Reisebericht Norwegen 2001  

von Horst Gasser                   HP: http://norwegen-insiderinfo.com

 

Abfahrt in Plainfeld um 4 30, erster Zwischenstopp um 8 00 bei Nürnberg. Jene, die Richtung Süden fahren, sind nicht zu beneiden - ein kilometerlanger Stau jagt den anderen, teilweise bis zu 30 km.
Um 15 00 kommen wir bei Johannes in Siegen an, wo wir heute übernachten werden. Von hier aus besuchen wir dann auch Frank, der uns zum Grillen eingeladen hat.
 

Um 6 00 Abfahrt in Siegen (Johannes ist extra für uns so bald aufgestanden, um sich zu verabschieden, und das, obwohl er um 3 00 seinen Sohn zum Bus gebracht hat) Richtung Hamburg, wo wir gegen 14 15 am Hafen ankommen. Wir spazieren 3 Stunden am Hafen entlang, dann fahren wir weiter zu Peter nach Großhansdorf. Peter wohnt hier in einem kleinen Paradies - einem sehr schönen Haus mit großem Garten, wo sich auch Sandra und Mike sofort wohlfühlen. Gemeinsam mit Peter sowie Rainer und Regina, die Peter auch eingeladen hat, verbringen wir einen sehr gemütlichen Abend.

Heute bleiben wir bis 7 30 liegen. Peter verwöhnt uns mit einem sehr guten Frühstück im Garten und so bleiben wir - länger als geplant - bis 10 00 sitzen.
Wir beschließen dann, doch nicht in den Freizeitpark Tolk-Schau zu fahren, sondern dafür die Fahrt nach Fredrikshavn umso gemütlicher und mit mehr Pausen anzugehen. So kommem wir dann auch erst um 21 00 in Fredrikshavn an.
Ein Anstellen in der Schlange für die morgige Fähre nach Oslo ist erst ab morgen, 7 00, möglich. Deshalb suchen wir den mit 239 DK pro Nacht wirklich sehr teuren Campingplatz Nordstrand auf.
 
Da wir uns aus Kostengründen für ein nur 5 m langes Wohnmobil entschlossen haben, bleibt es uns nicht erspart, zum Schlafen die Sitzgarnitur umzubauen. Das ist nicht wirklich viel Arbeit, aber auf Dauer kann so etwas bestimmt ziemlich nerven, vor allem darum, weil es nach dem Umbau im WoMo sehr eng wird.

Um 7 45 kommen wir zum Hafen, wodurch wir in unserer Spur ganz vorne und dann am Car-Deck direkt vor dem Tor zum Stehen kommen. Abfahrt ist um 10 30, mit dem Beladen wurde jedoch schon um 8:45 begonnen.

Gegen 17 00 erreichen wir dann den Oslofjord, der die Freude auf Norwegen die letzten 2 Stunden der Fahrt kontinuierlich ansteigen lässt.
Um 19 15 verlassen wir die Fähre und fahren die E18 Richtung Drammen. Bei Sandvika biegen wir in die E16 ein, der wir bis Sundvollen folgen. Dort biegen wir an einer Tankstelle rechts ab und fahren die mautpflichtige Straße (20 NOK für PKW, 30 NOK für LKW) zur Kongens Utsikt hinauf. Von hier hat man einen herrlichen Ausblick über den Tyrifjord, den wir auch in vollen Zügen genießen. Wir saugen die Landschaft förmlich in uns auf, auch unsere Kinder sind hellauf begeistert. Da es mittlerweile schon 22 30 geworden ist, beschließen wir, hier auch die Nacht zu verbringen.

 

Tagwache 6:30, es empfängt uns ein kühler aber sonniger Morgen. Weiter gehts auf der E16 bis Hønefoss, von dort weiter auf der 7 über Noresund, entlang des Krøderen bis Flå.
In Flå besuchen wir den Vassfaret Bjørnepark. Da dieser erst um 11 00 öffnet, nutzen wir die 1 1/2 Stunden, die uns noch bleiben, für ein gemütliches Frühstück.
Der Eintritt in den Park kostet 90 NOK für Erwachsene und 45 NOK für Kinder - für eine Familie sind 230 NOK zu berappen. Auf den ersten Blick recht viel für ein paar Bären und Elche. Das Gelände ist aber sehr schön angelegt und so ist der Preis auf den zweiten Blick dann auf jeden Fall gerechtfertigt.
 
Um 13 15 geht es dann weiter durchs Hallingdal entlang der Hallingdalselva Richtung Gol, wo wor einen Zwischenhalt machen, um uns die Stabkirche anzusehen. 60 NOK Eintritt pro Erwachsenen sind uns dann aber doch zuviel.


Wer von der Kirche trotzdem ein Foto schießen will, der kann das auch von der Straße Richtung Geilo aus tun, wo man an einer Schotterstraße halten kann.Eine sehr schöne Kirche steht dann in Hol, diese kann man nicht verpassen, denn an derselben Stelle befindet sich die Touristeninfo samt großem Parkplatz.
Bis Geilo sind es von hier noch 10 km. Geilo ist ein sehr bekannter Wintersportort, jetzt im Sommer wirkt der Ort aber ausgesprochen ruhig. Die Schneisen, die für die Schifahrer in den Hang geschlagen wurden, stören schon ziemlich, aber das ist eben der Preis, den man für den Wintertourismus bezahlen muss.
Etwa 10 km nach Geilo, in der Gegend um Ustaoset und den Ustevatn kommt ein landschaftlich sehr schöner Abschnitt - Fotografen werden hier des Öfteren zum Anhalten gezwungen. Das Wetter ist zwar nicht wirklich schön - teilweise regnet es und es ist ziemlich frisch - aber von der Stimmung her einfach spitze. Es herrscht gute Sicht, schwarze Wolken und Sonne wechseln sich ab.
 
Je mehr wir uns Eidfjord nähern, desto dichter werden die Wolken und umso häufiger regnet es. Trotzdem versuchen wir unser Glück und fahren zum Fossli Hotel oberhalb des Vøringsfossen. Kurz davor - genaugenommen beim Kassier für den Parkplatz - müssen wir aber erkennen, dass es wegen des dichten Nebels sinnlos wäre, jetzt hier zu bleiben. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Kassier kehren wir um und kommen gegen 18 00 in Øvre Eidfjord an. Wir kommen gerade noch rechtzeitig vor Ladenschluss zum Supermarkt in der Nähe des Hardangervidda Naturcenters, um ein paar Kleinigkeiten und eine Zeitung (wegen des Wetterberichtes) zu besorgen. Laut Wetterbericht soll es jetzt 2 Tage durchregnen, erst am Samstag sollte es wieder besser werden.
 
Gleich danach suchen wie Sæbo Camping auf, wo wir die 2 folgenden Nächte verbringen werden. Eine Nacht kostet hier 130 NOK für WoMo und 4 Personen. Kreditkarten werden nicht akzeptiert, in der Telefonzelle am Campingplatz jedoch schon. Nachdem es 2 Stunden durchgeregnet hat, lässt der Regen nach und es hört schließlich dann auch ganz auf. Wir bauen unter der Markise des WoMos das Zelt auf, was den Kindern viel Spaß macht.
 

Der Morgen begrüßt uns - völlig unerwartet - mit herrlichem Sonnenschein. So fahren wir dann um 11 00 zum Fossli Hotel, von wo man den besten Ausblick auf den Vøringsfossen hat. Die 20 NOK Parkgebühr, die hier im Gegensatz zum Parkplatz etwas unterhalb zu bezahlen sind, lohnen sich auf jeden Fall. Neben der neuen Straße nach Fossli, welche durch ein paar Tunnel führt, wird die alte Straße weiter erhalten. Diese dient einerseits als Radweg, andererseits verkehrt hier der Trolltoget, ein kleiner Zug, welcher vor allem die kleinen Gäste faszinieren dürfte.

Wenn man am Vøringsfossen die Fotografen beobachtet, kann man sich eigentlich nur noch wundern, denn sehr viele davon sind ganz offenbar dazu bereit, für ein gutes Foto ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Sie nähern sich zentimeterweise dem Abgrund oder lehnen sich an Bäume, die ganz an der Kante stehen und bei denen man sich wundert, dass sie nicht schon alleine durch das Eigengewicht in die Tiefe stürzen.

Wir nutzen das nach wie vor vorzügliche Wetter und fahren zum Hof Kjeåsen, den man erreicht, indem man bei Eidfjord ins Simadalen abbiegt. Man fährt am Kraftwerk vorbei (dort gibt es übrigens auch eine geführte Tour) und kommt kurz darauf zu einem nicht zu verfehlenden Wegweiser, wo man den Hinweis findet, dass es zu jeder vollen Stunde nach oben geht und zu jeder halben Stunde nach unten. Die Straße ist nämlich relativ schmal und kann deshalb nur in einer Richtung befahren werden. Es geht relativ steil mit Serpentinen los, die zweite Hälfte bewältigt man durch einen unbeleuchteten Tunnel, der aber auch für Busse und große WoMos hoch genug ist.
 
Ein paar Meter nach dem Tunnel ist dann ein Parkplatz, von wo man noch ca. 5 Minuten Fußweg bis zum Hof hat. Der Ausblick über den Fjord ist wunderschön, und so beschließen wir, nicht gleich wieder nach unten zu hetzen, sondern eine Stunde zu bleiben.

Nach erfolgreicher Abfahrt (im Tunnel kam uns doch tatsächlich ein Bus entgegen!) fuhren wir weiter ins Tal hinein Richtung Skykkedalsfossen. Hier gabelt sich bald die Straße, eine davon führt in eine Sackgasse zu einem Parkplatz. Diese Straße ist aber schon recht schmal und für Gespanne nicht geeignet. Wer also mit einem Wohnwagen unterwegs ist, sollte am besten direkt den Parkplatz an der Gabelung nutzen. Über die Schotterstraße nach links könnte man direkt bis zum Wasserfall fahren, wir entschieden uns aber für die Sackgasse.
 
Der Weg zum Wasserfall führt immer entlang der Schotterstraße (vom hinteren Parkplatz führt ein kurzer Weg wieder auf diese), man könnte also auch problemlos mit einem Kinderwagen zum Skykkedalsfossen kommen.
 
Nach etwa 1/4 Stunde erreicht man eine Brücke, ab hier kann man rechts den insgesamt 600 m hohen Wasserfall sehen. Nach einer weiteren 3/4 Stunde (mit unseren zwei 3 und 5-jährigen Kindern) kommt man zu einem Steinfeld rechts neben dem Weg, von wo man näher an den Wasserfall heran kann. Es ist zwar eine kleine Kletterei (nichts für Kinder!), aber mit hat es Spaß gemacht.

Auf dem Weg zurück zu Sæbo Camping machen wir in Eidfjord kurz halt, da hier der Supermarkt bis 19 00 offen hat (der in Øvre Eidfjord schließt bereits um 18 00). Auch dieser Supermarkt akzeptiert wie der in Øvre Eidfjord Kreditkarten.
Das Grillen ist herrlich, auch um 21 00 hat es heute noch eine recht angenehme Temperatur, auch wenn die Sonne schon recht früh hinter den Bergen verschwunden ist.
Ein Platznachbar hat einen großen Fisch aus dem Eidfjordsvatnet an Land gezogen, er dürfte so an die 40 cm lang gewesen sein. Für mich als Nicht-Angler ein Riesending von Fisch.
 
Noch etwas zu Sæbo Camping: die sanitären Einrichtungen wurden seit meinem ersten Besuch 1992 nicht erneuert, einen dementsprechend niedrigen Standard weisen sie deshalb auch auf. Es ist zwar das Meiste vorhanden, was man braucht (Küche, Waschmaschine, Telefon etc.), aber das Alter ist der Einrichtung einfach anzusehen.
In der Nacht hat es zu regnen begonnen und bis 9 00 hält der Regen auch an.
 
Eidfjord hätte noch sehr viel zu bieten, wie z.B. das Hardangervidda Naturcenter, eine Besichtigung des Simadalen Kraftswerkes, Wanderungen wie z.B. zum Valurfossen etc., aber unsere Reise führt uns heute weiter Richtung Rosendal, wo wir ab heute für eine Woche eine Hütte gemietet haben.
 
Wir nehmen die Fähre Brimnes/Bruravik (67 NOK). Das ist nicht der kürzeste Weg nach Rosendal, aber wir wollen Ulvik und den Steindalsfossen nicht versäumen. An Ulvik bin ich bei meinen zwei letzten Norwegen-Reisen vorbeigefahren, diesesmal will ich es nicht versäumen.
Ulvik ist ein netter, kleiner Ort und ist den Umweg auf jeden Fall wert. Man sollte aber nicht nur daran vorbeifahren, sondern auch in den Ort hineinfahren.

Die Straße weiter nach Granvin ist recht schmal und für Gespanne wohl nur sehr bedingt geeignet. Von hier aus hat man einen schönen Ausblick zurück auf den Ulviksfjorden bis er schließlich hinter den Bergen verschwindet

 

Am Espelandsvatnet legen wir eine längere Rast ein. Wir spazieren etwas am See entlang, pflücken Heidelbeeren und die Kinder kommen dann auch wieder einmal zu ihrer Lieblingsbeschäftigung - Steine schmeißen.
Die nächste Station ist der Steindalsfossen. Auch die Straße hinunter bis Granvin und dann entlang des Hardangerfjords ist wieder relativ schmal, bei Gegenverkehr muss man immer wieder einmal anhalten. Mit einem WoMo sollte man von einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 40 km/h ausgehen - wir waren noch viel langsamer, da wir immer wieder anhielten, um Fotos zu machen. Denn trotz des jetzt wieder recht schlechten und diesigen Wetters ist der Hardangerfjord sehr beeindruckend.

 

Den Steindalsfossen, ca. 2 km nach Norheimsund, kann man nicht verfehlen, denn er liegt direkt an der Straße. Besonders hoch ist er nicht, aber das Faszinierende ist, dass man hinter dem Wasserfall durchgehen kann.
Die Fahrt weiter bis Gjermundshamn führt weiter über die 49, die stellenweise einspurig wird und an deren Ende einige Tunnels sind, die nur eine Höhe von 3,5 m angeben. Zur Fähre nach Løfallstrand (116 NOK) kommen wir gerade richtig.
 
Die Preise für Diesel liegen derzeit zwischen 8,39 NOK und 8,46 NOK - das nur so nebenbei erwähnt.
Nach der 20 minütigen Fährüberfahrt haben wir nur noch 4 km bis Rosendal. Unsere Hütte finden wir sofort, den Vermieter aber nicht. Wir landen dann am Alsgardhof, von wo aus ein sehr hilfsbereiter Mann den Vermieter anruft, der dann auch gleich zur Hütte kommt. Um 20 00 betreten wir dann die Hütte "Nerhus" und der sehr postive Eindruck, den man von der WebSite bekommt (wo man auch Details zur Ausstattung finden kann), wird mehr als bestätigt. Die Hütte ist wirklich einmalig und wir sind so davon begeistert, dass uns das schlechte Wetter, welches uns seit 15 00 begleitet, wirklich nichts ausmacht.
 


Laut Vermieter soll es auch die nächsten Tage unbeständig bleiben - lassen wir uns einfach überraschen.
Nachdem es die gesamte Nacht durchgeregnet hat, beginnt es gegen Mittag langsam etwas besser zu werden. Den Vormittag haben wir dazu genutzt, um alle gesammelten Reiseprospekte zu sortieren und allerlei andere Dinge, die aber wohl zu uninteressant sind, um sie hier breitzutreten.
 
Die Geräumigkeit der Hütte genießen wir ganz besonders, denn die Enge in einem 5 m WoMo wäre - besonders mit 2 kleinen Kindern - an einem regnerischen Vormittag wie heute, nicht wirklich angenehm.
Gegen 14 00 kommt dann die Sonne heraus und wir spazieren in den Ort, um die Infrastruktur etwas zu erkunden. Rosendal bietet das meiste, was man so braucht, wie Post, Bank mit Bankomat/Minibank, Cafe, Supermarkt, Touristinfo usw.. Auch der Supermarkt im Ortszentrum bietet die Möglichkeit der Bezahlung mit Kreditkarte

Danach zurren wir die Räder vom WoMo los und fahren zur Baroniet Rosendal. Die Baroniet ist das kleinste Schloss Skandinaviens und deshalb auch eines der bekanntesten Schlösser Norwegens. Es wurde 1665 von Ludwig Rosenkrantz errichtet.
Kurz nach der Baroniet lassen wir die Räder stehen, da es für Mike einfach zu steil wird. Wir gehen zu Fuß in Richtung des Hattebergfossen, an einer Straßengabelung gehen wir links weiter. Von hier haben wir dann einen schönen Ausblick zurück auf den Hardangerfjord sowie auf die Insel Snilstveitøy. Am Wegesrand sind auch hier wieder Heidelbeeren, Himbeeren sowie Brombeeren zu finden. Die Schotterstraße endet an einem Haus, wo wir dann auch umkehren und den Heimweg antreten.
In der Hütte angekommen werfen wir den Grill an und genießen die Sonne, die sich im Kampf gegen die Wolken sehr hartnäckig zeigt.
 

Ein wunderschöner Morgen treibt uns heute schon um 6 20 aus den Betten.

Hier fährt man dann eine schmale Straße entlang, die sehr bald zu einem Schotterweg wird, der dann in einem Parkplatz mündet. Von hier aus kann man dann durch das wirklich einmalige Bondhusdalen zum Bondhusvatn bzw. Bondhusbreen wandern. Der Weg ist bis zum See absolut familienfreundlich, man könnte hier sogar problemlos mit einem Kinderwagen hinkommen. Nahezu den gesamten Weg entlang wird man vom Fluss Bondhuselva begleitet, der sich seinen Weg durch moosbewachsene Steine und Felsen bahnt.
 
Rechts entlang des Sees führt dann ein etwas steiniger Weg, dem wir bis zu einem Wasserfall folgen. Dort legen wir dann eine längere Rast ein und genießen den Ausblick zum Gletscher und auf den See, bevor wir wieder den Rückweg antreten. Die letzten paar Meter müssen wir dann unsere Kinderchen auf die Schultern nehmen - sie wollen einfach nicht mehr.
 
Das Bondhusdalen ist auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn man eine gemütliche Wanderung zu einer Gletscherzunge samt idyllischem Gletschersee machen will. Wer es gerne etwas anstrengender mag, der kann anstatt zum See zur Fonnabu-Hütte gehen - das sieht zumindest auf der Wanderkarte anstrengender aus (dort waren wir aber nicht).
Da unsere Kinder heute wohl absolut keine Lust mehr auf eine weitere Wanderung haben dürften, fahren wir zurück zur Hütte, um den restlichen Tag mit Faulenzen und Grillen zu verbringen.
 
Das Grillen wird dann kurzfristig unters Vordach der Hütte verlegt, da ein kurzer Regenschauer niedergeht. Bald danach reißt es aber wieder auf. Laut Wetterbericht im Fernsehen dürfte es auch die nächsten Tage weiterhin wechselhaft bleiben.
 
Für den, der es nicht weiß - die meisten Dokumentationen und Filme werden in englischer Originalfassung mit norwegischen Untertiteln ausgestrahlt, da es sich für die Filmindustrie kaum lohnt, für die wenigen Seher eine eigene Synchronisation zu machen. Interessanterweise scheint das aber bei Zeichentrickfilmen anders zu sein, hier werden sehr viele in norwegischer Sprache gezeigt.

 

Es hat wieder die gesamte Nacht durchgeregnet, aber auch heute klart es nach und nach wieder auf. Wie gehen zur Touristinfo von Rosendal, die ab 10 00 geöffnet hat. Unser Hauptinteresse lag darin, die möglichen Wege nach Bergen herauszufinden.


Prinzipiell bieten sich drei Möglichkeiten an:
mit dem Auto bis Bergen, indem wir die Fähre Løfallstrand / Gjermundshamn nehmen und dann der 48 folgen (relativ enge Straße zwischen Eikelandsosen und Tysse) bzw. die 552 nehmen und mit der Fähre von Venjaneset nach Hattvik übersetzen.
Die zweite mögliche Route ist eine Kombination aus Boot/Bus ab Herøysund. Von dort geht es mit dem Boot nach Os, von Os geht dann ein Bus nach Bergen (dieser wartet auf das Boot). Die Kosten für einen Erwachsenen belaufen sich auf 160 NOK. Dauer: 55 min Boot, 50 min Bus.
Die dritte und gleichzeitig vermutlich schönste, aber auch teuerste Variante führt von Sunde direkt mit dem Boot in den Hafen von Bergen. Preis für einen Erwachsenen 260 NOK, Dauer der Fahrt ca. 2 1/2 Stunden. Es gibt hier einige Rabatte, so zahlt bei einem Paar der zweite nur die Hälfte, Kinder ab 4 zahlen ebenfalls nur die Hälfte, Kinder unter 4 sind frei. Auch eine Familienkarte wird angeboten, was sich aber mit einem zahlenden Kind nicht rechnet.
Welche der 3 Varianten wir wählen, werden wir morgen kurzfristig entscheiden. Bei Schönwetter ist die letzte Variante der Favorit, bei Schlechtwetter wäre wohl die reine Autovariante zu bevorzugen.

Das Wetter wird ab Mittag wieder schlecht, den Kindern ist das aber einerlei und spielen vor der Hütte im Regen. Um 15 00 starten wir im Regen zur nur 300 m entfernten Baroniet Rosendal. Ins Schloss hinein gehen wir allerdings nicht, da wir annehmen, dass es den Preis von 170 NOK für unsere Familie kaum wert sein kann. Stattdessen spazieren wir im Garten herum und freuen uns, dass langsam wieder die Sonne durchkommt.
 
Abends wird natürlich wieder gegrillt, dieses mal gibt es Seifilet, welches wir am Morgen um 59 NOK pro kg im Supermarkt erstanden haben. Beim Essen des Fisches bereuen wir nun doch etwas, dass wir vor dem Urlaub nicht das Angeln gelernt haben - der Fisch schmeckt einfach herrlich.

Nach dem Essen fahre ich mit dem Rad die Straße in Richtung des Hattebergfossen ab, die leider kurz vor dem Wasserfall zu einem reinen Fußweg "verkommt" und mich zum Umkehren zwingt. Das Tal selbst kann mit dem Bondhusdalen keineswegs mithalten, es ist um vieles lieblicher und der Fluß auch um einiges zahmer als die Bondhuselva.
Christine joggt dann noch zum Myrdalsvatn, der es ihr sehr angetan hat. Dieser wird deshalb eines unserer nächsten Ziele werden.
 

Wir stehen schon um 6 15 auf, das Wetter ist perfekt für eine Fahrt nach Bergen. Entgegen unseres gestrigen Planes, bei schönem Wetter die Fähre Sunde/Bergen zu nehmen, ziehen wir nun doch die Variante mit dem eigenen WoMo vor. Man ist so einfach flexibler, was die Rückkehr anbelangt. Und gerade mit Kindern ist das ein sehr gewichtiger Faktor.
Um 7 
30 stehen wir am Fähranlager Løfallstrand, von wo um 7 50 die Fähre nach Gjermundshamn geht. Dauer der Fahrt 40 min, da die Fähre um diese Zeit über Varaldsøy fährt. Weiter über die 48 bis Mundheim und Eikelandsosen

 

Kurz vor Eikelandsosen bleiben wir an einem kleinen See stehen, um wieder einmal den Fotoapparat zu aktivieren. Als wir dann losfahren wollen, bleibt ein Polizist neben uns stehen. Mich packte sogleich das schlechte Gewissen, weil ich mit dem WoMo so halb/halb auf der Straße gestanden bin und bangte um unzählige NOK aus der Urlaubskasse. Er fragte uns aber nur ganz höflich, ob wir Hilfe bräuchten...

Die Strecke entlang des Eikelandsfjorden ist sehr schön und wir bleiben des öfteren stehen, um die Landschaft zu genießen und Fotos zu machen. Für die 44 km von Gjermundshamn bis zur Fähre von Venjaneset nach Hattvik benötigen wir in Summe 1 1/4 Stunden. Die Fährfahrt dauert 13 min, Kosten 63 NOK.
 
Weiter geht es dann über dei 552 bis Osøyro, dann über die E39 bis Bergen. Bei der Einfahrt nach Bergen werden 10 NOK Stadtmaut kassiert. Diese Maut gilt für jeweils 1x in die Stadt fahren. Wer sich - wie wir - bei der Einfahrt in die Stadt in der Abfahrt irrt, der fährt durch den Fløyfjellstunnelen an der Stadt vorbei und zahlt gleich noch einmal bei der Wiedereinfahrt. Wer also nicht auch doppelt zahlen will, der sollte sich gleich Richtung Sentrum einordnen. Hier kommt man dann zu einem Parkhaus, welches aber für WoMos nicht geeignet ist, da es eine Höhenbeschränkung auf 1,9 m gibt. WoMo-Fahrer müssen sich rechts halten und zum Busparkplatz bzw. Richtung Entsorgungsstation fahren. Dort parkt man für 12 NOK die Stunde, maximal jedoch 60 NOK und bis zu 24 Stunden.

Nach ca. 5 min Fußmarsch ins Zentrum gelangt man direkt zum Fischmarkt, der Montag bis Samstag jeweils bis 15 00 abgehalten wird. Die Touristinfo liegt schräg gegenüber, wer eine mündliche Auskunft haben will, muss zuerst eine Nummer ziehen und warten, bis er aufgerufen wird. Da wir aber ohnehin nur einen Nachmittag in Bergen bleiben und ich schon vor 2 Jahren hier war, ist für uns das Programm aber klar. Fischmarkt (wo wir uns ein Lachsfilet zu 79 NOK/kg kaufen), Bryggen und die Fløyenbahn, welche sich nur in 150 m Entfernung vom Fischmarkt befindet und in der Hauptsaison bis 24 00 fährt. Erwachsene zahlen für die 6 min lange Fahrt 50 NOK, Kinder die Hälfte. Die Aussicht von oben ist sehr schön, kann aber mit jener, die man vom Ulriken genießen kann, nicht ganz mithalten. Dafür gibt es hier neben einem Restaurant und einem Kiosk auch einen Kinderspielplatz, der von unseren Kindern selbstverständlich sofort gestürmt wird.

Kurz vor 17 00 treten wir dann die Rückreise nach Rosendal an, wo wir gegen 20 00 ankommen.
Wir heizen wie üblich den Griller an und genießen den auf dem Fischmarkt erstandenen Lachs

Klare Fernsicht und ein nahezu wolkenloser Himmel erwartet uns heute. Der Malmangernuten, unser "Hausberg", sieht mit seinen 889 m in der Morgensonne noch imposanter aus. Durch die in Norwegen relativ niedrige Baumgrenze sehen die Berge ohnehin um einiges höher aus, als in Mitteleuropa.
 
Unsere Geduld, was langsames Wandern anbelangt, wird heute durch unsere Kinder auf eine harte Probe gestellt. Bei der Wanderung zum Myrdalsvatn (2 km bis zu einem Parkplatz fahren wir) legen sie den kleinsten Gang ein und bleiben bei jedem Heidelbeer- und Himbeerstrauch stehen. So brauchen wir für den Hin- und Rückweg insgesamt 5 Stunden. Aufgrund des immer schlechter werdenden Wetters, sind wir auch von der Landschaft nicht so angetan, als es Christine gestern Abend beim Laufen war. Doch auch bei Schönwetter könnte dieser Weg keinesfalls mit dem durch das Bondhusdalen mithalten. Was hier fehlt, ist der Fluss neben dem Wanderweg und auch der See ist bei weitem nicht so eindrucksvoll. Am schönsten waren noch die ersten paar Meter des Weges, solange man den Blick auf den Hardangerfjord und Rosendal genießen konnte. Kinderfreundlich ist aber auch dieser Weg, denn bis zum See führt eine Schotterstraße, die man auch mit dem Kinderwagen hochfahren könnte.
Als wir dann wieder ins Auto steigen, sehen wir auch schon die ersten Regentropfen auf der Windschutzscheibe - Glück gehabt!
Selbstverständlich lassen wir es uns aber auch heute wieder nicht nehmen, unter dem Vordach den Griller anzuheizen.

Später lösen sich die Wolken dann wieder mehr und mehr auf, was wir dazu nutzen, ein paar Stimmungsbilder von Rosendal und Umgebung zu machen, während unsere Kinder am Fjord mit voller Begeisterung Muscheln sammeln.
 

 

Wieder schönes Wetter. Mike will auf keinen Fall wandern, so entschließen wir uns dazu, heute eine gemütliche Tour mit dem WoMo zu machen. Gemütlich heißt, nicht zu weit zu fahren und viele, längere Pausen einzulegen. Da der Treibstoff langsam zu Neige geht, frage ich sicherheitshalber in der Touristinfo nach, wo die nächste Tankstelle zu finden ist. 4 km südlich von Rosendal und 30 km nördlich in Sunndal. Sunndal passt perfekt für uns, da wir den Maurangsfjorden bis zum Ende der Straße fahren wollen

Ab Gjerde wird die Straße dann schon recht eng und es geht auch durch einen recht abenteuerlichen Tunnel. In Flatebø machen wir den ersten längeren Halt. Die Kinder werfen wieder mit Begeisterung Steine ins Wasser und sind dann kaum noch vom Wasser wegzubekommen. Wir genießen den herrlichen Ausblick über den Maurangsfjorden und den Folgefonn im Hintergrund.
 
Etwas später fahren wir bis Eikenes weiter, bis wir an einem Sackgasse-Schild ankommen. Da die Straße von hier relativ eng und steil wird und auch nicht asphaltiert ist, lassen wir das WoMo stehen und gehen zu Fuß weiter. Nach einer Stunde machen unsere Kinder einfach nicht mehr mit und wir kehren nach einer kurzen Rast wieder um. Bis dahin hatte der Weg nichts Aussergewöhnliches zu bieten, über das, was noch gekommen wäre, könnte ich jetzt nur spekulieren. Allerdings ist uns auch ein "T" untergekommen - die Markierung für Wanderwege. Es könnte also gut sein, dass es hier den ein oder anderen Weg auf die umliegenden Berge gibt.

Auf dem Rückweg machen wir wieder Halt beim Strand in Flatebø, wo unsere Kinder wieder eine ganze Stunde ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgehen

Gegen 17 00 kommen wir wieder in unserer Hütte an. Es ist bereits unsere letzte Nacht und so beginnen wir, die Hütte aufzuräumen bzw. das WoMo wieder einzuräumen. Bevor ich die Räder wieder festzurre, drehe ich noch eine kleine Runde mit dem Rad und fahre zum Hattebergfossen. Es ist ein angenehmer Weg, allerdings muss man das Rad neben dem Wasserfall tragen, da der Weg hier zu steil wird. Eine kurze Wanderung, die sicher auch mit Kindern gut durchzuführen ist, wobei dieser Weg aber nicht Kinderwagen-tauglich ist.
 
Nach meiner Rückkehr wird ein letztes Mal der Grill angeheizt, bevor wir mit der Endreinigung der Hütte beginnen.
 
Resüme: so eine Hütte ist auf jeden Fall eine super Sache! Den Kindern gefällt es, wenn man eine Weile am gleichen Ort bleibt, man hat sein eigenes Bad und gemütliche Betten, einen absolut wetterunahängigen Unterschlupf - also einfach Komfort pur im Vergleich zum Wohnmobil. Besonders dann, wenn das Wetter - wie in unserem Fall - recht wechselhaft und regenerisch ist.
 

Abschied von unseren Vermietern. Wir verlassen Rosendal so, wie wir es bei unserer Anreise vorgefunden haben - wolkenverhangen und verregnt. Über die 48, dann 550 fahren wir in Richtung Sunndal und dann durch den 11150 m langen Folgefonntunnel (Maut 55 NOK) nach Odda. Am Ende des Tunnels erwartet uns erfreulicherweise schönes Wetter, welches zu einem kleinen Zwischenstopp in der angeblich "hässlichsten Stadt Norwegens" - nämlich Odda - einlädt. Dass die Industrie hier eine große Rolle spielt, ist nicht zu übersehen. Trotzdem ist Odda nicht so hässlich, wie es gerne beschrieben wird. Allerdings würde ich hier auch nicht gerade gerne meinen Urlaub verbringen wollen.

Kurz nach Odda kommen wir am wohl bekanntesten Wasserfall Norwegens vorbei, dem Låtefossen. Wie immer herrscht hier reger Betrieb. Dann weiter auf der E134 Richtung Røldal. Statt durch den Røldalstunnelen wählen wir die Route über der alten Haukelivegen, der kurz vor dem Tunnel links abzweigt

Der alte Haukelivegen war die erste Bergstrasse zwischen Ost- und Westnorwegen. Der Bau der Straße begann 1857 und wurde 1889 vollendet. Anfangs war die Straße nur 12 bis 14 Wochen für Pferdegespanne geöffnet, später dann 16 bis 20 Wochen für KFZ. 1960 wurde dann die neue Straße durch den Tunnel gebaut und im Winter 67/68 blieb sie zum ersten Mal ganzjährig geöffnet. Aber Achtung: der alte Haukelivegen ist für (größere) WoMos nicht geeignet, da die Straße streckenweise sehr eng wird und zudem ein Fahrverbot für Fahrzeuge mit einer Breite über 2.0 m herrscht. Der Umweg übers Rølalsfjell lohnt sich aber auf jeden Fall, die Landschaft ist einmalig.
 
Den nächsten Zwischenstopp legen wir dann in Røldal bei der Stabkirche ein, auch hier sind 20 NOK zu bezahlen, wenn man reinwill. Fotografieren ist in der Kirche generell untersagt. Røldal ist recht schön, die Temperaturen ab recht niedrig, da der Ort ringsum von Bergen umgeben ist und somit selbst im Sommer recht wenig Sonne abbekommt.

Kurz nach Røldal biegen wir dann nach links ins Valldalen ab und fahren bis zum Beginn des Stausees, wo wir eine kleine Essenspause einlegen. Es weht ein fast schon eisiger Wind, über uns dichte Wolken, im Hintergrund bricht aber immer wieder auch die Sonne durch.
 
Wir bleiben der E134 nicht lange treu, denn wir umfahren auch den Haukelitunnelen über die Aussichtsstraße, die mit Dyrskar ausgeschildert ist. Dieser Umweg ist auch mit großen WoMos problemlos zu bewältigen, bietet dafür aber bei weitem nicht die Aussicht, als es der Gamle Haukelivegen tat.

Kurz nachdem man auf die E134 zurückkehrt, erreicht man die Grenze der Fylke Hordaland zur Telemark. Hier befindet sich auch ein großer Parkplatz, von dem aus man die Landschaft hervorragend genießen kann. Der Ståvatn und die umliegenden Berge bieten einmalige Motive und verleiten wohl jeden Fotografen zum mehrmaligen betätigen des Auslösers. Während wir also die Kameras zücken, vergnügen sich unsere Kinder beim Bauen von Steinmanderln.
 
Auch den folgenden Tunnel am Kjelavatn umfahren wir wieder, eine Schotterstraße führt kurz vor dem Tunnel rechts weg. Hier gilt eine Beschränkung auf 3 Tonnen, der Weg ist stellenweise auch wieder recht schmal. Mit unserem kleinen 5 m WoMo haben wir absolut keine Probleme, größere WoMos dürften aber hier schon Probleme bekommen. Wir halten auch diesen kleinen Umweg für lohnenswert, denn der Ausblick über den Kjelavatn ist fast schon als genial einzustufen.

Bedingt durch die vielen Zwischenstopps kommen wir erst gegen 20 00 bei Åmot vorbei und so nehmen wir den direkten Weg nach Seljord. Wer genung Zeit hat, sollte unbedingt den Umweg über Dalen machen (ca. 20 km). Dalen habe ich während der 99er Reise genossen - die Serpentinen ins Tal bzw. der Blick von oben auf Dalen und den Bandakvatn ist ausgezeichnet.
 
Gegen 20 
45 erreichen wir dann Sandnes Camping, etwa in der Hälfte nordöstlich des Sees. Am Eingang warnt man uns, dass es hier die beiden nächsten Nächte wegen eines Truckertreffens bis 2 00/3 00 in der Früh etwas lauter sein könnte. Wir bleiben aber trotzdem, da der Platz optisch einen sehr guten Eindruck macht und auch die Kinder gerne hier bleiben würden.
 
Mike und Sandra übernachteten dann zum ersten Mal im Zelt, was sie sehr begeisterte. Die Beiden haben dann auch sehr gut geschlafen, wir beiden Erwachsenen dafür fast überhaupt nicht. Zum einen waren die Trucker schuld, die bis 3 
00 Musik spielten, zum anderen war es der Wind, der recht kräftig blies. Zudem liegt der Campingplatz direkt an der Straße, die zwar nicht stark befahren ist, aber gerade bei schlechtem Schlaf stört jedes einzelne Auto.

 

Nachdem wir gestern übers Haukelifjell unsere wärmere Kleidung auspacken mussten, sind heute die kurzen Hosen dran. Der Sonne versteht es zum ersten Mal in diesem Urlaub, uns so richtig "einzuheizen". Wir stellen den Campingtisch an den See und genießen jeden einzelnen Sonnenstrahl. Der See ist recht kühl, ich würde ihn auf ca. 16 Grad schätzen. Zum Schwimmen zu kühl, zum Erfrischen aber okay. Wie unsere Reise jetzt weiter gehen soll, wissen wir noch nicht wirklich. Eigentlich wollten wir ja 4 Nächte am Seljordsvatn bleiben, aber da die Trucker auch heute Nacht noch feiern und zudem auch die sanitären Einrichtungen nicht wirklich gut sind, werden wir zumindest diesen Campingplatz verlassen. Um auch die positiven Aspekte dieses Platzes zu erwähnen: der Kiesstrand ist wirklich sehr schön, der Preis ist mit 100 NOK pro Nacht auch recht günstig.
 
Gegen Mittag wird uns dann klar, wie es weitergehen soll. Wir werden Tuddal ansteuern, ein kleiner Ort, der an einer Provinzstraße liegt, die die E134 mit Rjukan bzw. die 37 verbindet. Dort ist im Veiatlas ein kleiner See mit Campingplatz eingezeichnet.
 
Gegen 14 
00 brechen wir dann auf. Zuerst zurück Richtung Seljord, dann die E134 Richtung Oslo, nach ca. 40 km bei Sauland Richtung Rjukan. Bis wir dann den richtigen Campingplatz gefunden haben, steuern wir 2 falsche Plätze an, die vor Tuddal Sentrum liegen. Einer davon war ein reiner Wohnwagen-Stellplatz mit fixen Plätzen, der zweite lag sehr abgelegen.

Der Platz, den wir aber gesucht haben, ist Bøen Camping - ein weitläufiger Platz mit Stellplätzen unter Birken oder auf der freien Wiese. Es werden auch Hütten vermietet. An den Campingplatz schließt der Bjårvatn an, in dem vom Ufer aus auch kostenlos geangelt werden darf. Die sanitären Einrichtungen sowie generell der gesamte Platz machen einen absolut gepflegten Eindruck. Wichtig für die Kinder - es gibt auch zwei relativ große Spielplätze.
 Die Nacht hat es durchgeregnet, am Morgen kommt aber wieder die Sonne durch, was wir dazu nutzen, um nach Rjukan - vorbei am Gaustatoppen - aufzubrechen. Von Tuddal sind es 23 km bis Rjukan. Der Fv. 651 führt auf dieser Strecke von 470 m Seehöhe zuerst auf 1260 m hinauf und dann ins 200 m hoch gelegene Dale hinunter. Bei Stavsro (ca. 13 km nach Tuddal) ist ein größerer Parkplatz. Von hier aus hat man einerseits einen guten Ausblick auf das 1461 m hohe Heddersfjell, andererseits ist das ein guter Ausgangspunkt für eine Wanderung auf den Gaustatoppen (laut Touristinfo von hier ca. 2 Stunden Fußweg). Warme Kleidung ist obligat, selbst jetzt im August bläst hier ein sehr frischer Wind - von der relativ niedrigen Seehöhe darf man sich hier nicht beirren lassen. Kurze Zeit später taucht dann auf der linken Seite der Gipfel des Gaustatoppen (1883 m) auf, der aber in Wolken gehüllt ist. Als ich dann während unserer weiteren Abfahrt auf der rechten Seite ein rot schimmerndes Feld entdecke, ist der nächste Halt vorprogrammiert - Moltebeeren!
 Das Pflücken vom Moltebeeren ist eine sehr feuchte Angelegenheit, da diese nur in sumpfigen Gebieten wachsen. Wer Gummistiefel dabei hat, für den lohnt es sich, diese für ein solches Vorhaben auszupacken

Es führt dann eine Stichstraße zum Kvitåvatn, die wir auch nehmen. Am Parkplatz des Skistadions gegenüber dem Berghotel Gaustablikken stellen wir unser WoMo ab und marschieren eine Schotterstraße neben der Skipiste hoch. Die Wunden, die man hier der Natur zugunsten des Skigebietes zugefügt hat, sind schon tief und jetzt im Sommer keineswegs ein Augenschmaus. Der Weg nach oben ist aber äusserst lohnenswert, der Blick auf Rjukan und vor allem den Kvitåvatn ist phantastisch.

Der Gipfel des Gaustatoppen ist aber nur ganz selten zu sehen, da die Wolken den Blick auf ihn kaum einmal freigeben. Wir brauchen wegen der Kinder wieder einmal überdurchschnitlich lang, fast 2 Stunden sind es hin und zurück. Aber wir sind ja zur Erholung hier, und nicht um zu hetzen. Es gibt hier für sie einfach zu viel zu sehen, was sie fasziniert, wie Wollgras und Moltebeeren.

Die Straße weiter hinunter nach Rjukan ist extrem holprig, dementsprechend vorsichtig sollte man deshalb auch fahren. Rjukan ist durch eine Ansiedelung des Betriebes "Norsk Hydro" aus der Taufe gehoben worden. Der Ort entstand Anfang des Jahrhunderts und ist dann innerhalb weniger Jahre entstanden. Der Betrieb sorgte für die gesamte, notwendige Infrastruktur und baute Wohnungen, Geschäfte, Krankenhaus etc.. 1928 wurde dann die Krossobahn erbaut - eine Seilbahn, die auf eine Höhe von 886 m führt und die Einwohner auch im Winter die Sonne sehen lässt. Auch diese Seilbahn wurde von Norsk Hydro gebaut und war ein Geschenk an die Arbeiter.
 
Wir gehen unserer aller Lieblingsbeschäftigung nach und suchen die Touristinfo auf, um nach Broschüren zu sehen. Auch die Kinder sind wieder mit Begeisterung dabei.
 
Während der Rückfahrt zu unserem Campingplatz genießen wir vor allem die absolut herrliche Aussicht während der Abfahrt nach Tuddal. Es herscht eine ausgezeichnete Fernsicht und so werden natürlich wieder zahlreiche Fotos geschossen.
Am Abend werfen wir ein letztes Mal den Griller an - es ist schon unsere vorletzte Nacht in Norwegen, wenn man die Fährüberfahrt nicht mitrechnet.
 

Den letzten Tag gehen wir absolut gemütlich an und es steht heute nichts auf dem Programm, ausser faulenzen. Wir verbringen einen Großteil des Tages am Fluss, der direkt am Campingplatz in den Bjårvatn fließt. Die Kinder halten etwas die Angel ins Wasser, wie genießen die Sonne, sofern sie scheint, denn es ziehen immer wieder auch ein paar Wolken durch.
 
Warum der Campingplatz dermaßen sauber und gepflegt ist, wird einem sehr schnell klar, wenn man Turid, die Platzbesitzerin, etwas beobachtet. Sie flitzt ständig über den Platz und hält sämtliche Räumlichkeiten peinlich sauber. Zudem punktet der Platz durch kleine Dinge, die man ansonsten nur recht selten auf einem Campingplatz findet. So gibt es in der Küche mit 2 kleinen Tischen und den üblichen Abwaschgelegenheiten auch eine Mikrowelle, Mixer, Kaffeemaschine, Wafferlmaschine etc. alles kostenlos. Will man warm duschen, muss man aber auch hier - wie auf den meisten Campingplätzen Norwegens - für 5 Minuten Warmwasser 10 NOK berappen.
 
Beim Bezahlen des Platzes kommt dann die nächste positive Überraschung, der Platz kostet nur 95 NOK pro Nacht. Ich persönlich hätte mich bei diesem Platz auch über 120 NOK nicht beschwert. Einziges Manko: Kreditkarten werden nicht akzeptiert.
 
Tuddal ist ein recht kleiner Ort, bietet aber die notwendige Infrastruktur, wie ein Kaufhaus, einen Kiosk, eine Tankstelle und auch Telefonzellen. In den beiden Telefonzellen kann man allerdings nur mit einer Telefonwertkarte telefonieren, die man aber im Geschäft bekommen kann. Es gibt sie zu 40/90/140 NOK, eine Karte zu 40 NOK beinhaltet 23 Tarifeinheiten

Gegen Abend spazieren wir entlang des Bjårvatn, um ein paar Himbeeren zu pflücken. In weiser Voraussicht haben wir unsere Regenkleidung mitgenommen, die wir dann auch prompt einsetzen dürfen. Nach nicht einmal einer halben Stunde ist der Regen aber wieder um und es kommt sogar die Sonne durch, welche uns mit schönen Stimmungsbildern belohnt.
 Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, nun geht dieser Urlaub langsam wirklich schon wieder seinem Ende zu. Morgen haben wir noch die Fahrt nach Oslo vor uns und am Abend geht es dann ab auf die Fähre.
Unser vorrangiges Ziel ist heute, möglichst rasch nach Oslo zu kommen, um eventuell noch etwas von der Stadt zu sehen. Wir haben (zu) gut geschlafen, wodurch wir uns dafür eine etwas ungünstige Ausgangslage verschaffen. So kommen wir erst um 9 
30 zum Fahren, obwohl wir schon gestern Abend unser WoMo fahrbereit bepackt haben.
 
Der Weg führt zuerst zurück nach Sauland und dann weiter auf der E134 Richtung Oslo. Von dieser Kreuzung weg sind es dann noch ca. 130 km

Bereits nach ein paar Kilometern Fahrt kommt man an der wohl bekanntesten Stabkirche Norwegens vorbei, nämlich der Stabkirche in Heddal. Da die Kirche derzeit gerade renoviert wird, verschwindet ein Teil davon unter einem Gerüst. Wer die Kirche von innen sehen will, muss dafür 30 NOK bezahlen.
Die Silbermine in Kongsberg dürfte (derzeit?) geschlossen sein, denn die Wegweiser dorthin sind abgedeckt.
 
In Drammen machen wir einen Zwischenstopp, aber nicht, um die Serpentinen hochzufahren (sehr empfehlenswert, siehe Tour 1999), sondern um einzukaufen. In drei Geschäften sind wir wieder umgekehrt, da dort keine Kreditkarten akzeptiert werden. Irgendwie interessant, dass man in kleineren Orten wie Eidfjord oder Rosendal überall mit Kreditkarten bezahlen kann, in einer größeren Stadt wie Drammen aber nicht. So sind wir dann gezwungen, den nächsten Bankomat aufzusuchen, um Geld zu beheben.

Wir kommen deshalb auch viel später als erwartet am Holmenkollen an (von der Autobahn Drammen kommend hält man sich an den Ring 3). Von unten sieht die im Sommer als Freibad umfunktionierte Sprunganlage gar nicht so beängstigend aus, aber wenn man nur ein paar Stufen des Auslaufes hinaufsteigt, lernt man die Leistung der Athleten sehr schnell wieder zu schätzen. Der Skisimulator sollte einem dieses Gefühl vor dem Absprung etwas näher bringen, was aber nur bedingt gelingt. Neben einem Sprung vom Holmenkollen ist man auch bei der Abfahrt von Kvitfjell dabei. Der Simulator ist nicht schlecht, wirklich fasziniert hat er aber nur Mike und auch Sandra. Kleine Kinder sollte man aber unbedingt auf den Schoß nehmen, denn etwas durchgeschüttelt wird man schon. Eigentlich wären Kinder zwischen 0 und 6 Jahren überhaupt nicht zugelassen. Preis: 45 NOK für Erwachsene, 30 NOK für Kinder für ca. 2 Minuten.
 
Aus Zeitmangel müssen wir dann schon Richtung Fähranleger der Color Line fahren, wo wir dann gegen 16 
00 ankommen. Check-in ist ab 16 30 für die um 19 30 ablegende Fähre. Obwohl der Check-in Schalter erst um 17 15 öffnet und das Beladen erst gegen 18 30 startet, legt die Fähre pünktlich um 19 30 ab.

Nachdem die Fähre dann mehr und mehr an Fahrt gewinnt und Oslo immer kleiner wird, verspüre ich so ein Kribbeln im Magen und ich kann jetzt schon sagen: "Norwegen - ich komme wieder!".  

Horst Gasser

http://norwegen-insiderinfo.com