Reisebericht 


© Franz Sebald

Strecke:
Siena - Ille Crete - Tivoli - Pompej - Neapel - Vesuv - Sorrento  - 
Amalfi - Ravello - Peastum - Castellabate - S. Maria Castellabate
Acciaron - Caserta - Fabru - Citta d. Pieve - Lago di Castiglione - 
Florenz

 

 

 

 

Reisebericht als Textdatei (ohne Bilder)
 

Mit dem Wohnmobil nach Kampanien.

 

Monheim – Florenz

 

Es ist Freitagmittag, das Womo ist eingeräumt und steht zur Abfahrt bereit. Wir wollen zeitig los um der Osterreisewelle voraus zu sein.  Als Philipp (6) vom Kindergarten abgeholt wird, klagt er weinend über Ohren- und Halsschmerzen. Die Abfahrt wird bis auf Weiteres verschoben. Margit holt sich telefonischen Rat beim Hausarzt. Die homöopathische Medizin hilft rasch, so dass wir uns gegen 14:00 Uhr zur Abreise entschließen. Das Reisefieber legt sich bei Philipp schon sehr bald und wir können beruhigt Richtung Brenner weiterfahren. Kaum haben wir die Grenze zu Italien passiert, geraten wir in den ersten Verkehrsstau. Wir kommen nur schleppend voran. Die Strecke zwischen Brenner und Bozen ist von Baustellen übersät. Dennoch schafften wir es an diesem Abend bis ca. 80 Kilometer vor Florenz. Übernachtet wird an einem Autobahnrastplatz neben einem Kühllastwagen. Das lautstarke Rattern des Gebläses stört uns wenig, nachdem wir todmüde in die Betten fallen.

 

Siena - Crete – Rom

 

 

Etwas verschlafen entsteigen wir den Betten. Wir haben blauen, wolkenlosen Himmel. Frühstücken mit mitgebrachtem Kuchen. Angekommen in Siena, finden wir am Stadtrand einen großen Parkplatz. 15000 Lire müssen wir dafür hinlegen, obwohl es zum Zentrum doch noch ein ganz schönes Stück zu laufen ist. Na ja, dafür bietet Siena viel zu Sehen. Als erstes folgen wir dem mächtigen Touristenstrom zum muschelförmigen Platz des Campo mit seinem 88 Meter hohen Turm Tore del Mangia, dessen Besteigung wir aber wegen der langen Warteschlange sausen lassen. Entlang der malerischen Via della Galluzza flanieren wir zum gotischen Dom, der uns durch seine prunkvolle Fassade besonders beeindruckt. Auch der in Zebrastreifen angelegte Marmor im Inneren ist nicht ganz übel. Anschließend schlendern wir auf dem antiken Pflaster durch gewundene alte Gassen und genießen die ansprechend restaurierte Architektur. Es geht vorbei an liebevoll geschmückten Hinterhöfen, wo sich hinter jeder Ecke ein Fotomotiv verbirgt - einfach malerisch! Langsam ziehen Gewitterwolken auf. Wir bummeln noch durch einige Gassen, bevor wir uns auf den Rückweg zum Parkplatz machen.
Kaum das Wohnmobil ereicht, schüttet es in Strömen.

Nach ausgiebiger Mittagspause rollen wir weiter Richtung Süden. Das Regenwetter hat sich zwischenzeitlich wieder in Sonnenschein umgewandelt und so fahren wir einem herrlichen Nachmittag entgegen. Unser Weg wird begleitet von hügeligen Äckern und Wiesen, vorbei an friedlich vor sich hingrasenden Schafherden. Wir durchqueren die öde Landschaft der Crete, ein Gebiet das südlich von Siena beginnt. Zypressenalleen, rotbraune Hügel und alte Bauernhäuser spiegelten das charakteristische Element einer toskanischen Landschaft wieder. Immer wieder zwingen uns schöne Ausblicke anzuhalten und das Panorama zu genießen. Abends fahren wir noch auf der gut ausgebauten Autostrada weiter bis kurz vor Rom.

 

Tivoli – Pompej

 


Nachdem unser Übernachtungsplatz nur ca. 40 km vor der Autobahnausfahrt Tivoli lag, sind wir schon
ziemlich früh bei der Villa Hadrian. Direkt vor dem Eingang der Ausgrabungsstätte bekommen wir einen kostenlosen Parkplatz.
Von der Pracht der Kaiserzeit, sowie von imperialer Größe vermitteln die mächtigen Ruinen der Villa. Kaiser Hadrian ließ im kleineren Maßstab die Bauwerke kopieren, die ihn bei seinen ausgedehnten Reisen durch das römische Reich besonders beeindruckten.

Wir durchstreifen die weiträumige Anlage - Rast machen wir auf einer marmornen Bank, sie steht am Ufer eines dunkelblau schimmernden Beckens dass von weißen, marmornen Statuen umgeben ist. Sie spiegeln sich im Wasser des Piazza dòro (Goldener Platz), der einst von 60 Säulen umgeben war. Im Hintergrund, rot und weiß blühende Bäume, es ist Frühling!
Zudem haben wir strahlend blauen Himmel und die Sonne scheint voll vom Himmel, einfach wunderbar! Fast drei Stunden schlendern wir durch die alten Gemäuer, vorbei an Säulen, Statuen und schönen Wasseranlagen.
  Zum Abschluss besuchen wir auch noch das kleine, aber liebevoll dekorierte Museum der Kaiservilla.

In der Zwischenzeit gesellte sich neben unseren Parkplatz ebenfalls ein deutsches Womo. Die Familie aus Saarland war gerade am Aufbrechen, als wir uns bei ihnen nach dem Weg zur Villa d. Este erkundigen. Ganz nett war das Plaudern
über vergangene Urlaubserlebnisse. Auch die pfiffigen Zaubertricks der Saarländer verblüffen Philipp und lassen ihn noch lange in den Tag hinein grübeln. Wir tauschen noch Insidertipps aus, bevor wir uns endgültig verabschieden.

Nach langem hin und her finden wir in der Innenstadt von Tivoli einen Parkplatz am Friedhof. Laufen ist angesagt, denn es scheint als sei die Villa am Rande der Kleinstadt. Nach 45 Minuten erreichen wir den eindrucksvollen Park mit seinen großartigen Wasserspielen. Ein Paradies für Philipp. Hunderte von Fontänen, Brunnen und Wasserbecken die das Wasser aufnehmen, sammeln, weitergeben und empor schleudern. Überall rauscht es, Fontänen spritzen an jeder Ecke hoch, es ist schon beeindruckend welche gewaltigen Mengen an Wasser hier fließen.
Noch knappe 250 km sind es von Rom bis Pompei – dort angekommen buchen wir uns auf dem Campingplatz „Zeus“ in
  Pompei Scavi ein.

 

Pompej

 

Die warmen Sonnenstrahlen schmeißen uns aus den Federn, bereits am frühen Morgen hat es angenehme Temperaturen. Zum Frühstück frische Brötchen, Croissants und von Philipp frisch gepflückte Orangen von den Bäumen des Campingplatzes.
Ein Besuch von Pompej steht auf dem Programm. Nachdem wir den Andrang an der Pforte hinter uns brachten, starten wir mit dem uns an der Kasse in die Hände gedrückten Plan Pompejis unsere Entdeckertour. Kreuz und quer geht’s durch die Gassen der fast 2000 Jahre alten Stadt. Man kann sich so richtig in das Alltagsleben der Römer zurückversetzen.
Sicher, den Archäologen hat Pompej, mit ihren einzigartigen Wandmalereien, kostbaren Bodenmosaiken und den auserlesenen Bronzestatuen viel Freude gemacht. Doch große Freude macht sie heute auch dem italienischen Staat: mit über zwei Millionen Besuchern ist Pompej die meist aufgesuchteste und damit einträglichste Kunststätte Italiens. Somit ist es auch kein Wunder, dass wir auf Unmengen von Besuchergruppen stoßen. Besonders beeindrucken uns die vielen luxuriösen Villen mit ihren schönen Wandmalereien und aufwendigen Mosaikfußböden. Großer Andrang ist im Freudenhaus, so dass wir wegen Überfüllung erst gar nicht hineinkommen. Angeblich gibt’s hier gut erhaltene Mosaike über das Liebesleben der Römer. Auch das riesige Amphitheater mit Blick auf Vesuv erweist sich als lohnenswert. 
In den schmalen verwinkelten Gassen herrscht kaum Luftbewegung. Temperaturen über 30 °C lassen uns in sengender Mittagshitze schmoren und veranlassen uns eine längere Pause im Womo einzulegen. Gegen Nachmittag ziehen Wolken auf. Der bedeckte Himmel und ein angenehmer Wind regen uns zu einem erneuten Besuch der Ausgrabung an.

 

Pompej – Neapel

 


Neapel sehen und Sterben“, oder der Slogan „Eingang zur dritten Welt“, so wurde es vor Jahren von der Presse vorgegaukelt. Es traf auf keinen Fall als Charakterisierung zu. Klagen über Verkehr, Müllberge, verpestete Luft, Korruption, Elend und Verbrechen - während Touristenprospekte eine heile Welt am blauen Meer mit malerischen Gassen vorgaukelten. Heute ist Neapel, die Stadt am Fuße des Vesuvs wieder auf dem Wege, die kulturell anspruchsvolle Metropole Süditaliens zu werden.

In der Via Speranzella, der „Straße der kleinen Hoffnung“, geht das Leben seit Jahrzehnten unverändert seinen gewohnten Gang. Aus kleinen Handwerksläden klingen die Geräusche emsiger Tätigkeit: Hämmern, Bohren, Sägen. Ein korpulenter Mann, in einen engen Klappstuhl gepresst, verkauft an der Straße ausgestellte Bilder und Antiquitäten. Wir bewundern noch ein wenig die düsteren Ölgemälde mit ihren prunkvoll verzierten Goldrahmen, bevor wir durch dunkle enge Gassen zum Castell Nuovo weiterlaufen. Betreten wird es durch ein monomentales Renaissance-Portal. Gleich in der Nähe der Festung ist die prächtigste Gallery Neapels, die Galleria Umberto, mit ihrer 58 Meter hohen Glaskuppel. Gegenüber liegt Neapels größter autofreier Platz, der Piazza Pubiscito mit der Kuppelkirche San Francesco und den 1602 entstandenen Königschloss Palazzo Reale.
Hier am südlichsten Punkt unserer Sightseeing-Tour drehen wir um und schlendern zurück entlang der Via Umberto, Richtung Zentralbahnhof. Ein Riesentumult, hastig dahineilende Passanten, hupende Autos, knatternde Mopeds, Lärm und Gestank. Rechterhand geht`s rein in eine Seitengasse. Wäsche hängt zum Trocknen über spielenden Kindern. Düstere Einzimmerwohnungen, die nur durch die Eingangstür Licht erhalten. Dunkle verrußte Fassaden, nur zwei Meter Platz für einen holprig gepflasterten Weg, lenken uns weiter bis zum Zentralbahnhof, wo wir die kreischende Bahnfahrt nach Pompej antreten.
Wir sind froh unser Womo stehengelassen und uns die Kurverei und Parkplatzsuche in Neapel erspart zu haben. Bereits den ganzen Tag werden wir begleitet von einem wolkenverhangenen Himmel. Doch kurz nach unserer Ankunft in Pompej Scavi zeigen sich wieder schüchterne Sonnenstrahlen.

 

Pompej - Vesuv

 


Angesichts des strahlenden Sonnenscheins
entschließen wir uns den Vesuv zu besuchen. Es ist morgens um 8:15 Uhr, wir stehen am Bahnsteig Richtung Ercolano. Der Zug, für dessen Fahrkarte wir nur eine Kleinigkeit von 6 000 Lire berappt haben lässt etwas auf sich warten. Von Ercolano aus wollen wir auf direktem Wege mit dem Linienbus weiter zu dem auf 1000 Meter Höhe liegenden Parkplatz am Vesuv, glaubten wir jedenfalls. Kurz vor der Endstation hält der Bus vor einem Kiosk an: Souvenirverkauf! Aus der viertel Stunde Pause wird natürlich fast eine dreiviertel Stunde. Langsam sammeln sich die Souvenirjäger wieder. Der Bus schleicht noch fünf Minuten weiter, bevor er uns an der Endstation raus wirft. Die restlichen 200 Meter müssen wir über das rotbraune Geröll zu Fuß überwinden. Nach über 30 Minuten Fußmarsch erreichen wir den Krater, in den man aber erst blicken darf, wenn man 9000 Lire bezahlt hat.
Ein wenig beklemmend ist der Blick in den 230 Meter tiefen Krater, der beim letzten Ausbruch 1944 noch 250 Millionen Kubikmeter Lava ausgespieen hatte. Der Superpanoramablick auf den Golf von Neapel wäre ein besonderes Erlebnis. Leider spielt das Wetter nicht mit, es ist diesig. Wir wanderten noch entlang des Kraterrandes auf die gegenüberliegende Seite, bevor wir uns zum Abstieg entschließen. Fast eine Stunde warten wir auf den Bus, bevor er uns runter nach Ercolano chauffiert. Wir bummeln stadteinwärts, hier wollten wir die Ausgrabungsstätte Heracluem besichtigen, doch der Appetit und das Restaurante in der Nähe verführen uns zum Pizza essen. Wohl gestärkt, geht`s zurück zum Bahnhof. Wir haben Glück, ein Zug eilt heran. Kurz vor unserm Ziel Pompej Scavi, geschieht etwas was wir nicht erwarten. Der Zug zweigt wenige Meter vor dem Bahnhof ab. Vermutlich sind wir im falschen Zug!
Am nächsten Bahnsteig verlassen wir den Waggon. Wieder ist Warten angesagt... - es geht eine Station zurück. Etwas angenervt ist Franz von der ewigen Warterei, auch Philipp dauert es zu lange. Endlich! Der Zug nach Pompej Scavi trifft ein. Erst am späten Abend erreichen wir unseren Campingplatz. Die geplante Duschaktion verschieben wir auf morgen früh. Es wird noch schnell aufgekocht, bevor wir todmüde in die Betten fallen.

 

PompejSorrento

 

Nachts, ein nicht ganz unbekanntes Geräusch. Regen prasselt auf die Dachluke. Heute Morgen dann dasselbe Bild. Zum Glück hatten wir gestern Postkarten besorgt. Es ist eine gute Gelegenheit Grüße an die Daheimgebliebenen zu schreiben. Gegen Mittag kommen langsam die ersten Sonnenstrahlen durch. Wir beschließen mit der Bahn nach Sorrento zu fahren. Hier angekommen, erkundigen wir uns am Bahnhof wegen einer Buslinie nach Amalfi, die wir in den nächsten Tagen in Anspruch nehmen wollen. Ohne Plan und Ziel flanieren wir entlang der Souvenirläden. Etwas Shopping - Gewürze und Nudeln werden gekauft. Zufällig erreichen wir einen Palmen umsäumten Platz, hoch über den Hafen liegend. Von hier bietet sich ein toller Ausblick über den Golf von Neapel. Der wie auf einer Bühne angelegte Ort, liegt über hohen steilen Felswänden. Ein Fußweg führt über zahlreiche Treppenstufen hinunter zum Hafen, wo wir bei leckerem Eis, den Meerblick genießen. Auf dem Rückweg zum Bahnhof besuchen wir noch den romantischen Kreuzgang einer alten Kirche, der liebevoll mit bepflanzten Terrakottagefäßen geschmückt ist.

 

PompejAmalfiRavello

 


Als wir morgens um 8:00 Uhr mit dem Zug nach Sorrent fahren, zeigt sich ein strahlend blauer Himmel. Mit dem orangefarbenen Linienbus geht`s weiter Richtung
  Amalfi. Kaum haben wir die Bucht von Neapel hinter uns, ziehen dicke Nebelwolken auf. Kurz hinter einer Kurve wird der Blick frei auf das so typische Panorama der Amalfiküste: steile Felswände abfallend bis zum Meer. Tief eingeschnittene Schluchten sowie dicht an den Fels geklebte Dörfer lockern die spektakuläre Küstenlinie auf. Die kurvenreiche Serpentinenstraße, die sich an der Steilküste entlang windet, bietet immer wieder wunderschöne Ausblicke. Leider werden sie vom Nebel etwas getrübt, schade! Nach eineinhalb Stunden atemberaubender Fahrt erreichen wir den 40 km entfernten Ort Amalfi. Als erstes schlendern wir zum Dom, der für den kleinen Ort mit 6500 Einwohnern etwas überheblich wirkt, aber trotzdem sehenswert ist. Wir lassen uns abseits des Touristenstroms in kleinen Gassen treiben. Pastellfarbene Fassaden mit üppig überquellenden Blumenkästen, winzige Terrassengärten die wie Schwalbennester am Hang kleben bezaubern uns und spornen zu weiteren Aktivitäten an.

Vom Hafen aus führt eine Busverbindung zum 300 Meter höher liegenden Ort Ravello. Beim Hochschleifen der engen kurvenreichen Panoramastraße spitzt plötzlich die Sonne hinter der Nebelwand hervor. Zugleich bieten sich beeindruckende Ausblicke auf die Küste. Die einst blassen Farben werden in ein stimmungsvolles Licht getaucht. Langsam bricht die volle Sonne durch.
Meterhohe Palmen, blühender Ginster, sowie einheimische Pflanzen machen den Straßenrand zu einer richtigen Oase.
In Ravello besuchen wir die Villa der Familie Rufolo aus dem 11. Jh. Der beeindruckende Park wurde terrassenförmig an den Fels gebaut. Hier auch der Blick auf das wohl bekannteste Fotomotiv Kampaniens: die beiden Kirchturmkuppeln vor der steil ins Meer stürzenden Amalfiküste, eingerahmt von einer knorrigen Kiefer.
Anschließend führt uns ein 20-minütiger Fußmarsch, quer durch den Ort, zur Villa Cimbrone. Der malerische Kreuzgang und die große Parkanlage bieten viele Fotomotive. Es geht weiter durch den blühenden Park. Wir stehen an einem schwindelerregenden Ort, fast 300 Meter senkrecht abfallend bis zum Meer. Nicht zu Unrecht verdient er den Namen "Terrasse des Unendlichen". Philipp weiß die Höhe zu schätzen und geht eine Schritt zurück. Langsam lockt auch ihn der grandiose Ausblick auf die Küstenlinie näher an die Brüstung heran.
Beim Verlassen des Parks fallen bereits die ersten Regentropfen, wir schaffen es gerade noch bis zur Bushaltestelle bevor es in Kübeln gießt.
Nach dem Betreten des Busses, steigt uns sofort der ätzende Geruch von "Kölnisch Wasser" in die Nase. Irgendwer musste sich in dem Plunder geduscht haben. Jedenfalls waren wir alle sehr erleichtert als wir die kurvenreiche Strecke, in der miesen Luft hinter uns gebracht hatten. Gegen 19:00 Uhr erreichen wir den Campingplatz und freuen uns auf ein gemütliches Abendessen bei Vino rosso.

 

Pompej – Paestum – Castellebate S. Maria

 

Knatternde Dieselmotoren von Wohnmobilen wecken uns an diesem Morgen. Übernacht kamen mindestens 20 Fahrzeuge auf dem Platz hinzu. Die ganzen Zufahrtswege sind zugeparkt von Italienern die Ostern für einen Kurzurlaub nutzen. Frühmorgens ist großes Rangieren angesagt, jetzt geht’s richtig hektisch zu. Glücklicherweise wollen wir heute sowieso abreisen, so fällt uns die Entscheidung nach dem Chaos etwas leichter.
Nochmals
frische Brötchen zum Frühstück. Das Womo ent- und versorgen und Abfahrt Richtung Salerno. Kaum auf der A3, geraten wir in einen Stau. Für die weniger als 100 km Strecke brauchen wir letztendlich über drei Stunden. In Paestum angekommen, müssen wir feststellen dass zwei der drei griechischen Tempel eingerüstet sind. Man kann vor lauter verrostetem Eisen nur noch die Form der Tempel erahnen. Das blühende Handelszentrum wurde im 7. Jh. v. Chr. gegründet. Nach der Durchkreuzung der archäologischen Zone, die einen Umfang von fast fünf Kilometer aufweist, besuchen wir das angrenzende Museum in dem viele Funde aus der Zeit um 500 v. Chr. und aus der Steinzeit dekorativ ausgestellt sind. Am späten Nachmittag lenken wir weiter, entlang der Küstenstraße, zu dem am Meer gelegenen Campingplatz „Trezene“ bei Castellabate S. Maria. Am Strand tummeln sich Kinder vergnügt in den Wellen, uns ist das Wasser allerdings zu kalt. Unser Stellplatz ist nur wenige Meter vom feinsandigen Strand entfernt, so dass wir auch schnell bei einem herrlichen Sonnenuntergang vor Ort sein können.

 

Castellabate S. Maria

 

Bereits um 6:30 Uhr schmeißt uns Philipp aus den Betten. Am Campingplatz ist es noch richtig still. Man hört nur das Rauschen des Meeres. Ein Blick aus dem Fenster: der Himmel ist wolkenverhangen. Wir verbringen den ganzen Vormittag im Womo mit Lesen und Karten spielen. Nach einem ausgiebigen Mittagessen locken uns die ersten Sonnenstrahlen heraus zu einer Strandwanderung zum drei Kilometer entfernten Ort Castellabate S. Maria. Entlang der schwappenden Wellen erreichen wir den kleinen Hafen, der mit vielen bunten Fischerbooten übersät ist. Ganz nett sind ein paar malerische Boote, die im Sand liegen. Frauen sitzen am Uferrand und säubern Fischernetze. Eine alte Festung begleitet unseren Weg zum Zentrum. An einem großen mit Palmen umrahmten Platz machen wir Halt, er ist der Mittelpunkt des Ortes. Hier herrscht reges Treiben, es wird geplaudert, gelacht und geflirtet. Kinder spielen Fußball, alte Männer träumen auf einer schattigen Bank von vergangenen Zeiten. Ständig wechseln die Hauptdarsteller. Bei einem großen Eis beobachten wir das Schauspiel eine ganze Weile und begeben uns dann schließlich auf den Rückweg. Den Rest des Nachmittags verbringen wir mit Faulenzen am Meer. Philipp gräbt den halben Strand um und ist somit glücklich und zufrieden.

 

Castellabate S. Maria - Castellabate

 

Frühmorgens aufgestanden um abzureisen, bekommen wir einen Tipp vom Platzbesitzer. Angeblich ist Ostermontag ein schlechter Tag zum Fahren. Die meisten Italiener wollen heute zum Piknicken raus auf`s Land und die Verkehrsverhältnisse wären chaotisch. Ein Prospekt vom nahe gelegenen Bergdorf Castellabate drückt er uns in die Hand. Der Ort in traumhafter Lage soll besonders sehenswert sein. Wir sind begeistert und verlängern einen Tag. Nach Check der ausgeliehenen Räder radeln wir los zum Ortsrand. Hier können wir auch die kilometerlange Blechlawine sehen, an der wir später vorbeirollen. Unterwegs lenken wir linkerhand in eine Seitenstraße, es geht mächtig bergauf. Wir müssen kraftvoll in die Pedale treten um der sechs Kilometer langen Serpentinenstraße zu folgen. Die schweißtreibende Strecke wird mit herrlichen Ausblicken auf die vorgelagerte Küstenlinie belohnt.

Das Dorf, eingefasst von einer Ringstraße, im Innern nur enge Gassen und Treppen die ein Befahren unmöglich machen. Zu Fuß lassen wir uns durch den Ort treiben. Alte Häuser, der Putz abbröckelnd mit verwitterten Fensterläden, Terrakotta-Gefäße liebevoll mit Pflanzen geschmückt und malerische Hinterhöfe erwecken bei Franz – zwecks Fotomotive - große Begeisterung.

Die hellgrünen Blätter der frisch ausgetriebenen Kastanienbäume hängen tief herab über die Teerasse einer Pizzeria. Großzügig verteilte Tische in weiße Decken gehüllt, sowie der Panoramablick auf Küste und Meer laden zum Verweilen ein.
Der Ober trägt: weißes Hemd mit schwarzer Fliege und alles wirkt sehr vornehm. Kaum sitzen wir am Tisch, wird auch schon ein Krug Wasser, sechs Gläser und ein Korb mit Weißbrot aufgetischt. Nach längerem Warten wird die Bestellung aufgenommen. Die Verständigung fällt schwer, der Ober spricht kein Englisch – wir kein Italienisch. Jedenfalls gibt`s heute keine Pizzas. Zwangsläufig begnügen wir uns mit Nudelgerichten. Margit nimmt Spagetti mit Muscheln, Philipp Rigatoni Napoli und meines können wir nicht identifizieren. Jedenfalls ist`s scharf und lecker. Abgeschlossen wird das Ganze mit Cappuccino. Gleichermaßen ruhen die müden Füße noch ein wenig aus, bevor wir wieder runter rollen zum Hafen von S. Marco. Abends wieder erholt, wandern wir bei starkem Wind und tosenden Wellen fast zwei Stunden am Meer entlang. Langsam nähert sich die Sonne dem Horizont, verzaubert noch ein letztes Mal den Himmel in ein rot leuchtendes Farbenspiel, bevor sie entgültig im Meer versinkt. Wir erleben einen wunderschönen Sonnenuntergang der uns bis in die Nacht hinein begleitet.

 

Castellabate S. Maria – AcciaroliCasserta

 

Wieder mal blauer wolkenloser Himmel, eigentlich zu schade zum Abreisen, doch wir wollen weiter entlang der schönen Küstenstraße Richtung Süden nach Acciaroli. Die gut ausgebauten Landstraße Nr. 16 schlängelt sich entlang saftig grüner Berghänge. Manchmal wird’s auch richtig interessant - eine fast senkrecht abfallende Steilküste bietet wunderschöne Ausblicke auf das farbenfrohe Meer. Hin und wieder durchqueren wir kleine verschlafene Orte, malerisch am Meer gelegen.

Um die Rückreise in mehreren Etappen angenehm zu gestallten, sind wir hier gezwungen die Küste zu verlassen und durchs Landesinnere Richtung Norden zurück zu fahren. Kurz vor der Autobahn geraten wir wieder mal in einen Stau der sich aber bald auflöst, somit steht der Weiterfahrt nach Casserta nichts mehr im Wege. Hier wollen wir das Schloss, das wegen seiner Schönheit und dem 4000 Meter langen Wasserpark zu einer der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Italiens gehört, besichtigen. In Europa ist es neben Versailles und Potsdam das schönste und größte Schloss. Nach dem Verlassen der Autobahn sehen wir schon am Ende einer breiten, kilometerlangen Straße die Reggia. Zufällig ist auch gleich ein Parkplatz am Straßenrand. Schnell entscheiden wir uns zum Parken, um das restliche Stück zu laufen.
Durch die gewaltige Größe des Schlosses haben wir uns in der Entfernung total verschätzt, es sah so nah aus und war doch eine dreiviertel Stunde Fußmarsch entfernt. Zu allem Übel kreuzen auch noch Bahnlinien den Weg, so dass wir gezwungen sind einen weiteren Umweg zu einer Unterführung zu laufen. Endlich angekommen müssen wir feststellen, dass der besonders sehenswerte Schlosspark geschlossen ist, Schade! Die Enttäuschung ist groß, so bleibt uns nur noch die Besichtigung der Reggia mit ihren einst 1200 Zimmern. An diesem Tag sind wir vom Glück nicht gerade gesegnet. Als wir Casserta verlassen, geraten wir in einen Stau nach dem anderen. Nach eineinhalb Stunden haben wir gerade mal 30 km Richtung Rom zurückgelegt. Etwas genervt verlassen wir die Autobahn und übernachten an einem Parkplatz am Straßenrand.

 

CassertaFabru - Cita d. Pieve – Lago d. Castiglione - Florenz

 

Früh am Morgen wecken uns die ersten Sonnenstrahlen. Wir haben wolkenlosen, strahlend blauen Himmel. Nach dem Frühstück wollen wir zurück in die Toskana fahren, doch es ist einfach zu schönes Wetter um den Tag auf der Autobahn zu verbringen.
So entschließen wir uns die Straße bei Fabru (Umbrien) zu verlassen um einige der schon von weitem sichtbaren Bergdörfer zu besuchen. Nicht weit ist es bis zum nächsten Dorf. Es liegt direkt neben der Autobahnausfahrt malerisch auf der Kuppe eines Berges. Nur langsam kriechen wir die steilen Serpentinen hoch.
Trotz des 93 kW Turbodiesels muss Franz auf den ersten Gang zurückschalten. Oben im Ort angelangt müssen wir wegen der immer enger werdenden Straße zurückstoßen und umdrehen. Am Ortsrand geparkt, erkunden wir zu Fuß die malerischen Winkel und Gassen des schön gelegenen Bergdorfes. Ganz pfiffig ist eine Bank die aus alten Stoßstangen zusammengeschweißt wurde.


Der Verkehr auf den gut ausgebauten Nebenstrecken hält sich an diesem Vormittag in Grenzen und erlaubt so entspanntes Fahren und den Blick für die Landschaft. Weiter geht`s entlang der S 71 nach Cita d. Pieve, einem Städtchen aus rotem Backstein, gelegen auf dem Rücken eines Bergkammes. Außerhalb der Stadt ist auch gleich ein Parkplatz, wo wir später erstmals größere Schwierigkeiten haben ihn wieder zu verlassen. Das lange Heck, das beim Einschlagen des 6,5 Meter Schiffes weit ausschwenkt, macht mir das Rangieren im engen Parkplatz besonders schwer. Das Städtchen verzaubert durch seine schönen Gassen und den herrlichen Ausblicken auf die umliegende Hügel und Berge. Die Landschaft mit ihren sanften Hügeln und Zypressenalleen erinnert stark an die Toskana, nur ist alles etwas weiträumiger und nicht so von Touristen überlaufen.
Unsere Route führt weiter zum Lago d. Castiglione, einem großen See mit türkisblauem schimmerndem Wasser, inmitten von Acker und Weideland gelegen. Die am See vorbeiführende Autostrada bringt uns zurück auf die A 1, und weiter Richtung Florenz bis zum Campingplatz „Norcenni Girasole“ in Figline Valderno. Hier wollen wir uns mit meiner Schwägerin Edith und ihren Freund Stefan treffen. An der Rezeption wird uns versichert, dass die Beiden noch nicht angekommen sind. Erst beim Einparken auf dem zugewiesenen Stellplatz, entdecken wir am Nachbarplatz das Auto von Edith. Was für ein Zufall! Sie waren drei Stunden vor uns angekommen und liegen bereits am Pool, als wir sie treffen. Nach dem Abendessen im Restaurant lassen wir den gemütlichen Abend bei ein paar Fläschchen Chianti ausklingen und fallen dann irgendwann spätnachts ins Bett.

 

Florenz

 

Ob es nun die Anstrengung des letzen Tages oder doch der Chianti war, jedenfalls haben wir an diesem Morgen unentschuldbar verschlafen. Auch Philipp, der uns sonst gegen 6:00 Uhr zu wecken pflegt, verschläft. Vergebens versucht uns Edith mit heftigen Schlägen gegen die Womotür zu wecken. Wir hatten vor, zeitig in Florenz zu sein und wollten deshalb bereits um 7:00 Uhr mit den Beiden frühstücken. Um 8:30 Uhr wachen wir dann schließlich auf. Trotzdem noch großes Frühstück und dann ab nach Florenz.
Es geht kreuz und quer durch die Stadt, Parkplatzsuche! Nach längeren chaotischen Suchen werden wir etwas außerhalb des Zentrums fündig. Ein Fußmarsch Richtung Dom führt uns vorbei an etlichen Kirchen die wir teils auch besuchen. Besonders angetan sind wir von Santa Croce, sie gilt als Phantheon der italienischen Kultur und birgt eine Vielzahl schöner Fresken. In ihr liegen auch Michelangelo, Machjavelli und Galilei begraben.
Wir bewegen uns weiter zum Domplatz, dem Treffpunkt von Menschen aus aller Welt. Vor den Toren des Doms stehen Hunderte von Turis an. Wir entschließen uns zur Besichtigung des Babtisterium und reihen uns in die
etwas kürzere Schlange ein. Die Taufkirche beeindruckt am meisten durch ihre achteckige vergoldete Mosaikkuppel. Ganz unbedarft kaufen wir an einem Stand große Tüten Eis, über die wir uns später wegen der horrenden Summe maßlos ärgern. Über den Palazzo Vecchio geht’s weiter zur malerischen Ponte Vecchio, die einzige Arnobrücke die von Kriegsschäden verschont blieb. Entlang der Brücke streifen wir vorbei an den glitzernden Auslagen der Juwelierlädchen. Von hier aus geht’s wieder zurück zum Innenhof der Uffizien, wo sich reges Treiben abspielt. Maler zeichnen witzige Karikaturen und Pantomimendarsteller versuchten das Interesse der Touristen zu wecken. Fasziniert ist Philipp von einem ganz in Silber getauchten Pantomimendarsteller der reglos auf einer Kiste steht. Beim Hineinwerfen einer Münze in den Korb, schreckt er prompt einen Schritt zurück als sich die „Statue“ bewegt. Auf dem Rückweg steigen wir noch die Treppen hoch zum Piazzale Micheangelo. Vom belebten Aussichtsplatz haben wir einen großartigen Panoramablick über die Stadt.

Den lauen Abend verbringen wir wieder vor`m Womo mit Edith und Stefan, allerdings nur mit etwas Wein.

 

Florenz – Monheim

 

Noch etwas verschlafen schlürfe ich meinen heißen Kaffee, Autos brausen lärmend an uns vorbei, wir stehen an einem Autobahnrastplatz bei Bozen. Es ist am späten Nachmittag und ich hatte mich ein wenig flachgelegt, um für die Weitefahrt wieder gerüstet zu sein. Heute Vormittag sind wir nach einem ausgiebigen Frühstück mit Edith und Stefan abgereist. Ja, es ist soweit, unser Urlaub naht sich dem Ende. Wieder einmal haben wir zwei wundervolle Wochen im Süden Italiens verbracht. Uns bleiben noch viele Erinnerungen an eine schöne erlebnisreiche Zeit.

Bei ganz reinheller Atmosphäre kamen wir Neapel näher, und nun fanden wir uns wirklich in einem anderen Land. Die Gebäude mit flachen Dächern deuten auf eine andere Himmelsgegend; inwendig mögen sie nicht sehr freundlich sein. Alles ist auf der Straße, sitzt in der Sonne, solange sie scheinen will. Der Neapolitaner glaubt im Besitz des Paradieses zu sein“.

Goethe notierte diese Zeilen im Jahre 1787 und er hatte Recht, wir waren in einer anderen Welt, im vielverherrlichten Süden Italiens, in der Heimat großer Kulturen der Antike und allergrößter Probleme der Gegenwart.  

Franz Sebald

 

 

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