Frühling auf Mallorca

© Franz Sebald
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Dieses Jahr sind wir erstmals ohne unsere Kids unterwegs. Erstmals auch in Bayern eine Woche Faschingsferien die wir uns gleich für einen Kurzurlaub auf Mallorca zunutze machen. Unser Hotel liegt im Norden (Port de Alcudia) es ist ein guter Ausgangspunkt für unsere Touren. Im voraus wurde ein Opel Corsa gebucht, der uns in die entlegensten Flecken der Insel bringt.

So. 02.03.2003 - Tour 155 km - Port de Alcudia - Mirador Es Colomer - Pollenca - Lluc - Sa Calobra

Am Vorabend gut angekommen, warteten wir Vergebens auf die Übergabe unseres reservierten Mietwagens. Die Agentur hatte Samstags geschlossen.

Nachbars Dusche schmeißt uns aus den Federn. Das ausgiebige Frühstück - lässt keine Wünsche offen. Gegen 9 Uhr empfangen wir einen gut gekleideten Herrn der unseren Wagen anliefert. Wir staunen nicht schlecht, als der Corsa auf einem Tieflader mit weiteren sechs Fahrzeugen vor der Hoteltür steht. Nach schneller Übergabe, geht's auch gleich auf die Landstraße nach Port de Pollenca. Sie wird schnell abgespult - kaum das Meer in Sicht, kommen erste Urlaubsgefühle auf. Nach Port de Pollenca folgen wir den Wegweiser zum Cap Formentor. Bereits beim Hochfahren der Serpentinen zum Mirador Es Colomer weht uns der würzige Duft der Macchia entgegen. Vom Parkplatz führt ein schön angelegter Weg, entlang der steil ins Meer abfallenden Klippen, zur Aussichtsplattform Mirador Es Colomer. Die großzügige Plattform befindet sich in 232 Meter Höhe. Spektakulär fallen die Felsen senkrecht zum blauen Meer ab. Hier auch der Blick auf die vorgelagerte Insel Illa Colomer. Bestimmt das meistfotografierte Motiv hier.

Eine gut ausgebaute Straße führt zum Leuchtturm am Cap de Formentor. Unterwegs zum Leuchtturm durchfahren wir Kiefernwälder, in denen Zwergpalmen wachsen. Am Leuchtturm der 1862 erbaut wurde, ergattern wir noch den letzten Parkplatz. Der Himmel ist wolkenverhangen - wir begnügen uns mit der Aussicht die der Dunst zulässt. Der Blick zurück auf die Serpentinen der Strasse ist allerdings sensationell.

Nachmittags erreichen wir Pollenca. Geparkt wird am Ortsrand. Vorbei an einer römischen Doppelbogenbrücke schlendern wir durch enge Gassen zum Kalvarienberg. Auffällig sind die verschlossenen Fensterläden, nur die bunten Farben mildern die Strenge. Oben steht eine Kapelle an der ein Spanier meisterhaft spanische Volklore auf seiner Gitarre zupft - tolle Atmosphäre! Es findet sich ein schöner Ausblick über die Stadt bis hin zum Meer. Die Bettenburgen im entfernten Port de Pollenca erscheinen uns wie eine Fata Morgana. Wir folgen einer Treppe. Mit 365 von Zypressen gesäumten Stufen führt sie runter zur Stadt. Kultur wird in Pollenca großgeschrieben, es gibt viele Kunstgalerien von denen wir eine besuchen. Einen besonderen Flair vermittelt das Kellergewölbe in dem Bilder und Skulpturen ausgestellt werden.

Entlang der gut ausgebauten Straße C 710 lenken wir südwärts. Hunderte von Autos finden sich auf dem Parkplatz vor dem Kloster Lluc - wir überlegen ob wir weiterfahren, doch im Kloster selbst ist fast nichts los. Die meisten Menschen machen Picknick in der Umgebung. Das Kloster ist für uns nicht unbedingt ein Blickfang, aber zum Urlaubsbeginn geht`s schon. Eine Treppe führt hoch zu einem Aussichtspunkt mit Blick aufs Kloster und ins Landesinnere.

 

Höhepunkt des Nachmittags ist die abenteuerliche Serpentinenstraße Sa Calobra. Wie eine Schlange (Calobra = Natter) windet sie sich über viele Schleifen hinunter zur 800 Meter tiefer liegenden Bucht Calobra. Oben beginnt die Strasse mit dem berühmten nus de la corbata, dem Krawattenknoten. Das ist eine Schleife von fast 360°. Mangels Platz konnte eine Felsstufe nur so überwunden werden. Auf der gut ausgebauten Strecke sind wir fast alleine unterwegs - es macht Spaß die Serpentinen hinunterzujagen. Unten können wir noch bequem einen kostenlosen Parkplatz auf der linken Seite ergattern, rechts gibt`s einen gegen Gebühr.

Ein enger durch den Fels geschlagener Fußgängertunnel, in dem das Licht ausgefallen war, führt zur Schlucht Torrent de Pareis. Plötzlich bekommt Margit im dunklen Tunnel Panik, glücklicher weise kommt gerade jetzt jemand mit Licht entgegen. Die Schlucht, deren Felswände im satten Rotbraun leuchten, ist mit dem Meer durch eine 12 Meter breite Felsspalte verbunden. Durch die Schlucht schlängelt sich ein seichter Fluss an dessen Ufer vereinzelt große Grasbüschel wachsen. Eine malerische Kiefer am Rande des Flusses rundet das stimmungsvolle Bild ab. Oft genervt über das eigentümliche Öffnen der Fahrzeugtüren - zum Öffnen der Zentralverriegelung musste der Schlüssel zwei mal nach rechts gedreht werden - entdecken wir kurz vor unserer Rückfahrt den elektronischen Türöffner am Fahrzeugschlüssel.

Die Rückfahrt erfolgt über Selva - Campanot und ist landschaftlich sehr schön. Beim hinunterschleifen der Serpentinen haben wir den Blick auf Inca stets vor Augen. Abends noch ein paar unfreiwillige Rundfahrten durch den Ort, wir schaffen es dann doch nach über 30 Min. chaotischer Fahrt unser Hotel zu finden. Obwohl wir fast die letzten sind die zum Abendessen erscheinen, wird am Buffet noch frisch aufgetischt.

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Mo. 03.03.03 - Tour 110 km - Port de Alcudia - Albufera - Arta - Ermita de Betlem - Capdepera - Cala Rajada

Nächstgrößeres Ziel, welches wir ansteuern führt uns über die gut ausgebaute Landstraße nach Arta. Übrigens sind die meisten Straßen außerorts in sehr gutem Zustand und auch vorbildlich ausgeschildert - Innerorts sind sie oft schlaglöcherig. Unterwegs noch ein Zwischenstopp am Vogelschutzgebiet Albufera - leider können wir neben Enten nur ein paar Stelzenläufer sehen. Den Wagen am Ortsrand von Arta geparkt, eine nicht so ganz weise Entscheidung wie sich später nach einstündiger Suche herausstellen sollte, marschieren wir kreuz und quer durch enge Gassen Richtung Festung. Die moderne Entwicklung ist an Arta vorübergegangen, gerade das macht das Städtchen interessant. Ein Pilgerweg führt zur Burganlage. 180 Treppenstufen sind zu bewältigen, die jedoch von schattenspendenden Zypressen gesäumt sind. Oben ein toller Rundumblick auf verwinkelte Gassen und liebliche Landschaft.

Um zur einsam gelegenen Ermita de Betlem zu gelangen, müssen wir mitten durch Arta. Entlang vieler Einbahnstraßen und Sackgassen erreichen wir die teils gerade mal gute zwei Meter breite Straße nach Ermita de Betlem. Die landschaftlich reizvolle Strecke führt uns über viele Serpentinen durch Olivenhaine und lichte Wälder rauf zu der Einsiedelei. Oft wachsen am Wegrand Zwergpalmen, deren Blätter weit in die Fahrbahn hängen und gelb leuchtender Ginster tupft die Landschaft. Nur den Mittelstreifen hat die schmale Straße nicht verdien.

Die Gründung der Einsiedelei geht auf eine Landschenkung im Jahre 1805 zurück, die ersten fünf Eremiten mussten am Anfang noch im Stall wohnen und hier auch ihren Gottesdienst abhalten. So war der Name der Einsiedelei schnell gefunden, da die Situation an die biblische Geschichte erinnerte.

Vom Kloster führen verschiedene Wanderwege ab, von denen wir einem folgen. An wild wachsenden Palmen, Gräsern und ein-heimischen Blumen führt er vorbei und aufgeschlichtete Bruchsteinmauern kreuzen den Weg. Der Pfad steigt an auf eine Anhöhe. Hier wird der Blick frei auf eine wundervolle Landschaft bis runter zum Meer.

Nicht weit von Arta ruht eine der größten mittelalterlichen Festungsanlagen Mallorcas inmitten fruchtbaren Ackerlandes. Im Schatten der Burg liegt Capdepera eine Stadt mit spanischen Charakter. Ein steiler Anstieg führt über Zahlreiche Treppenstufen zur Festung - die schöne Aussicht lohnt den Aufwand.

Nicht weit ist es zum Hafen von Cala Ratjada. Die Touristenhochburg liegt fest in deutscher Hand. Ein riesiges Angebot von Hotels und Bars drängen sich dicht an dicht. Im Hafenbecken wimmelt es von Fischerbooten und entlang der Uferpromenade liegen Berge von bunten Fischernetzen.

Nach gigantischem Abendessen werden noch Grüße an die Daheimgebliebenen geschrieben, bevor wir todmüde in die Betten fallen.

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Di. 04.03.03 - Tour 197 km - Port de Alcudia - Puig de Inca - Orient - Jardins d`Alfabia - Soller - Fornalutx - Valldemossa

Erstmaliger Sonnenschein schmeißt uns aus den Federn. Wie uns am Vorabend ein Wanderer berichtete herrschte in den letzten Wochen richtig mieses Wetter auf Mallorca. Vor fünf Tagen lagen noch über 30 cm Schnee auf den Bergen. Frühmorgens bei frostigen Temperaturen führt unsere Fahrt nach Inca zum Puig de Inca einen 300 Meter hohen Tafelberg. Oben befindet sich das Kloster Ermita de Santa Magdalena. Die Luft ist klar und bietet einen Fernblick bis rüber zum Tramuntanagebirge, deren Ausläufer von einem Nebelschleier durchzogen sind - ein wunderschöner Ausblick.

Unterwegs entdecken wir auf unserer Karte etwas Sehenswertes. Wir biegen ab in eine Seitenstraße die zum Castel d`Alaro führt. Die von Bruch-steinmauern abgegrenzte Strecke führt uns durch Obstplantagen hindurch. Die Fahrbahn wird enger, geht in einen Schotterweg über und schließlich brutal bergauf. Angesichts der immer schlechter werdenden Straße entschließt sich Franz an einer halbwegs geeigneten Stelle umzudrehen. Fast wieder unten sind wir recht verwundert als uns "Bofrost" entgegen kommt.

Eine stimmungsvolle Fahrt führt uns weiter in das Bergdorf Orient. Trotz der zahlreichen Hinweisschilder hält sich der Radsport an diesem Vormittag in Grenzen. Bei einem Spaziergang durch den Ort entdecken wir viele idyllische Plätze.

Einen gewissen Flair vermitteln die arabischen Gärten Jardins d`Alfabia mit ihren Wasserspielen und gigantischen Palmen. Die Gärten wurden im 12 Jh. angelegt und dokumentieren maurische Kunstfertigkeit auch mit Pflanzen. Der Eintritt von 4,5 Euro ist in Anbetracht der Größe zu teuer.

Durch einen drei Kilometer langen Tunnel geht`s runter nach Soller. Der Ort liegt in einem paradiesischem Großgarten - Orangen und Zitronenbäume glänzen in der Sonne.

Leider kein Geheimtipp mehr ist der malerische Ort Fornalutx. Mit glücklicher Fügung finden wir auch gleich am Ortsrand einen kostenlosen Parkplatz. Das fast vollständig aus Naturstein errichtete Bilderbuchdorf Fernalutx wurde schon zweimal als Spaniens schönstes Dorf ausgezeichnet. Auch Fremde zieht es magisch an, so ist es kein Wunder dass mehr als ein drittel der Bewohner Deutsche und Briten sind. Immer wieder sehen wir Schilder "zu Verkaufen" an den Hauswänden. Es ist auch verständlich, wenn man bedenkt wie viele Stufen wir bereits zu den Häusern zurückgelegt haben. Die Anfahrt zur Küste lässt es schon erahnen, dieser Teil wird ein besonderer Reise-Abschnitt. Schöne Ausblicke, Olivenhaine mit alten knorrigen Olivenbäumen, tiefblaues Wasser und dazwischen schroffe steile Felswände.
Port de Soller mit seinem großen Naturhafen liegt in herrlicher Lage. Die Hafeneinfahrt wird durch zwei Leuchttürme begrenzt, von denen wir einen besuchen. Eine enge Panoramastraße führt hoch zum Cap Gros - der Blick auf die Bucht von Soller ist uns stets vor Augen. Oben vom Leuchtturm haben wir einen traumhaften Blick auf den Naturhafen bis weit ins Gebirge hinein. Gerne hätten wir Deia gesehen, doch der Besuch scheitert am Finden eines Parkplatzes.
Den ganzen Tag war uns Sonnenschein beschert, doch kurz nachdem wir die Küste verlassen ziehen dicke dunkle Wolken auf. Eine düstere Stimmung umgibt Valldemossa. Eigentlich ein touristischer Anziehungspunkt erster Güte, bei uns kommt allerdings keine so richtige Stimmung auf. Nur kurz durchstreifen wir den Ort. Auffallend sind hunderte von bunt bepflanzten Blumentöpfen die Hausfassaden und Straßen säumen. Das wohl sehenswerte Kloster müssen wir mangels Zeit sausen lassen.
Teil 2
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