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Reisebericht
Norwegen 1996
www.sebaldreisen.de
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Sommer in
Skandinavien
Monheim
/ Würzburg - 02.08.96
Abends um
18:00 Uhr am 02. August beginnt unsere 25 tägige Urlaubsreise nach Norwegen.
Wir sind unterwegs mit einem Wohnmobil Hymer Car III, das so manchem Kommfort
bietet, Gasherd, Kühlschrank, Dusche, WC, Standheizung usw... Der kraftvolle
Turbodiesel (85 KW) bringt uns flott zu unserem ersten Etappenziel nach
Würzburg. Hier besuchen wir meine Schwägerin Edith. Nach gemeinsamem Pizzaessen
beschließen wir den gemütlichen Abend bei ein paar Gläschen Vino Rosso.
Würzburg
- 03.08.96
Großes Frühstück,
anschließend geht's zum Bummeln in die Altstadt. Edith beschäftigt sich
mit Philipp (damals zweieinhalb Jahre alt) und ermöglicht uns somit eine
Führung durch die Residenz. Nach Dombesichtigung geht's über die alte
Mainbrücke rauf zur Marienfestung, wo wir nach schönen Ausblicken über
die Stadt unsere Sightseeingtour beenden. Am Abend geht's noch weiter
bis nach Lübeck, wo die kurze Nacht an einem Rastplatz verbracht wird.
Würzburg
/ Rügen - 04.08.96
Wir lenken
weiter über Rostock nach Stralsund. Die Strecke ist stark befahren, ein
Ort wechselt den anderen, wir kommen nur schleichend voran. Für die 140
km brauchen wir über vier Stunden. Vor dem Damm Stralsund - Rügen etwas,
das wir nicht erwarten: Stau, die Fahrzeuge werden nur Blockweise abgefertigt.
Auf Rügen die nächste Überraschung: schlechte Straßen, Kopfsteinpflaster,
im Wohnmobil (im weiteren "Womo" genannt) werden Tassen, Töpfe und Teller
durchgeschüttelt. Was für ein Lärm! Zur Entspannung radeln wir durch den
weiträumigen Park von Putbus.
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Rügen
/ Trelleborg - 05.08.96
Am nächsten
Morgen starten wir von Hagen aus eine Radtour zu den Kreidefelsen im Nationalpark
Jasmund. Schön angelegte Wege erlauben uns ein Entlangwandern oben an
den weißen Klippen. Immer wieder zwingen schöne Ausblicke zum Verweilen.
Über Hunderte von Stufen erreichen wir den Strand. Philipp steckt voller
Freude ein paar Stück Kreide ein und ist somit wieder für den weiten,
schweißtreibenden Aufstieg motiviert. Pünktlich um 18:00 Uhr legt die
im Voraus gebuchte Fähre in Sassnitz ab. Die Ausfahrt aus dem Hafen, das
Wenden der Fähre beobachten wir vom obersten Deck aus. Auf dem Schiff
das Übliche: kantinenartige Restaurants, einarmige Banditen, Duty Free,
vor allem Zigaretten und Schnaps werden von den Skandinaviern in großen
Mengen gekauft. Um 21:30 Uhr erreicht unsere Fähre den Hafen von Trelleborg.
Bereits lange Zeit vorher konnten wir die schwedische Küste beobachten.
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Vittskövle
/ Sölversborg - 06.08.96
Frühstücken,
blauer Himmel wolkenlos, es geht weiter über Ystad nach Degeberga zum
Wasserschloss Vittskövle. Das malerische Schloss ist umgeben von einem
kleinen aber beeindruckenden Wasserpark. Das Schloss selbst ist in Privatbesitz
und kann nur von außen besichtigt werden. An einem schön gelegenen Campingplatz
in Sölversborg verbringen wir einen Faulenzertag hinter den Dünen am Meer.
Philipp spielt im Sand und ist somit glücklich und zufrieden.
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Sölversborg
/ Olofström - 07.08.96
Heute wollen
wir den Vormittag am Meer verbringen. Das Wetter, wieder blauer wolkenloser
Himmel , leider stark windig und deshalb zu kalt zum Baden. Mit dem Rad
fahren wir rein nach Sölversborg, wo ein Bummel durch die Innenstadt folgt.
Nachmittags geht`s weiter zum Olofström. Wir kommen zu spät, um Kanus
auszuleihen, der Bootsverleih macht in einer halben Stunde dicht. Wir
begnügen uns mit einer abendlichen Radtour entlang der verzweigten Seenlandschaft.
Sölversborg
/ Resö - 08.08.96
Frische Brötchen
zum Frühstück. Das Womo ent- und versorgen und dann wieder zurück über
Kristianstad Richtung Göteborg. Bei Molby-Strand zweigen wir ab zum hin
Meer, um eine ausgiebige Mittagspause einzulegen. Gewitterwolken ziehen
auf, vor Göteborg beginnt strömender Regen.
Wieder ein Abstecher, diesmal zum Naturreservat Resö, ein Vogelschutzgebiet
an der Scherenküste. Der abendliche Spatziergang entlang des Meeres: Bunte
Boots- und Fischerhütten begrenzen die Küste. Eigentlich wollten wir hier
unsere Nacht verbringen aber, die neblige, düstere Stimmung zwingt uns
zur Weiterfahrt. Das Regenwetter hat sich zwischenzeitlich in Sonnenschein
umgewandelt und so fahren wir wieder einem herrlichen Abend entgegen.
Eidsvoll
/ Hamar / Lillehammer - 09.08.96
Der morgendliche
Blick aus dem Fenster: wolkenloser blauer Himmel. Wir durchkreuzen Eidsvoll,
bis wir den Hafen am Mjosa-See erreichen. Hier ein festliches Ereignis:
Das 140-jährige Jubiläum des ältesten Schaufelraddampfers im Linienverkehr
wird gefeiert. Für alle Besucher gibt's Sekt und Kuchen gratis. Auch wir
bedienen uns bevor, wir die Weiterfahrt nach Norden antreten.
In Hamar, einer modernen Sportstadt, besuchen wir die Olympiahalle. Das
Dach, das wie ein umgedrehtes Wikingerschiff aufgebaut ist, besitzt mit
96 x 110 Meter die weltgrößte freitragende Holzkonstruktion.
Die Weiterfahrt Richtung Norden erfolgt auf der E6, ein magischer Name
für alle Nordlandfahrer. Auf norwegischen Landstraßen ist die Höchstgeschwindigkeit
auf 80 km/h begrenzt. Das ist gut so, nur so erlaubt es uns entspanntes
Fahren und den Blick für die wunderschöne Landschaft. Gegen Abend erreichen
wir Lillehamer. Bei einem abendlichen Bummel durch die Fußgängerzone lassen
wir den Tag ausklingen.
Lillehammer
/ Gudbrandstal - 10.08.96
Auch am frühen
Morgen scheint die Sonne wieder voll vom Himmel. Ein erneuter Bummel durch
die liebevoll restaurierte Fußgängerzone steht auf dem Programm. Man erkennt
gleich, dass hier 1994 die olympischen Winterspiele stattfanden. Die Kanaldeckel
sind geprägt mit olympischen Motiven und in den Schaufenstern sieht man
überall noch Maskottchen, die auf dieses vergangene Ereignis hinweisen.
Im Anschluss daran besuchen wir das Freilichtmuseum Maihaugen, ein Museum
mit historischen Bauten aus dem Gudbrandstal, die in Lillehammer gesichert
und originalgetreu wieder aufgebaut worden sind. Da Philipp an diesem
Tag nicht ausgeschlafen und deshalb schlecht gelaunt ist, müssen wir den
Besuch der Freilichtbauten abbrechen.
Unter Anderem besteigen wir die Olympiaschanze, auch Philipp geht mit
hoch bis zum Schanzentisch. Es bietet sich eine herrliche Aussicht auf
Lillehammer und den Mjosasee. Der Blick von ganz oben ist einfach schwindelerregend.
An der Schanze wird gerade trainiert. Erst hier oben wird einem klar,
was für Leistungen hier vollbracht werden.
Bei der Weiterfahrt
geht es leicht bergauf. Wir erreichen den Fluss Lagen und das "Tal aller
Täler", nämlich das Gudbrandstal. Ein Elch, ein Elch, hören wir Philipp
schreien. Leider waren es auch dieses mal nur Kühe am Wegrand. Bei Faberg
verlassen wir die E6 und fahren über das Espedal weiter zum Peer-Gynt-Weg.
Das Womo geparkt, erkunden wir per Rad die bezaubernde Landschaft mit
vielen Seen, bizarren Felsenlandschaften, Blaubeerbüschen und Moosen.
Es geht zurück nach Ringebu und damit Richtung Norden nach Enden.
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Rondane
Nationalpark / Dalholen - 11.08.96 
Bei strahlendem
Sonnenschein erreichen wir den Rondane Nationalpark, er muss ein beliebtes
Wandergebiet sein, überall stehen parkende Autos in der Landschaft verstreut.
Auch wir entschließen uns zum Wandern. Charakteristisch für das Rondane
sind das hoch-alpine, trockene Klima und die spärliche Vegetation: graugelbe
Rentierflechte, weich wie dickes Moos, bedeckt den kalkhaltigen Sandstein,
der im Rondane dominiert.
Margit und Philipp brechen die Wanderung auf halber Strecke ab und gehen
zurück zum Womo. Für mich geht's weiter bis zum Gipfel. Von oben bietet
sich ein beeindruckender Rundumblick auf die dunkelblau schimmernde Seenlandschaft.
Gegen Nachmittag erreichen wir den Campingplatz Dalholen. Am Abend hat
es immer noch Temperaturen um die 24°C, auch die Wäsche weiß die wärmende
Sonne zu schätzen.
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Dovrefjell
Nationalpark / Vogelschutzgebiet Fokstua - 12.08.96
Wieder mal
strahlend blauer Himmel, super! Wir durchfahren das Dovrefjell, eine Hochfläche,
die ein riesiges Hochmoor darstellt. Nach problemlosen Verhandlungen mit
den Behörden wird uns die Genehmigung zur Befahrung des militärischen
Sperrgebietes erteilt.
Weit entfernt am Horizont schimmert der weiße Schneerücken des höchsten
Berges dieser Gegend. Entlang des staubigen Schotterweges, der nicht verlassen
werden darf, geht's auf direktem Weg zum Snowhetta. In dieser Landschaft
soll es große Herden von Rentieren und Moschusochsen geben. Angekommen
am Ende der Straße, wo auch eine Wanderhütte steht, weht uns ein eisiger
Wind um die Ohren. Es ist bitterkalt. Warm gekleidet wandern wir dem weißen
Berg entgegen. Eine karge Landschaft ohne Baum und Strauch, nur bewachsen
von ein paar zerzausten Gräsern, von zottigem Moos - Pflanzen, von denen
nur Rentiere satt werden. Unseren Weg begleitet ein Fluss, den wir um
weiter zu kommen, überqueren müssten. Wir brechen ab und machen uns auf
den Rückweg zum Womo, wo wir uns bei heißen Getränken aufwärmen.
Vor unserem
nächsten Etappenziel tauchen nach Längerem wieder die ersten Getreidefelder
auf. Die Gegend geht wieder in jenen Zustand über, den wir aus Bayern
her kennen. Die nordische Wildnis geht zu Ende. Gegen Nachmittag erreichen
wir das Vogelschutzgebiet Fokstua. Hier fuhren wir bereits 1991 mit dem
Rad bei strömenden Regen. Dieses mal findet unsere Tour bei Sonnenschein
statt.
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Romsdal
/ Trollstigen / Storfjord - 13.08.96
Die warmen
Sonnenstrahlen schmeißen uns aus den Federn, bereits am frühen Morgen
hat es angenehme Temperaturen. Frühstücken, anschließend geht's weiter
Richtung Andalsnes. Eine alte Holzbrücke am Wegrand - wir machen Halt
an diesem malerischen Ort. Unter ihr fließt die Rauma hindurch, die wir
schon seit längerem entlangfahren. Der Fluss, in allen Grüntönen leuchtend,
ermöglicht mit seinem kristallklaren Wasser einen Blick bis zu einigen
Metern Tiefe. Am Ufer feine Sandbänke, die Philipp zum Sandspielen einladen.
Wir verbringen noch einige Zeit am Uferrand, bevor wir entlang des Flusses
weiterfahren.
Immer wieder zwingen uns schöne Ausblicke anzuhalten und ein wenig zu
verweilen.
Die
Berge werden höher und steiler, wir nähern uns Troltindene, einem 1800
Meter hohen Berg mit fast senkrecht abfallenden Felswänden, der das enge
Tal begrenzt. Gegenüber ragt das
Romsdalhorn auf 1550 Meter empor. Die Sonne erreicht das schmale Tal nur
sieben Monate im Jahr. Von der Höhe stürzen Wasserfälle wie der insgesamt
774 Meter hohe Mongefoss herab und machen die Fahrt zu einem weiteren
Höhepunkt. Es geht weiter an dieser wildromantischen Flusslandschaft nach
Andalsnes, einem Fjordstädtchen am Isfjord, wo wir zum Trollstiegen abbiegen.
Langsam kriechen wir die Serpentinen hoch - trotz des 115 PS Turbodieselmotors.
Eine echte Herausforderung sind die elf engen Haarnadelkurven des Trollstigen,
über die wir uns auf 852 m Passhöhe hochschrauben. Bei einer Brücke, die
wir überqueren, braust unter uns der aus mehreren
hundert Metern herunterstürzende Stigfoss hindurch. Oben, nicht weit vom
Wasserfall gibt's eine schwindelerregende Aussichtsplattform mit Fernblick
über das gesamte Tal und auf die wildromantische Gipfelkette. Wir befinden
uns mitten im Gebirge, Wasserfälle rauschen von den hohen Bergen und schneebedeckte
Gipfel begleiten unseren Weg.
Spätnachmittags
an den Fjorden, die wir entlang fahren, sieht man immer wieder das Spiel
von Ebbe und Flut. Herrliche
Ausblicke auf das Meer, die zahlreichen Fjorde und die vorgelagerten Inseln
machen die Küstenfahrt zu einem unvergesslichen Erlebnis. Nach langen
suchen finden wir kurz vor Valle einen geeigneten Stellplatz mit herrlichem
Blick auf Fjord und Berge. Und wieder staunen wir über die fast ewig scheinende
Sonne, die die Berge in ein goldenes Licht taucht. Hier auf dem Parkplatz,
hoch über den Storfjord liegend, genießen wir die untergehende Sonne bis
uns die Einsamkeit und Stille in die Nacht hinein begleitet.
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Alesund
/ Vogelinsel Runde - 14.08.96
Der Blick
aus dem Fenster zeigt einen wolkenverhangenen Himmel, aus dem es beständig
regnet. Doch kurz nach unserem Aufbruch zeigen sich schüchterne Sonnenstrahlen.
So bringt dieser Tag dann auch keinen Dauerregen, sondern eine Mischung
aus Schauern und mäßigem Sonnenschein - damit lässt es sich durchaus leben.
Wir rollen durch die verwinkelten Straßen von Alesund und werden zum Parken
am Hafen fündig. Die Stadt, auf drei Inseln errichtet, wurde nach einem
Großbrand 1904 im Jugendstil wieder aufgebaut. Damals wurden mehr als
10 000 Menschen obdachlos. Entlang der prachtvoll errichteten Bauten mit
farbenfrohen Fassaden und zahlreichen Türmchen und Turmspitzen geht's
zur Apotekergata. In diesem malerischen Straßenzug sind die Häuser besonders
sehenswert. Zurück geht's entlang des Hafens und dann noch rauf über 418
Treppenstufen zum 190 m hohen Akslaberg. Von hier oben eröffnet sich ein
herrlicher Panoramablick auf die Stadt, das Meer und die vorgelagerten
Inseln. Leider ist der Blick durch das bewölkte Wetter getrübt, schade!
Gegen Mittag erreichen wir das etwas außerhalb liegende Sunnmore-Museum.
Wegen mangelndem Interesse entschließe ich mich mit Philipp, einen Mittagsschlaf
einzulegen. Margit erkundet alleine die alten Boote und Häuser, die hier
ausgestellt werden.
Entlang der bergigen Küste geht es südwärts auf eine von über 150 000
vorgelagerten Inseln. Über etliche große Brücken erreichen wir am Abend
die Vogelinsel Runde.
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Runde
/ Kjendalgletscher - 15.08.96 
Runde, ungefähr
160 Menschen leben in 2 kleinen Dörfern, Runde und Coksöyr. Es ist eine
bergige Insel mit steilen Abgründen bis zu 300 Metern, die ideale Nistmöglichkeiten
für mehr als eine Million Seevögel bietet. Runde ist eine der wenigen
Inseln, die während der letzt en Eiszeit nicht mit Eis überzogen wurde.
Bei leichtem Nieselregen in Regenjacken gehüllt machen wir uns auf den
Weg zum Vogelfelsen Rundebranden. Der teilweise sehr matschige, unbefestigte
Weg führt uns quer über die Insel.
Die Landschaft zeigt nun ein ganz anderes Gesicht: steile Abgründe, zwischen
den Klippen das wild schäumende Meer und ein Fernblick auf die vielen
kleinen vorgelagerten Inseln. Beim Blick hinunter zu den Klippen bestätigt
sich das, was wir schon erwarteten - die Vögel sind in den Süden abgezogen,
leider!
Trotz der unterwegs verzehrten Kekse verspüren wir langsam Hunger und
freuen uns auf das verspätete Mittagessen. Bei bewölktem Himmel, jedoch
trockenem Wetter nehmen wir die Weiterfahrt auf der herrlichen Küstenstraße
nach Süden wieder auf. Norwegens stark gegliederte, durch frühere Gletschertätigkeit
geformte Küstenlinie hat unter Einbeziehung aller Fjorde und vorgelagerten
Inseln eine Länge von ungefähr 22 000 Kilometern. Wegen schlechten Wetters
verbringen wir nur kurze Zeit an dieser Küste und machen uns schon bald
auf den Weg zum Nordfjord in Richtung Landesinnere. Bedingt durch die
zahlreichen großen und kleinen Fjorde, die die gesamte Westküste Norwegens
stark gliedern, sind wir bei unserer Fahrt immer wieder gezwungen, weit
in das Land zurückzufahren, um anschließend auf der anderen Seite des
Fjordes wieder Richtung offenes Meer zu fahren. In Volda, das wir gegen
Nachmittag erreichen, bleibt uns ein solcher Umweg erspart. Hier nimmt
uns die Fähre auf und setzt uns über den Voldafjorden nach rund zehn Minuten
Fahrt auf der anderen Seite des Fjordes, in Folkestad wieder an Land.
Wir schaffen es an diesem Tag noch bis Styrn, wo neben einem tosenden,
milchig grünen Gletscherfluss mit Ausblick auf den Kjendalgletscher übernachtet
wird.
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Kjendalgletscher
/ Briksdalbree / Geirangerfjord - 16.08.96 
Der kurze,
unruhige Schlaf wird von Philipp abgebrochen. Er will mal wieder um 6:00
Uhr aufstehen. Wegen des rauschenden Wassers können wir ihn nicht mehr
zum Schlafen überreden. Frühstücken, anschließend geht's rauf zur Kjenndal
Gletscherzunge.
Bereits um 8:00 Uhr stehen wir vor den riesigen Eismassen des Gletschers.
Vor uns liegt der größte Gletscher des europäischen Festlands. Die Erwärmung
der Atmosphäre hat den Rund 100 km langen Jostedalbre zwar deutlich schrumpfen
lassen, aber noch immer bedeckt er mindestens 500 Quadratkilometer bei
einer Dicke von bis zu 500 Meter. An diesem Morgen sind wir die Ersten,
die das 20 000 Jahre alte Eis bewundern können. Um uns rauschen riesige
Wassermassen aus dem Eis hervor und stürzen im freien Fall die Berge herunter.
Ein Riesenlärm, ohrenbetäubend, aber sehr beeindruckend. Langsam kommt
die Sonne hervor. Das blaue Schimmern des zerklüfteten Eises wird durch
das helle Licht verstärkt. Nach diversen Fotopausen wandern wir zum Parkplatz
zurück.
Wegen
des beeindruckenden Naturschauspiels und des früh begonnenen Tages beschließen
wir, einen zweiten Gletscherausläufer zu besuchen. Durchs Oldedalen fahren
wir entlang an milchig grünen Seen bis rauf zum Briksdalbree. Philipp
hatte schon immer mit dem Schlaf gegeizt. Es lag an der Tagesordnung,
dass für ihn, und somit auch für uns die Nacht um 6:00 Uhr vorüber ist.
Meistens holte er den Schlaf unter der Fahrt nach. So kam es des öfterem
vor, dass Margit und Franz so manche Ausblicke abwechselnd genießen mussten.
Auch hier im Brixsdal ist es soweit. Margit entschließt sich hier zubleiben
und zu lesen, ich mache mich auf den Weg zur Gletscherzunge. Vom Rastplatz
führt ein etwa einstündiger Wanderweg hinauf bis zum Fuß der Gletscherzunge.
Man kann sich aber auch mit der Kutsche hinaufkutschieren lassen, was
vor allem den Japanern gut gefällt. Unterwegs kreuzen immer wieder Steintafeln
den Weg - sie bestätigen den massiven Rückgang des Eises.
Oben angekommen, eröffnet sich der Blick auf riesige hellblau schimmernde
Gletscherspalten. Wenn etwas besondere Begeisterung erweckt, dann sind
es die gewaltigen zerklüfteten Eismassen, die sich den Berg herunterzuschieben
scheinen. Nicht weit entfernt stürzen gewaltige Wassermassen Hunderte
von Metern im freien Fall rauschend den Berg herunter. Das Briksdalbree
gilt als eine der größten Touristenattraktionen Norwegens.
Am Rastplatz
ist ein Campingplatz angegliedert. Wieder einmal alles ent- und versorgen
und dann weiter über Styrn zum Geirangerfjord, wo wir an einem Parkplatz
an der Serpentinenstraße mit Ausblick auf den Fjord Abendessen. Langsam
verzaubert die untergehende Sonne den Himmel über dem Fjord in ein wunderschönes
Farbenspiel. Die Farben ändern sich, legen Schichten übereinander, bis
der ganze Himmel über uns lodert und flammt. Doch bald verblassen die
Farben, ein letzter Schimmer am Horizont verweht und die Nacht senkt sich
erneut dunkel über den Geirangerfjord.
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Geirangerfjord
/ Grotli / Otaelv / Nationalpark Jutunheimen - 17.08.96
Am frühen
Morgen bei bewölktem Himmel schleifen wir die Serpentinen hinunter nach
Geieranger. Im Ort selbst herrscht reges Treiben, ein Luxusliner aus Deutschland
war gerade angekommen. Am Straßenrand spricht uns ein Mann aus unserer
Heimat an, er kommt von diesem Ozeanriesen und hatte eine Kreuzfahrt gebucht.
Für die Meisten ist der Ort ein touristischer Anziehungspunkt erster Güte,
für uns eher ein Grund weiterzufahren.
Es
geht die Adlerstraße hoch, um noch ein paar Ausblicke auf den Fjord zu
genießen. Später drehen wir um und fah ren
Richtung Grotli zurück. Auch die Sonne spitzt vereinzelt wieder langsam
hervor. Die Karte verrät uns eine Seitenstraße, nur geschottert. Sie führt
uns vorbei an türkisfarbenen Seen, einer nach dem anderen, wie an einer
Kette aufgereiht, umgeben von schneebedeckten sanften Hügeln. Der Weg
wird immer schlechter, als wir dann auch noch ein Auto im Graben liegen
sehen, drehen wir um und fahren zurück Richtung Grotli.
An einem Parkplatz überrascht uns ein Verkehrsschild mit einem Geist
darauf. Auf einer Informationstafel beim Straßenschild stand folgender
Text:
Mehrere Personen können bestätigen, dass in der sogenannten Legerhytta,
einer kleinen Hütte in den hohen Gebirgen von Skjak ein Spukgeist wohnt.
Um vor der Erscheinung zu warnen, hat die Straßenverwaltung in Oppland
ein besonderes Straßenschild aufgesetzt. Dieses Schild ist einmalig auf
der Welt. Legerhytta ist eine alte Straßenwächterwohnung, schön angelegt
an der alten Geirangerstrasse zwischen Grotli und Geiranger (Im Sommer
1989 hat diese Strasse ihr 100. Jubiläum gefeiert.) Angeblich ist es die
Frau des ersten Straßenwärters, Kari Jacobsdatter Arnestuen (1863 - 1928),
die in diesem Haus noch umgeht. Der Grund dafür ist nicht bekannt Es gibt
viele und überzeugende Berichte von unerklärlichen Ereignissen in der
Hütte. Zum Beispiel: einige sind auf unerklärbare Weise eingeschlossen
worden; andere haben gesehen, dass Kannen zerbrechen und Pfannenstiele
sich teilen. Einige haben sogar ganz deutlich Musik gehört, ohne dass
ein Rundfunk eingeschaltet war. Alles ist in Anwesenheit von mehreren
Leuten passiert.
 Nun
scheint die Sonne wieder voll vom Himmel. Nach Grottli fahren wir entlang
der Ottaelv. Später wird der Fluss zu einem Mordsgewässer, dem wir ständig
folgen. Zahlreiche Autos parkend am Wegrand verraten etwas Sehenswertes.
Auch wir machen H alt und genießen den Fernblick auf den wild schäumenden
Ottaelv. Der Fluss mit seinem smaragdgrünen Leuchten durchschneidet die
Landschaft bis zum Horizont. Später, wo er breiter und flacher wird, verändert
sich sein Bild auf türkisblau. Ein Farbenspiel der Natur, das uns viele
Fotomotive bietet.
In Lom gibt's eine kleine Stabkirche zu besichtigen, hier ist auch das
regenärmste Gebiet von ganz Norwegen. Im Ort biegen wir ab Richtung Sogndal.
Eine gut ausgebaute Passstraße zieht sich hoch zum Reich der Riesen. Unendlich
weit ist der Horizont, die nächsten Menschen einige Kilometer entfernt.
Vor uns blit zt
eine Reihe von Gebirgsseen. Wir durchfahren Jotunheimen, das Dach Norwegens;
ein enormes Plateau mit aufgesetzten schneebedeckten Gipfeln, Gletschern
und Seen. Mehr als 150 Gipfel übertreffen in dem aus dunklem, hartem Tiefengestein
aufgebauten Massiv das 2000-Meter-Niveau. Ein großartiges Naturerlebnis!
Gerastet wird am Rande eines Sees, hinter uns ein riesiges Schneefeld,
das uns zu einer Schneeballschlacht einlädt. Etwas durchgefroren verkriechen
wir uns zurück ins Womo, wo wir bei zugeschalteter Heizung das Abendessen
zubereiten. Langsam tauchen sich die umliegenden Gipfel in ein leuchtendes
Rot, die Sonne geht unter. Wir beschließen, die Nacht hier oben zu verbringen
und genießen bei ein paar Gläschen Rotwein das Naturschauspiel bis in
die Nacht hinein.
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Nigardsbree
/ Sognefjord / Aurlandsfjord / Gudvangen - 18.08.96
Ein unerwartetes
Weckgeräusch... Tropf, tropf, tropf. Der Blick aus dem Fenster, Regen.
Bis zum Nigardsbreen, ein weiterer Ausläufer des Jostadalbree, haben wir
noch ein ganz schönes Stück zu fahren. Gegen Mittag erreichen wir den
Gletschersee - leider immer noch Regen. Mit übergeworfenen Regenjacken
machen wir uns auf den Weg zu dem Boot, das uns über den Gletschersee
schippert.
Über
riesige, vom Eis glatt geschliffene Steinplatten wandern wir dem schönsten
aller Gletscherausläufer entgegen. Der wilde Gletscherstrom schäumt uns
tobend entgegen. Um weiter zu kommen, zwingt uns eine filigrane hölzerne
Brücke zum Überqueren des Wildwassers. Langsam aber sicher erreichen wir
die gigantische Eishöhle, aus der gewaltige Wassermassen brausend unter
dem Eis hervor strömen. Vereinzelt werden jahrtausend alte Eisstücke mitgerissen,
deren Kanten rund wie Kieselsteine geschliffen sind.
Ein Hubschrauber schwebt über uns hinweg, er birgt per Seilwinde einen
Wanderer, der in eine Gletscherspalte gefallen ist. Eine Gletscherwanderung,
ein nicht ganz ungefährliches Erlebnis sollte nur mit erfahrener Führung
durchgeführt werden.
Es geht zurück zum Womo. Nach längerer Aufwärm- und Trockenpause bei einem
wärmenden Kaffee machen wir uns auf den Weg zum Sognefjord.
Gegen 18:00
Uhr erreichen wir den Fährhafen Sogndal, wo wir die Fähre gerade abfahren
sehen…. zu spät! Schnell einen Fjordarm weiterfahren nach Kaupanger, wo
wir uns in die Warteschlange für die letzte Fähre nach Gudvangen einreihen.
Allmählich schimmern wieder Sonnenstrahlen hinter den Wolken hervor. Wir
legen ab, die Fähre schleicht durch den Sognefjord, senkrecht abstürzende,
scharfkantige Bergkolosse zu beiden Seiten eines engen Sundes. Der Meeresarm
ist mit einer Länge von 204 Kilometern der längste Fjord Norwegens. Er
erreicht im Landesinneren Tiefen von bis zu 1200 Metern, direkt neben
Gipfeln, die ebenso hoch über den Meeresspiegel ragen. Die seichten Stellen
am Eingang der meisten Fjorde verhindern, dass das Wasser durch Strömung
ausgetauscht wird. Unter einer dünnen Schicht an der Oberfläche enthalten
die Fjorde praktisch keinen Sauerstoff und sind deshalb Wüsten, in denen
kein Fisch existieren kann. Das Schiff dreht ab in den Aurlandsfjord,
es wird enger, die Felsen rücken näher, am schmalen Ufer erscheinen vereinzelt
kleine Dörfer, dicht an den Fels gedrückt, die nur über das Wasser erreicht
werden können. Es herrscht Totenstille, nur das Hämmern der Dieselmotoren
schallt den steil aufragenden Felswänden entgegen. Langsam verschwindet
die Sonne hinter den Bergrücken und taucht noch ein letztes mal die Berge
in ein goldgelb schimmerndes Licht, bevor sie entgültig am Horizont verschwindet.
Ein beeindruckendes Erlebnis, unheimlich! Der Fjord schlängelt sich durch
die massive Felsenwelt weiter, bis wir nach über zwei Stunden Gudvangen
anlaufen. Noch ein kurzes Stück Fahrt mit dem Womo, bevor wir uns an einem
schön gelegenen Platz auf die Nacht vorbereiten.
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Flam /
Myrdal / Aurland / Borgund - 19.08.96
Philipp
hat ausnahmsweise, wegen des verlängerten Abends, länger geschlafen. Gegen
7 Uhr schmeißt er uns aus den Federn. Frühstücken bei Panoramablick. Es
geht weiter nach Flam, vorher ein Tunnel, wir fahren bereits zehn Minuten
im Dunkeln, plötzlich dringt von vorne wieder Licht in die finstere Röhre.
Kurz erblicken wir das Tageslicht, schon kommt das Zweite. Diesmal etwas
kürzer, es ist nur 10 km lang.
Angekommen am Parkplatz der Flam-Bahn besorgen wir im Supermarkt gegenüber
noch Vorräte, bevor wir die Tickets zur Fahrt nach Myrdal lösen. Auf nur
20 km Länge windet sich die Eisenbahnlinie durch 20 Tunnels auf 866 Meter
Höhe. Die Maximale Steigung der Strecke mit 5,5 Prozent ist Europarekord.
An den schönsten Stellen, wie am Wasserfall Kjosfoss hält der Zug sogar
an. Leider erwies sich der Ausflug per Zug als nicht so lohnenswert. Der
überhöhte Preis steht in keinem Verhältnis z u
den überfüllten Zügen.
Wir lenken
weiter nach Aurland. Wieder einmal folg ein Pass. Auf enger Straße geht
es brutal Bergauf, eine Serpentine folg der anderen, links von uns der
Berg, rechts der unbefestigte Abgrund mit wunderbaren Ausblicken. Der
immer enger werdende Weg macht das Vorankommen stellenweise sehr schwer,
vor allem wenn Fahrzeuge entgegenkommen, wird es erheblich knapp. Oft
ist es Millimeterarbeit zwischen Außenspiegel und Abgrund. Unsere verunsicherten
Blicke schweifen, je höher wir kommen, immer öfter vorbei am unbefestigten
Fahrbahnrand hinunter ins tiefe Tal. Langsam kommt Ungewissheit auf, sind
wir auf dem richtigen Weg? Erst als ein Touristenbus den schmalen Pass
herunterkriecht, atmen wir erleichtert auf. Wir sind richtig, hier muss
es weitergehen! Von einem Rastplatz bietet sich herrlicher Blick auf die
darunter liegende Fjordlandschaft. Nachdem unser Blutdruck wieder Normalwerte
erreicht setzen wir wieder die Fahrt fort.
Und
wieder das gleiche Bild wie am Vortag: endlose Bergketten und viele Seen
säumen unseren Weg. Für uns ist es selbstverständlich, dass die großen
Leistungen der Architektur aus Stein entstanden sind. In Norwegen ist
das anders, hier entwickelte sich die Kunst des Holzbaues. Die Wälder
umfassen Hunderte von Millionen Kubikmeter Holz. Kein Wunder also, dass
Holz als das am billigsten und am bequemsten zu verarbeitende Baumaterial
seit jeher üblich ist. Wir stehen an der Stabkirche von Borgund, sie stammt
aus dem Jahre 1150 und ist die besterhaltenste Holzkirche Norwegens. In
sechs Stufen steigt das mit Holzschindeln bedeckte Dach empor. Von seinen
obersten Gipfeln ragen Drachenköpfe in die Lüfte und knüpfen an alten
heidnischen Traditionen an. Ein wahres Meisterwerk der hölzernen Architektur.
Wegen unserer späten Ankunft können wir das Innere der Kirche nicht mehr
besichtigen. Wir begnügen uns mit einem Blick von außen und fahren weiter
bis Borlaug, wo wir die Nacht an einem Fluss verbringen.
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Berdalsecken
/ Vang i Valdres - 20.08.96 
Ein Schotterweg,
der für PKW gesperrt ist, führt den Pass hinauf zum Berdalsecken. Mit
dem Rad strampeln wir die Kehren hoch. Es geht über eine Brücke - unter
uns rauscht ein Wasserfall hindurch. Die Aussicht auf die im Tal liegende
Seenlandschaft wird immer spektakulärer. Nach einer Stunde Treten haben
wir uns zum Hochplateau durchgekämpft.
Diese Landschaft, die wir schon bei unserer vorangegangenen Reise vor
5 Jahren durchradelten, ist uns schon ein wenig vertraut. Eine baumlose
Gegend, durchzogen von kristallklaren Seen und im Hintergrund weiße Schneefelder,
all das und vieles mehr konnten wir bereits damals bei strahlendem Sonnenschein
wahrnehmen. Ein bleibendes Erlebnis, das uns wieder an diesen Ort zurückverschlägt!
Die Lage ist immer noch traumhaft und lässt uns einige Zeit zum Picknicken
verweilen.
Gegen Nachmittag
erreichen wir den Campingplatz Vang i Valdres, schön gelegen an einem
von Bergen umrahmten See. Unsere Vorräte werden merklich weniger und das
mitgeführte Bier geht zu Ende. Bei den norwegischen Preisen, schlimm,
schlimm! Margit genießt noch die wärmende Sonne beim Lesen, Philipp spielt
Sand und ich versorge das Womo.
Vang i
Valdres - 21.08.96
Auch heute
wieder in der Sonne erwacht und gemütlich mit frischen Brötchen gefrühstückt.
Die vorangegangenen ereignisreichen Tage veranlassen uns, einen faulen
Urlaubstag einzulegen. Philipp beschäftigt sich auf dem Spielplatz nebenan.
Er wirft schaufelweise Sand in die Luft und ist vor lauter Staub fast
nicht mehr auszumachen.
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Lomen / Slettefjell / Fagernes Oslo / Moos - 22.08.96
Bei Lomen
biegen wir ab zu einem mautpflichtigen Privatweg. Ein Schotterweg führt
immer weiter rauf zum Slettefjell, ein Hochplateau mit einer riesigen
Seenplatte, abgegrenzt durch ein tolles Gebirgspanorama mit schneebedeckten
Gipfeln.
Gegen Mittag erreichen wir Fargenes, ein Bummel durch die Innenstadt,
etwas shoping und zum Abschluss noch ein leckeres Eis, bevor wir wieder
die Fahrt aufnehmen. Wir lenken durch ein Tal, das an alpenländische Motive
erinnert: verstreut e
Häuschen und Hütten bis in die Hanglagen, Wälder, saftige Wiesen und Getreidefelder
entlang der Talhänge. Die Temperaturen bewegen sich um die 32°C, langsam
wird es warm im Womo. An einem See machen wir Halt, um uns mit Baden wieder
abzukühlen. Auch die Wälder werden wieder üppiger und höher. Wir nähern
uns Oslo, hier müssen wir erstmals Mautgebühr für die Straßenbenutzung
zahlen.
Gegen 19:00 Uhr erreichen wir Bigdoy, die Museumsinsel Oslo`s. Philipp
hat unter der Fahrt geschlafen und ist somit fit für eine Sightseeingtour
per Rad. Das Erscheinungsbild Oslos ist von moderner Architektur geprägt.
Die Stadt hat zahlreiche Parks, unter anderem auch den Frogner Park mit
rund 150 Skulpturen des norwegischen Bildhauers Gustav Vigeland. Wir durchstöbern
den Park, ein letzter Blick zurück auf die untergehende Sonne, dann radeln
wir noch entlang der Hafenpromenade, bevor wir uns wieder auf den Rückweg
zum Womo machen. Etwa eine halbe Stunde nach unserer Abfahrt etwas, was
wir in Deutschland gut kennen, hier aber zum ersten, einzigen und letzten
mal miterleben: Stau auf der Autobahn Oslo - Moos.
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Insel
Rassö / Tanumshede - 23.08.96
Was für Norwegen
die Fjorde sind, das sind für Schweden die Scheren. Nach Strömstad biegen
wir bei Vik ab um, näher an die Scherenküste heranzufahren. Es geht vorbei
an bunt gestrichenen Holzhäusern, oft auch nur an gruppierten Briefkästen
am Wegrand, die auf versteckte Häuser deuten. Entlang des Waldes geht
es kreuz und quer, über Brücken und Dämme hinweg, an verzweigten Seeufern
entlang, bis wir eine der vielen vorgelagerten Inseln erreichen. Rassö
ist unser Ziel, eine etwas größere Insel mit Blick auf die Scheren. Die
Landschaft, typisch schwedisch, wie man es sich so vorstellt, lädt uns
zu einer Radtour ein. Mit einer anschließenden Wanderung, entlang
der Küste, im schattigen Kiefernwald beschließen wir den Vormittag. Das
Thermometer zeigt zu diesem Zeitpunkt 31 °C und das Ende August in Schweden,
super!
Es geht weiter
nach Tanumshede. Vor über 3000 Jahren ritzten hier Bronzezeit-Menschen
massenhaft Schiffe, Krieger, Fischfang und Jagdszenen in den Stein. In
einem Museum nebenan gibt es Ausstellungen zur Geschichte, Bedeutung und
Technik der Felsenbilder. Außerdem besuchen wir auf dem Museumsgelände
einen rekonstruierten und bewirtschafteten Bronzezeithof. An diesem Abend
fahren wir auf der Autobahn noch weiter bis Uddevalla, wo wir an einem
Rastplatz übernachten.
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Uddevalla
/ Helsingborg / Hilleröd / Roskilde - 24.08.96 
Immer noch
Sonnenschein, kaum zu glauben! Frühstücken, Weiterfahrt bis Helsingborg,
hier reihen wir uns in die Warteschlange zur Fäh re
ein. Ein riesiges Schiff bringt uns innerhalb 25 Minuten rüber nach Dänemark
und spuckt uns nach ruhiger Fahrt in Helsingor wieder aus.
Weiter geht`s nach Hillerod zum pompösen Renaissanceschloss Frederiksborg,
das auf drei Inseln in einem See erbaut wurde. Es beeindruckt vor allem
durch seine Größe und den herrlich angelegten Wasserpark, durch den wir
uns treiben lassen. Genug entspannt, wir fahren weiter mitten durch die
Insel Sjaeland. Die mit Hochspannungs-masten übersäte Ebene wirkt nicht
gerade einladend auf uns. Gegen Abend bewegen wir uns auf Roskilde zu,
um den Dom zu besichtigen. Die etwas eigentümlich wirkende rote Ziegelkathedrale
wurde im Jahre 1170 begonnen. Abgeschlossen wurde der Bau um 1636 durch
das Aufsetzen von Kupferspitzen auf den beiden unvollendeten Domtürmen.
Nach dem Abendessen und einem anschließenden Spaziergang durch die nahegelegene
Altstadt suchen wir unser Womo auf, um für den künftigen Tag wieder ausgeschlafen
und gerüstet zu sein.
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Kobenhavn
/Insel Mon - 25.08.96
Geweckt werde
ich durch das Klopfen der Regentropfen. Ein verschlafener Blick aus dem
Fenster - es wird weitergeschlafen. Leider nicht mehr lang, Philipp wirft
uns um 6:00 Uhr aus den Federn. Frühstücken, frische Brötchen von der
Bäckerei nebenan.
Heute wollen wir Kobenhavn kennen lernen. Immer noch regnet es in Strömen
vom Himmel. In Regenjacken gekleidet und mit Regenschirmen gerüstet, machen
wir uns auf den Weg zur Innenstadt. Philipp ist heute so richtig mies
drauf, meckern immer und überall. Eigentlich für uns kein Grund zu klagen,
denn er ist in diesem Urlaub erst das zweite mal schlecht drauf. Aber
auch unser Gemüt beeinflusst der Dauerregen, so dass wir schon sehr bald
die Großstadt verlassen und weiterfahren Richtung Rodby. Langsam reißt
der Himmel auf, vereinzelte Sonnenstrahlen brechen hervor und so fahren
wir wieder einem herrlichen Tag entgegen.
Bei Vordinporg
biegen wir ab zur Insel Mon, um noch die restliche Zeit an einem schön
gelegenen Campingplatz am Meer zu verbringen. Bei einer abendlichen Strandwanderung
entlang des rauschenden Meeres gilt unser vordringlichster Gedanke einem
wohlschmeckenden Abendessen.
Mons-Klingt
/ Rodby - 26.08.96
Wieder Sonnenschein.
Ein Besuch der Kreidefelsen "Mons Klingt" steht an. Über schmale Landstraßen
erreichen wir die weiße Steilküste. Gut angelegte Pfade und Treppen führen
uns an den Vorsprüngen und Schluchten der Klippen entlang. 75 Millionen
Jahre alte Kalkablagerungen, vor 20 000 Jahren zwischen zwei Eiszeitgletschern
hochgefaltet und schließlich seit fünf Jahrtausenden vom Wellengang der
Ostsee angenagt, wurden durch immer neue Abbrüche zum schroffen Kliff.
Das dänische Gegenstück zum deutschen Rügen. Spektakulär fallen die Kreidefelsen
schroff ins blaue Meer ab. Eine Treppe, mit Hunderten von Stufen führt
uns zum Fuß der Kreidefelsen hinab, nicht weniger eindrucksvoll ist der
Blick nach oben. Ein Spaziergang entlang des Strandes schließt den Besuch
der Klippen ab.
Am Nachmittag
brausen wir weiter nach Rodby, um mit einer Fähre nach Puttgarden überzusetzen.
Kurz vor Lübeck ein Hinweis, dass wir wieder auf deutschen Straßen fahren:
Stau auf der Autobahn! Alles ist dicht, zufällig sind wir nicht weit von
einer Ausfahrt entfernt, bei der wir auch gleich die Autobahn verlassen.
Das Abendessen wird zubereitet und eine längere Pause eingelegt, bevor
es auf der Landstraße weiter in Richtung Heimat geht. Vor der Autobahn
ein weiterer Schreck. Wir fahren im Dunkeln, schnell Fernlicht an und
ran an den Straßenrand, das Abblendlicht ist ausgefallen. Bevor wir uns
umschauen, hält auch schon die Polizei neben uns. Eine Tankstelle, nicht
weit entfernt, wird uns zu Reparatur empfohlen. Leider ist kein Mechaniker
vor Ort. Ich drehe das Fernlicht herunter, so dass entgegenkommende Fahrzeuge
nicht geblendet werden. An diesem Abend fahren wir noch bis kurz vor Hamburg,
wo wir an einem Rastplatz übernachten.
Lüneburger
Heide / Serengeti-Freizeitpark / Monheim - 27.08.96
Das Wetter,
blauer Himmel bei vollem Sonnenschein. Wir fahren noch ein kleines Stück
auf der Autobahn, bevor wir sie verlassen und nach Walsrode weiterfahren.
Unterwegs besorgen wir Frühstück in einer Bäckerei. Es gibt nach Langem
wieder deutsche Brötchen... schmecken allerdings auch nicht anders.
Um die Rückreise
ein wenig zu verkürzen, besuchen wir noch den Serengeti-Freizeitpark in
Hodenhagen. Hier ist auch ein sehr schöner Tierpark mit frei herumlaufenden
Tieren angegliedert, der mit einem geschlossenen Fahrzeug durchfahren
werden kann. Schon beim Lösen der Tickets werden wir darauf hingewiesen,
die Fahrräder abzumontieren. Das hatte auch seinen Grund. Als wir das
Gehege der Affen mit unserem Womo durchqueren, wurde dies von einer Bande
Affen besetzt. Einige der Affen machten sich über die Gummiteile der Fahrradträger
her, die sie in kürzester Zeit abmontierten und zerfetzen. Für die Affen
und Philipp ein Riesenspaß, für uns stellt sich eher die Frage: wie werden
wir die Bande wieder los. Als der Gummi komplett ab war und das nächste
Fahrzeug sich näherte, löste sich das Problem von selbst. Die Affen haben
ihr nächstes Opfer und wir unseren Spaß. Gegen Nachmittag ziehen Gewitterwolken
auf, es beginnt zu regnen.
Wir brechen
ab und treten unsere entgültige Rückreise an. Philipp ist eingeschlafen,
erst nach vier Stunden Fahrt wacht er auf und freut sich auf sein Zuhause.
Kurze Zeit später erreichen wir gegen 21:00 Uhr unsere Heimatstadt Monheim.
Wieder einmal
haben wir einen kleinen Einblick in das große Land Norwegen bekommen.
Wir werden noch oft hierher kommen müssen um all das Sehens- und Besuchenswerte
kennen zu lernen. Norwegen nicht zu kennen, bedeutet für uns eines der
großartigsten und landschaftlich reizvollsten Reiseziele Europas versäumt
zu haben.
Franz Sebald
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