Teil 2

 

Mi. 05.03.03 - Tour 213 km - Port de Alcudia - Sant Salvador - Cala Sa Nau - Cala Figuera - Es Port - Randa

Nach gewohntem Frühstück, brechen wir zeitig auf. Dieses mal wollen wir an die Ostküste, aber zuerst noch zum Kloster Sant Salvador. Wir erreichen es über Santa Margalida, Petra quer durch die Ebene Es Pla. Die Wahlfahrtskirche Sant Salvador thront auf einem Tafelberg in 500 Meter Höhe über dem Meer. Die Auffahrt zum großzügigen Parkplatz am Kloster erreichen wir über eine kurvige Passstraße. Neben dem Hauptgebäude erhebt sich ein 30 Meter hoher Turm, auf dem sich eine 7 Meter hohe Christusstatue befindet. Von der Plattform haben wir einen Ausblick über hügelige grüne Landschaft bis hin zum Meer. Gegenüber des Berges führt ein Fußweg zu einem gigantischen Steinkreuz, das im Laufe der Geschichte schon zweimal erneuert wurde. Wir genießen den Fernblick über die Llanura - Ebene bis rüber zum Tramuntanagebirge ganz alleine hier oben.

Entlang eines sehr schmalen Weges, gesäumt von Bruchsteinmauern, folgen wir den Wegweisern zu Cala Sa Nau. Wie ein kleiner Fjord schlängelt sich der Meeresarm ins Land. Am Ende eine traumhafte Bucht für uns allein. Weißer Strand, sattes türkisblaues Wasser, dunkelrote Felsen und das kräftige Grün der Kiefern lassen Urlaubsflair pur aufkommen. Ein Trampelpfad führt uns rüber zur nächsten Bucht. Hier steile Klippen und ein großes Felsenloch.

Die Karte verspricht etwas Sehenswertes, wir biegen ab zur Cala Figuera (bei Santanyi). Die Lage ist einzigartig. Der schmale Naturhafen reicht weit ins Land hinein, umgeben von kleinen Häusern. Malerische Fischerboote tümpeln im Wasser und die Bootschuppen sind teilweise in den Fels gehauen. Besonders stimmungsvoll ist unser Spaziergang entlang des Hafens. Wir sind fasziniert von den kräftigen Farben des träge sich wiegenden Wassers. Von leuchtendem türkis bis tief blau sind alle Schattierungen vertreten.

Ein paar Autominuten entfernt liegt Es Pontas eine Felsenbrücke im Meer gelegen.

Die Küstenregion wird verlassen, es geht ins Landesinnere nach Llucmajor zurück. Hinter dem Ort Randa führt eine Strasse hinauf auf den 542 Meter hohen Tafelberg. Landschaftlich ist der Weg hinauf sehr schön. Randa ist neben dem Kloster Lluc das größte Wallfahrtsziel der Insel. Oben ist es bitterkalt, ein eisiger Wind weht uns um die Ohren. Vom vielversprechenden Rundumblick bekommen wir wenig mit, denn starker Dunst trübt die Aussicht. Für einen ausgiebigen Besuch bleibt wenig Zeit, wir wollen dieses Mal zum Abendessen rechtzeitig erscheinen.

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Do. 06.07.03 - Tour 155 km - Port de Alcudia - Cap Formentor - Alcudia - Büger - Cala de Sant Vicenc - Talala d`Albercutx - Cap Formentor (Leuchtturm)

Heute morgen bei Sonnenschein erwacht, ausgiebig gefrühstückt und dann voller Tatendrang losgefahren zum Cap Formentor. Am Aussichtspunkt Mirador Es Colomer, den wir bereits zum zweiten mal besuchen, sind wir die Ersten an diesem Morgen. Direkt gegenüber vom Parkplatz führt eine schmale Strasse den Berg hinauf. Sie ist sehr kurvig, schlecht asphaltiert und voller großer Schlaglöcher.

Sie lenkt uns direkt zum Wachturm Talala d`Albercutx . Übrigens ist die Strecke eine gute Gelegenheit die Bodenfreiheit des Fahrzeugs zu testen, wobei man mit einem Kleinwagen fast an seine Grenzen kommt. Nachdem wir die einzigen sind, die sich den Weg hochschrauben, bleibt genügend Zeit zum Anhalten um die wundervollen Ausblicke zu genießen. Der Wachturm stammt aus dem 16. Jahrhundert und war Teil einer ganzen Kette von Türmen die ein inselumspannendes Wachsystem bildeten.

Von hier hielten Wächter nach Piraten Ausschau und gaben mit Feuerschein in der Nacht oder Rauchsignalen und Horn am Tag den Alarm weiter. Die ständigen Piratenüberfälle führten auch dazu, dass sich die Einwohner von der Küste ins Landsinnere zurückzogen. Oft blieb am Meer nur noch ein Hafenort gleichen Namens, die es heute noch gibt. Oben am Turm weht ein orkanartiger Wind der dunkle Wolken herantreibt. Plötzlich stehen wir mitten in den Wolken die rasch an uns vorbeiziehen. Leider ist es uns nicht vergönnt den Panoramablick zu genießen. Nur weit unterhalb können wir ein Leucht- oder Funkfeuer, das den ankommenden Flugzeugen den Weg nach Palma de Mallorca weist, ausmachen. Die meisten Landeanflüge auf Palma führen über diese Gipfel hinweg und verschaffen den Besuchern einen ersten Überblick über diese grandiose Landschaft.
Wir brechen den Besuch ab und beschließen ihn auf einen anderen Zeitpunkt bei besserem Wetter zu verlegen.

Alcudia, bereits oft durchfahren aber nie besucht, wollen wir uns nicht entgehen lassen. Leider steckt hinter der vielversprechenden, komplett erhaltenen Stadtmauer ein nicht besonders sehenswerter Ort. Will man sich die Zeit mit Bummeln und Schoppen vertreiben, dann ist es hier OK.

Ein Blick auf die Karte verrät Windmühlen im Landesinneren zwischen Sa Pobla und Büger (Richtung Inca). Wir fahren zurück in die zentrale Ebene, wo sich auch das Wetter wieder in Sonnenschein wandelt und besuchen ein paar Windmühlen verschiedenen Erhaltungszustandes. Mehrere tausend Getreidemühlen und Mühlen zum Wasserheben verteilten sich im 19. Jahrhundert über die Insel. Die meisten sind heute verschwunden oder verfallen. Die ersten Wasser-mühlen nutzte man aber nicht zur Bewässerung, sondern zum Trockenlegen von Sümpfen.
Über Pollenca geht`s wieder zurück an die Küste zur Cala de Sant Vicenc, einer kleinen Bucht mit Blick aufs Cap Formentor. Einen gewissen Zauber bewahrt die malerische Bucht, deren Zugang leider von Hotelburgen zugebaut ist. In den umliegenden Restaurants und Bars wird fast überall renoviert und repariert bevor die Touristenmassen zu Saisonbeginn einströmen. Mittlerweile sind die Wolken abgezogen, der Blick zum Cap ist frei und das bei bester Fernsicht. Eine gute Gelegenheit für einen erneuten Besuch des Wachturms Talala d`Albercutx.
Wieder kriechen wir die Löcherstraße hoch. Dieses mal sind wir nicht alleine auf der schmalen Fahrbahn (soweit man es als Fahrbahn bezeichnen kann). Des Öfteren kommen uns Fahrzeugen entgegen und es wird manchmal schon ver-dammt eng. Der erneute Besuch hat sich gelohnt, der 360° Superpanoramablick ist einfach gewaltig! Bei einem Blick über die Steilwand hinter dem Turm hinab, erkennen wir den Aussichtspunkt Es Colomer mit den winzigen Touristen, die sich gerade dort befinden. Die Sonne steht schon ziemlich tief und auf den Bergen zeichnen sich lange Schatten. Margit meint es währe eine gute Gelegenheit für einen Sonnenuntergang an der Spitze des Cap`s.

Fast pünktlich kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir den Leuchtturm am Cap Formentor. Mittlerweile füllt sich der kleine Parkplatz am Turm, vermutlich hatten andere auch die Idee. Langsam nähert sich die Sonne den Horizont, verzaubert noch ein letztes mal die Bergrücken in ein leuchtendes Rot, bevor sie entgültig hinter den Bergen verschwindet. Ein tolles Erlebnis - unvergesslich!
Vermutlich schaffen wir es an diesem Abend wieder nicht pünktlich zum Abendessen.

Fr. 07.03.03 - Tour 200 km - Port de Alcudia - Valldemossa - Son Marroig - Hafen Valledmossa - Banyalbufar - Punta d`es Verger - Palma

Heute ist unser letzter Urlaubstag auf der Insel, denn morgen geht bereits um 8 Uhr unser Flugzeug nach München. Am Vorabend beschlossen wir den Hafen von Valldemossa anzufahren. Über Inca, Palmanyola erreichen wir den Ort. Die Zufahrt erfolgt über eine engen atemberaubende Serpentinestraße die stets den Blick auf Meer und Hafen freigibt. Die Strecke bietet wenige Ausweichpunkte, so kommt es immer wieder vor, dass ich zurückstoßen muss. Der kleine Ort ist noch immer ein Fischerdorf und dementsprechend malerisch. Bunte Fischerboote liegen vor den aus Naturstein gemauerten Häusern mit ihren farbenfrohen Fensterläden und den Hintergrund bildet die Felsenwelt des Tramuntana Gebirges.

Noch ein kurzer Abstecher nordwärts zum 10 km entfernten Son Marroig, der einstigen Residenz Ludwig Salvators. Sie ist als Museum eingerichtet und bietet die berühmte Aussicht - die wohl in keinem Reiseführer fehlen wird - vom Säulenbalkon über den Gartenpavillon hinab zu Meer. Entspannt genießen wir die Aussicht von der stimmungsvollen Anlage. Anfangs waren wir fast alleine hier - später als eine spanische Touristengruppe ankommt geht's lautstark und hektisch zu.

Die Fahrt entlang der Nordküste ist Erholung pur: gute Straßen, tiefblaues Wasser, Sonnenschein, und immer wieder wunderschöne Ausblicke. Wir rollen weiter nach Süden bis zum Terrassendorf Babyalbufar.
Unterwegs an einer Quelle in den Bergen, die vor lauter Wasser förmlich überquellt und über die Straße fliest, werden große Mengen Trinkwasser gebunkert. Vor einem Pkw stehen mindestens 30 Kanister zum Abfüllen bereit. Kurz nach einer Kurve wird der Blick frei auf die gewaltigen Terrassenplantagen von Banyalbufar. Der Reichtum des Örtchens an der Steilküste, dessen von den Arabern geprägter Name "kleiner Weingarten am Meer" bedeutet, ist die Kunst aus unregelmäßigen Bruchkalksteinen im Trockenbau Mauern und Terrassen zu errichten. Wie überdimensionale Treppenstufen liegen sie ober- und unterhalb des Dorfes. Die Felder werden nur noch selten für Obst- und Ackerbau benutzt und in ihrer Mehrheit verwildern sie. Seit Einzug des Tourismus sterben immer mehr Bauern und Mauerbauer, deren Handwerk einst von den Arabern erlernt wurde, aus. Meist werden Natursteinbrocken auf Betonkern vorgeblendet - ist billiger und man sieht`s ja kaum.

Acht Kilometer südlich von Banyalbufar erreichen wir den Wachturm Tore de Ses Animes. In spektakulärer Lage liegt er in schwindelerregender Höhe auf den steilen Klippen am Meer. Über eine Metalleiter geht's rauf zum Turm. Margit zögert erst, doch dann lockt die grandiose Aussicht auf Terrassengärten und Meer.

Wegen Zeitmangel nehmen wir für den Rückweg die schnellere Variante über Andratx und später entlang der Autobahn nach Palma. Doch schneller als uns recht ist, sind wir mitten in Palma. Die letzte Autobahnabfahrt verpasst, sind wir gezwungen die Innenstadt zur Rushhour zu durchqueren. Nach schier unglaublicher Geduld unsererseits, schaffen wir es dann doch noch die Stadt zu verlassen und wieder Richtung Norden nach Alcudia zu lenken.

Sa. 08.03.03 - Port de Alcudia - Palma - München

Gegen 3:45 heißt es Aufstehen. Nach dürftigem Not-Frühstück, auch der Kaffeeautomat funktioniert nicht, werden wir um 4:45 Uhr zum Transfer nach Palma abgeholt. Der schnelle Rückflug verläuft reibungslos. Nur in München müssen wir 45 Minuten auf unsere Koffer warten. Die eine Woche Frühling auf Mallorca hat uns sehr gut gefallen. Wie wird dieses tolle Fleckchen Erde wohl zur Hauptsaison aussehen? Na das wollen wir lieber nicht in Erfahrung bringen - wir können es uns gut ausmalen.

 

Franz Sebald

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