immer spärlicher und nur noch verkrüppelte Sträucher begleiten
unseren Weg. Oben vom Rastplatz bietet sich ein herrlicher Blick auf die
darrunterliegenden Serpentinen. Die Landschaft, die immer wieder wechselt,
zeigt ständig neue Ausblicke auf die Felsen um uns herum. Sie sind totenblass.
Die Ladiner nennen die Dolomiten deshalb au ch
die „Bleichen Berge“.
Allmählich verlassen wir die bleiche Felsenwelt und rollen hinunter ins
Tal, wo uns Temperaturen über 30° C im Auto schmoren lassen. Gegen Mittag
beziehen wir Quartier im „Ansitz Wildberg“, einem Campingplatz direkt
am Dolomitenrand gelegen. Der kleine familiäre Platz, liebevoll mit Blumen
geschmückt und die sanitären Einrichtungen im ansprechenden graphischen
Design gestaltet, erweckt Begeisterung pur. Und das schönste ein kleiner
Pool steht zur Abkühlung bereit.
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Bruneck – Grödner Joch – Pisciadu
Ohne Plan und Ziel brechen wir am frühen Morgen auf in Richtung Dolmiten.
Nach dem Auflösen der Nebelfelder scheint auch die Sonne wieder voll vom
Himmel. Über Serpentinen geht’s weiter in Richtung Süden durch ein tolles
Gebirgspanorama. Wir erreichen das Grödner-Joch. Parkende Autos verraten
uns den Beginn eines Wanderweges.
Wir
befinden uns wieder mitten im „Reich der bleichen Berge“. Das helle, fahle
Dolomitengestein hat sich vor 100 bis 200 Millionen Jahren im riesigen
Triasmeer gebildet. Aus Milliarden und Abermilliarden von kalkspeichernden
Tier- und Pflanzenorganismen waren mächtige Kalkriffe entstanden, die
bei der Bildung der Alpen empor gewölbt wurden.
Entlang saftiger Wiesen geht’s rüber an den Fuß des Pisciadu (2985 m)
ein Berg der Sella-Gruppe. Über einen serpentinenartig angelegten Wanderweg
kämpfen wir uns durch ein Geröllfeld hoch. Plötzlich ein lauter Schrei...Achtung!!
Ein 30 cm großer Stein poltert den Berg herunter. Wir
schaffen es gerade noch auf die Seite zu springen. Ein Wanderer 100 Meter
über uns hatte den Stein ausgelöst und uns glücklicherweise noch gewarnt.
Der schmale sehr steile Geröllweg mündet in einen Pfad, der sich zwischen
großen Felsbrocken hindurchschlängelt. Wir befinden uns in einer schluchtartigen
Schneise, die je weiter wir nach oben kommen, immer enger wird. Die umliegenden
Felswände rücken immer näher. An einer Passage, wo klettern erforderlich
wird – zum Glück gibt’s ein Drahtseil zum Festhalten- wird’s verdammt
eng. Oft müssen wir warten bis herunterkommende Wanderer den Weg freimachen.
Der gut besuchte Wanderweg lässt hoffen das unsere Strapaz en
auch belohnt werden. Glühende Hitze brennt herunter, wir schnaufen –jeder
Schritt ein Atemzug. Margit beginnt langsam zu schwächeln. Erst als eine
Familie mit Kindern den Berg herunterkriecht wird sie wieder angespornt
für das letzte Stück bis zum Gipfel. Oben erwartet uns ein großartiger
Rundumblick auf die benachbarten 3000 er die mit ihrem hellen Gestein
in den blauen Himmel emporragen.
Die Knochen müde, lassen wir uns von der Lust zum Faulenzen verführen.
Allmählich verspüren wir nach dieser Tour die elementaren Bedürfnisse:
Durst, Hunger und Müdigkeit. Auf dem Rückweg machen wir noch einen Abstecher
nach Bruneck, wo wir uns das redlich verdiente Eis schmecken lassen.
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Bruneck
– „Drei Zinnen“
Über eine
gebührenpflichtige Passstraße schrauben wir uns hoch zu den „Drei Zinnen“,
eine Felsengruppe in den Sextener Dolomiten.
Oben, an einem großen Parkplatz angelangt, rätseln wir über das Dasein
der gewaltigen Automassen. Voller Erwartungen und gut gelaunt schnüren
wir unsere Wanderstiefel und machen uns auf den Weg die „Drei Zinnen“
zu umrunden. Doch staunen wir nicht schlecht, als uns zum wiederholten
Male Frauen mit Stöckelschuhen und Handtasche entgegenkommen. Beim Überqueren
einer Bergkuppe kommt dann das grausame Erwachen. Der Blick in die Ferne
wird frei und wir sehen ihn, den Touristenhighway, der entlang des Gebirgskammes
verläuft. Hunderte von Menschen kriechen wie Ameisen den Dolomitenhöhenweg
entlang. Wir kommen uns vor wie in München zur Rushour.
Schweren
Mutes reihen wir uns ein und lassen uns ein Stück mittreiben, bevor uns
eine heranziehende Schlechtwetterfront zum Umkehren zwingt. Den Blick
auf das berühmte Gipfeltrio noch kurz mitgenommen, machen wir uns wieder
auf den Rückweg.
Am Abend
landen wir in einer netten Pizzeria, wo wir den Tag mit einem kräftigen
Rotwein aus der Provinz abschließen.
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Bruneck
– Venedig
Bei Mestre-Nord
sollten wir die Autobahn verlassen, nur das Schild Venezia haben wir nicht
gesehen, also weiter in Richtung Mestre-Centrum wo wir nach Venedig abbiegen.
Noch ein Stück auf der Landstraße, bevor uns ein Parkwächter in einen
Parkplatz einlotzt. Unterwegs war uns schon ein ungewohntes Geräusch aufgefallen.
Als wir schließlich auf dem holperigen Schotterplatz durch ein Schlagloch
fetzen ist es soweit. Ein lautes Poltern lässt Schlimmstes befürchten.
Eine Halterung ist abgerostet, der Auspuff eingerissen und heruntergekracht.
Per Expander wird das Wackelteil provisorisch hochgeknebelt, dann rollen
wir in die Parkbucht ein wo wir die Sache erst mal ruhen lassen. Der heraneilende
Parkwächter knöpft uns noch eine horrende Summe von 18 000 Lire ab, bevor
wir uns auf den Weg zur Schiffsüberfahrt machen. Hier die nächste Überraschung:
Die Fahrpreise dermaßen überzogen – wir werden so richtig abgezockt.
Venedig ist
auf 118 kleinen Inseln erbaut und von etwa 100 Kanälen durchzogen, deren
Ufer durch fast 400 meist steine rne
Brücken verbunden sind. Die auf Pfählen stehenden etwa 15 000 Häuser bilden
ein enges Gewirr von Straßen und oft kaum 1,5 Meter breiten Gassen. Wir
lassen uns durch viele dieser Gassen treiben, spulen das übliche Besucherprogramm
ab, schießen ein paar Filme durch und landen schließlich am Markusplatz.
Übrigens alles bei traumhaftem Wetter.
Besondere Begeisterung erweckt der 175 Meter lange und 56 - 85 m breite
Platz, er ist mit Trachit und Marmorplatten belegt und gilt als einer
der prächtigsten Platzanlagen der Welt. Neben zahlreiche Sehenswürdigkeiten
- die wahrscheinlich eh schon jeder kennt- finden wir abseits des Rummels
das beste und günstigste Eis ganz Italiens – glauben wir wenigstens. Am
späten Nachmittag verlassen wir die märchenhafte Welt und kehren zum Parkplatz
zurück, wo uns die Realität erwartet ....der kaputte Auspuff!!!
Um die Autobah n
nicht unnötig mit abgerosteten Teilen zu belasten, wählen wir die bergige
Variante auf der Landstraße durchs Hinterland. Wir schleichen unzählige
Serpentinen hoch und auf der anderen Seite des Berges wieder herunter,
durch Wälder hindurch und an landschaftlich reizvollen Ausblicken vorbei.
Hier auf der engen Straße werden wir des Öfteren mit der Kamikaze ähnlichen
Fahrweise der „Italiener“ konfrontiert. Die Fahrt entlang der kurvenreichen
Strecke gleicht mehr einer Seereise bei Windstärke 10. Nachdem sich der
Umweg dermaßen in die Länge zieht haben wir kaum Zeit die wunderschöne
Landschaft zu genießen. Nur eine Kirche, die in einer Felswand integriert
ist, verleitet zu einer Fotopause.
Allmählich bricht die Dunkelheit herein. Um die verschlafenen Bergdörfer
mit unserem Getöse nicht zu wecken beschließen wir, das letzte Stück auf
der Autobahn zurückzulegen.
Gegen 22
Uhr erreichen wir die Mautstelle Brixen. In Venedig das letzte Kleingeld
mit Eis verplempert, müssen wir wiederwillig mit einem 100 000 er bezahlen.
Mit freundlichem Grinsen über den Lippen gestrichen drückt uns der Kassier
ein Bündel voll Kleingeld in die Hand, in der Hoffnung das wir den Schwindel
nicht bemerken. Er gab uns nur auf 50 000 Lire raus. Es beginnt eine heftige
Debatte. Der Kassier verspricht uns, nachdem sowieso gleich Schichtwechsel
ist, die Kasse zu prüfen. Natürlich taucht der 100 000 er, der vermutlich
in der Hosentasche verschwand, bei der Kassenprüfung nicht mehr auf. Nach
mehrmaligem Drohen die Polizei zu verständigen geben wir letztendlich
- nach diesem ereignisreichen Tag und um unsere Nerven zu schonen - auf.
Im Ansehen der Italiener schwer gedemütigt rollen wir zurück zu unserem
Quartier.
Auch die schlafenden Kinder sind wohl sehr darüber erfreut, als wir mit
unserer Donnerkarre zum Campingplatz hin abbiegen. Natürlich parken wir
die Karre außerhalb der Pforte damit wir nicht gleich geautet werden.
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