Reisebericht Norwegen 2001
von Horst Gasser
HP: http://norwegen-insiderinfo.com
Abfahrt in Plainfeld um 4 30, erster
Zwischenstopp um 8 00 bei Nürnberg. Jene, die
Richtung Süden fahren, sind nicht zu beneiden - ein kilometerlanger Stau jagt
den anderen, teilweise bis zu 30 km.
Um 15 00 kommen wir bei Johannes in Siegen an, wo
wir heute übernachten werden. Von hier aus besuchen wir dann auch Frank, der
uns zum Grillen eingeladen hat.
Um 6 00 Abfahrt
in Siegen (Johannes ist extra für uns so bald aufgestanden, um sich zu
verabschieden, und das, obwohl er um 3 00 seinen
Sohn zum Bus gebracht hat) Richtung Hamburg, wo wir gegen 14 15
am Hafen ankommen. Wir spazieren 3 Stunden am Hafen entlang, dann fahren wir
weiter zu Peter nach Großhansdorf. Peter wohnt hier in einem kleinen Paradies -
einem sehr schönen Haus mit großem Garten, wo sich auch Sandra und Mike sofort
wohlfühlen. Gemeinsam mit Peter sowie Rainer und Regina, die Peter auch
eingeladen hat, verbringen wir einen sehr gemütlichen Abend.
Heute bleiben wir bis 7 30
liegen. Peter verwöhnt uns mit einem sehr guten Frühstück im Garten und so
bleiben wir - länger als geplant - bis 10 00
sitzen.
Wir beschließen dann, doch nicht in den Freizeitpark Tolk-Schau zu fahren,
sondern dafür die Fahrt nach Fredrikshavn umso gemütlicher und mit mehr Pausen
anzugehen. So kommem wir dann auch erst um 21 00
in Fredrikshavn an.
Ein Anstellen in der Schlange für die morgige Fähre nach Oslo ist erst ab
morgen, 7 00, möglich. Deshalb suchen wir den mit
239 DK pro Nacht wirklich sehr teuren Campingplatz Nordstrand auf.
Da wir uns aus Kostengründen für ein nur 5 m langes Wohnmobil
entschlossen haben, bleibt es uns nicht erspart, zum Schlafen die Sitzgarnitur
umzubauen. Das ist nicht wirklich viel Arbeit, aber auf Dauer kann so etwas
bestimmt ziemlich nerven, vor allem darum, weil es nach dem Umbau im WoMo sehr
eng wird.
Um 7 45 kommen
wir zum Hafen, wodurch wir in unserer Spur ganz vorne und dann am Car-Deck
direkt vor dem Tor zum Stehen kommen. Abfahrt ist um 10 30,
mit dem Beladen wurde jedoch schon um 8:45 begonnen.
Gegen 17 00
erreichen wir dann den Oslofjord, der die Freude auf Norwegen die letzten 2
Stunden der Fahrt kontinuierlich ansteigen lässt.
Um 19 15 verlassen wir die Fähre und fahren die
E18 Richtung Drammen. Bei Sandvika biegen wir in die E16 ein, der wir bis
Sundvollen folgen. Dort biegen wir an einer Tankstelle rechts ab und fahren die
mautpflichtige Straße (20 NOK für PKW, 30 NOK für LKW) zur Kongens
Utsikt hinauf. Von hier hat man einen herrlichen Ausblick über den Tyrifjord,
den wir auch in vollen Zügen genießen. Wir saugen die Landschaft förmlich in
uns auf, auch unsere Kinder sind hellauf begeistert. Da es mittlerweile schon 22 30
geworden ist, beschließen wir, hier auch die Nacht zu verbringen.
Tagwache 6:30, es empfängt uns ein kühler
aber sonniger Morgen. Weiter gehts auf der E16 bis Hønefoss, von dort weiter
auf der 7 über Noresund, entlang des Krøderen bis Flå.
In Flå besuchen wir den Vassfaret Bjørnepark. Da dieser erst um 11 00
öffnet, nutzen wir die 1 1/2 Stunden, die uns noch bleiben, für ein gemütliches
Frühstück.
Der Eintritt in den Park kostet 90 NOK für Erwachsene und 45 NOK für
Kinder - für eine Familie sind 230 NOK zu berappen. Auf den ersten Blick
recht viel für ein paar Bären und Elche. Das Gelände ist aber sehr schön
angelegt und so ist der Preis auf den zweiten Blick dann auf jeden Fall
gerechtfertigt.
Um 13 15 geht es dann weiter durchs Hallingdal
entlang der Hallingdalselva Richtung Gol, wo wor einen Zwischenhalt machen, um
uns die Stabkirche anzusehen. 60 NOK Eintritt pro Erwachsenen sind uns dann
aber doch zuviel.
Wer von der Kirche trotzdem ein Foto schießen will, der kann das auch von der
Straße Richtung Geilo aus tun, wo man an einer Schotterstraße halten kann.Eine
sehr schöne Kirche steht dann in Hol, diese kann man nicht verpassen, denn an
derselben Stelle befindet sich die Touristeninfo samt großem Parkplatz.
Bis Geilo sind es von hier noch 10 km. Geilo ist ein sehr bekannter
Wintersportort, jetzt im Sommer wirkt der Ort aber ausgesprochen ruhig. Die
Schneisen, die für die Schifahrer in den Hang geschlagen wurden, stören schon
ziemlich, aber das ist eben der Preis, den man für den Wintertourismus bezahlen
muss.
Etwa 10 km nach Geilo, in der Gegend um Ustaoset und den Ustevatn kommt ein
landschaftlich sehr schöner Abschnitt - Fotografen werden hier des Öfteren zum
Anhalten gezwungen. Das Wetter ist zwar nicht wirklich schön - teilweise regnet
es und es ist ziemlich frisch - aber von der Stimmung her einfach spitze. Es
herrscht gute Sicht, schwarze Wolken und Sonne wechseln sich ab.
Je mehr wir uns Eidfjord nähern, desto dichter werden die Wolken und umso häufiger
regnet es. Trotzdem versuchen wir unser Glück und fahren zum Fossli Hotel
oberhalb des Vøringsfossen. Kurz davor - genaugenommen beim Kassier für den
Parkplatz - müssen wir aber erkennen, dass es wegen des dichten Nebels sinnlos
wäre, jetzt hier zu bleiben. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Kassier kehren
wir um und kommen gegen 18 00 in Øvre Eidfjord
an. Wir kommen gerade noch rechtzeitig vor Ladenschluss zum Supermarkt in der Nähe
des Hardangervidda Naturcenters, um ein paar Kleinigkeiten und eine Zeitung
(wegen des Wetterberichtes) zu besorgen. Laut Wetterbericht soll es jetzt 2 Tage
durchregnen, erst am Samstag sollte es wieder besser werden.
Gleich danach suchen wie Sæbo Camping auf, wo wir die 2 folgenden Nächte
verbringen werden. Eine Nacht kostet hier 130 NOK für WoMo und 4 Personen.
Kreditkarten werden nicht akzeptiert, in der Telefonzelle am Campingplatz jedoch
schon. Nachdem es 2 Stunden durchgeregnet hat, lässt der Regen nach und es hört
schließlich dann auch ganz auf. Wir bauen unter der Markise des WoMos das Zelt
auf, was den Kindern viel Spaß macht.
Der Morgen begrüßt uns - völlig unerwartet - mit herrlichem
Sonnenschein. So fahren wir dann um 11 00
zum Fossli Hotel, von wo man den besten Ausblick auf den Vøringsfossen hat. Die
20 NOK Parkgebühr, die hier im Gegensatz zum Parkplatz etwas unterhalb zu
bezahlen sind, lohnen sich auf jeden Fall. Neben der neuen Straße nach Fossli,
welche durch ein paar Tunnel führt, wird die alte Straße weiter erhalten.
Diese dient einerseits als Radweg, andererseits verkehrt hier der Trolltoget,
ein kleiner Zug, welcher vor allem die kleinen Gäste faszinieren dürfte.
Wenn man am Vøringsfossen die Fotografen beobachtet, kann man sich
eigentlich nur noch wundern, denn sehr viele davon sind ganz offenbar dazu
bereit, für ein gutes Foto ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Sie nähern sich
zentimeterweise dem Abgrund oder lehnen sich an Bäume, die ganz an der Kante
stehen und bei denen man sich wundert, dass sie nicht schon alleine durch das
Eigengewicht in die Tiefe stürzen.
Wir nutzen das nach wie vor vorzügliche Wetter und fahren zum Hof
Kjeåsen, den man erreicht, indem man bei Eidfjord ins Simadalen abbiegt. Man fährt
am Kraftwerk vorbei (dort gibt es übrigens auch eine geführte Tour) und kommt
kurz darauf zu einem nicht zu verfehlenden Wegweiser, wo man den Hinweis findet,
dass es zu jeder vollen Stunde nach oben geht und zu jeder halben Stunde nach
unten. Die Straße ist nämlich relativ schmal und kann deshalb nur in einer
Richtung befahren werden. Es geht relativ steil mit Serpentinen los, die zweite
Hälfte bewältigt man durch einen unbeleuchteten Tunnel, der aber auch für
Busse und große WoMos hoch genug ist.
Ein paar Meter nach dem Tunnel ist dann ein Parkplatz, von wo man noch ca. 5
Minuten Fußweg bis zum Hof hat. Der Ausblick über den Fjord ist wunderschön,
und so beschließen wir, nicht gleich wieder nach unten zu hetzen, sondern eine
Stunde zu bleiben.
Nach erfolgreicher Abfahrt (im Tunnel kam uns doch tatsächlich ein
Bus entgegen!) fuhren wir weiter ins Tal hinein Richtung Skykkedalsfossen. Hier
gabelt sich bald die Straße, eine davon führt in eine Sackgasse zu einem
Parkplatz. Diese Straße ist aber schon recht schmal und für Gespanne nicht
geeignet. Wer also mit einem Wohnwagen unterwegs ist, sollte am besten direkt
den Parkplatz an der Gabelung nutzen. Über die Schotterstraße nach links könnte
man direkt bis zum Wasserfall fahren, wir entschieden uns aber für die
Sackgasse.
Der Weg zum Wasserfall führt immer entlang der Schotterstraße (vom hinteren
Parkplatz führt ein kurzer Weg wieder auf diese), man könnte also auch
problemlos mit einem Kinderwagen zum Skykkedalsfossen kommen.
Nach etwa 1/4 Stunde erreicht man eine Brücke, ab hier kann man rechts den
insgesamt 600 m hohen Wasserfall sehen. Nach einer weiteren 3/4 Stunde (mit
unseren zwei 3 und 5-jährigen Kindern) kommt man zu einem Steinfeld rechts
neben dem Weg, von wo man näher an den Wasserfall heran kann. Es ist zwar eine
kleine Kletterei (nichts für Kinder!), aber mit hat es Spaß gemacht.
Auf dem Weg zurück zu Sæbo Camping machen wir in Eidfjord
kurz halt, da hier der Supermarkt bis 19 00
offen hat (der in Øvre Eidfjord schließt bereits um 18 00).
Auch dieser Supermarkt akzeptiert wie der in Øvre Eidfjord Kreditkarten.
Das Grillen ist herrlich, auch um 21 00
hat es heute noch eine recht angenehme Temperatur, auch wenn die Sonne schon
recht früh hinter den Bergen verschwunden ist.
Ein Platznachbar hat einen großen Fisch aus dem Eidfjordsvatnet an Land
gezogen, er dürfte so an die 40 cm lang gewesen sein. Für mich als
Nicht-Angler ein Riesending von Fisch.
Noch etwas zu Sæbo Camping: die sanitären Einrichtungen wurden seit meinem
ersten Besuch 1992 nicht erneuert, einen dementsprechend niedrigen Standard
weisen sie deshalb auch auf. Es ist zwar das Meiste vorhanden, was man braucht
(Küche, Waschmaschine, Telefon etc.), aber das Alter ist der Einrichtung
einfach anzusehen.
In der Nacht hat es zu regnen begonnen und bis 9 00
hält der Regen auch an.
Eidfjord hätte noch sehr viel zu bieten, wie z.B. das Hardangervidda
Naturcenter, eine Besichtigung des Simadalen Kraftswerkes, Wanderungen wie z.B.
zum Valurfossen etc., aber unsere Reise führt uns heute weiter Richtung
Rosendal, wo wir ab heute für eine Woche eine Hütte gemietet haben.
Wir nehmen die Fähre Brimnes/Bruravik (67 NOK). Das ist nicht der kürzeste
Weg nach Rosendal, aber wir wollen Ulvik und den Steindalsfossen nicht versäumen.
An Ulvik bin ich bei meinen zwei letzten Norwegen-Reisen vorbeigefahren,
diesesmal will ich es nicht versäumen.
Ulvik ist ein netter, kleiner Ort und ist den Umweg auf jeden Fall wert. Man
sollte aber nicht nur daran vorbeifahren, sondern auch in den Ort hineinfahren.
Die Straße weiter nach Granvin ist recht
schmal und für Gespanne wohl nur sehr bedingt geeignet. Von hier aus hat man
einen schönen Ausblick zurück auf den Ulviksfjorden
bis er schließlich hinter den Bergen verschwindet
Am Espelandsvatnet legen wir eine längere Rast
ein. Wir spazieren etwas am See entlang, pflücken Heidelbeeren und die Kinder
kommen dann auch wieder einmal zu ihrer Lieblingsbeschäftigung - Steine schmeißen.
Die nächste Station ist der Steindalsfossen. Auch die Straße hinunter bis
Granvin und dann entlang des Hardangerfjords ist wieder relativ schmal, bei
Gegenverkehr muss man immer wieder einmal anhalten. Mit einem WoMo sollte man
von einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 40 km/h ausgehen - wir waren
noch viel langsamer, da wir immer wieder anhielten, um Fotos zu machen. Denn
trotz des jetzt wieder recht schlechten und diesigen Wetters ist der
Hardangerfjord sehr beeindruckend.
Den Steindalsfossen, ca. 2 km nach
Norheimsund, kann man nicht verfehlen, denn er liegt direkt an der Straße.
Besonders hoch ist er nicht, aber das Faszinierende ist, dass man hinter dem
Wasserfall durchgehen kann.
Die Fahrt weiter bis Gjermundshamn führt weiter über die 49, die stellenweise
einspurig wird und an deren Ende einige Tunnels sind, die nur eine Höhe von 3,5 m
angeben. Zur Fähre nach Løfallstrand (116 NOK) kommen wir gerade richtig.
Die Preise für Diesel liegen derzeit zwischen 8,39 NOK und 8,46 NOK -
das nur so nebenbei erwähnt.
Nach der 20 minütigen Fährüberfahrt haben wir nur noch 4 km bis Rosendal.
Unsere Hütte finden wir sofort, den Vermieter aber nicht. Wir landen dann am
Alsgardhof, von wo aus ein sehr hilfsbereiter Mann den Vermieter anruft, der
dann auch gleich zur Hütte kommt. Um 20 00
betreten wir dann die Hütte "Nerhus" und der sehr postive Eindruck,
den man von der WebSite
bekommt (wo man auch Details zur Ausstattung finden kann), wird mehr als bestätigt.
Die Hütte ist wirklich einmalig und wir sind so davon begeistert, dass uns das
schlechte Wetter, welches uns seit 15 00
begleitet, wirklich nichts ausmacht.
Laut Vermieter soll es auch die nächsten Tage unbeständig bleiben - lassen wir
uns einfach überraschen.
Nachdem es die gesamte Nacht durchgeregnet hat, beginnt es gegen Mittag langsam
etwas besser zu werden. Den Vormittag haben wir dazu genutzt, um alle
gesammelten Reiseprospekte zu sortieren und allerlei andere Dinge, die aber wohl
zu uninteressant sind, um sie hier breitzutreten.
Die Geräumigkeit der Hütte genießen wir ganz besonders, denn die Enge in
einem 5 m WoMo wäre - besonders mit 2 kleinen Kindern - an einem
regnerischen Vormittag wie heute, nicht wirklich angenehm.
Gegen 14 00 kommt dann die Sonne heraus und wir
spazieren in den Ort, um die Infrastruktur etwas zu erkunden. Rosendal bietet
das meiste, was man so braucht, wie Post, Bank mit Bankomat/Minibank, Cafe,
Supermarkt, Touristinfo usw.. Auch der Supermarkt im Ortszentrum bietet die Möglichkeit
der Bezahlung mit Kreditkarte
Danach zurren wir die Räder vom WoMo los und
fahren zur Baroniet Rosendal. Die Baroniet ist das kleinste Schloss
Skandinaviens und deshalb auch eines der bekanntesten Schlösser Norwegens. Es
wurde 1665 von Ludwig Rosenkrantz errichtet.
Kurz nach der Baroniet lassen wir die Räder stehen, da es für Mike einfach zu
steil wird. Wir gehen zu Fuß in Richtung des Hattebergfossen, an einer Straßengabelung
gehen wir links weiter. Von hier haben wir dann einen schönen Ausblick zurück
auf den Hardangerfjord
sowie auf die Insel Snilstveitøy. Am Wegesrand sind auch hier wieder
Heidelbeeren, Himbeeren sowie Brombeeren zu finden. Die Schotterstraße endet an
einem Haus, wo wir dann auch umkehren und den Heimweg antreten.
In der Hütte angekommen werfen wir den Grill an und genießen die Sonne, die
sich im Kampf gegen die Wolken sehr hartnäckig zeigt.
Ein wunderschöner Morgen treibt uns heute schon um 6 20
aus den Betten.
Hier fährt man dann eine schmale Straße
entlang, die sehr bald zu einem Schotterweg wird, der dann in einem Parkplatz mündet.
Von hier aus kann man dann durch das wirklich einmalige Bondhusdalen zum
Bondhusvatn bzw. Bondhusbreen wandern. Der Weg ist bis zum See absolut
familienfreundlich, man könnte hier sogar problemlos mit einem Kinderwagen
hinkommen. Nahezu den gesamten Weg entlang wird man vom Fluss Bondhuselva
begleitet, der sich seinen Weg durch moosbewachsene Steine und Felsen bahnt.
Rechts entlang des Sees führt dann ein etwas steiniger Weg, dem wir bis zu
einem Wasserfall folgen. Dort legen wir dann eine längere Rast ein und genießen
den Ausblick zum Gletscher und auf den See, bevor wir wieder den Rückweg
antreten. Die letzten paar Meter müssen wir dann unsere Kinderchen auf die
Schultern nehmen - sie wollen einfach nicht mehr.
Das Bondhusdalen ist auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn man eine gemütliche
Wanderung zu einer Gletscherzunge samt idyllischem Gletschersee machen will. Wer
es gerne etwas anstrengender mag, der kann anstatt zum See zur Fonnabu-Hütte
gehen - das sieht zumindest auf der Wanderkarte anstrengender aus (dort waren
wir aber nicht).
Da unsere Kinder heute wohl absolut keine Lust mehr auf eine weitere Wanderung
haben dürften, fahren wir zurück zur Hütte, um den restlichen Tag mit
Faulenzen und Grillen zu verbringen.
Das Grillen wird dann kurzfristig unters Vordach der Hütte verlegt, da ein
kurzer Regenschauer niedergeht. Bald danach reißt es aber wieder auf. Laut
Wetterbericht im Fernsehen dürfte es auch die nächsten Tage weiterhin
wechselhaft bleiben.
Für den, der es nicht weiß - die meisten Dokumentationen und Filme werden in
englischer Originalfassung mit norwegischen Untertiteln ausgestrahlt, da es sich
für die Filmindustrie kaum lohnt, für die wenigen Seher eine eigene
Synchronisation zu machen. Interessanterweise scheint das aber bei
Zeichentrickfilmen anders zu sein, hier werden sehr viele in norwegischer
Sprache gezeigt.
Es hat wieder die gesamte Nacht durchgeregnet, aber auch heute
klart es nach und nach wieder auf. Wie gehen zur Touristinfo von Rosendal, die
ab 10 00 geöffnet hat. Unser Hauptinteresse lag darin, die möglichen Wege
nach Bergen herauszufinden.
Prinzipiell bieten sich drei Möglichkeiten an:
mit dem Auto bis Bergen, indem wir die Fähre Løfallstrand / Gjermundshamn
nehmen und dann der 48 folgen (relativ enge Straße zwischen Eikelandsosen und
Tysse) bzw. die 552 nehmen und mit der Fähre von Venjaneset nach Hattvik übersetzen.
Die zweite mögliche Route ist eine Kombination aus Boot/Bus ab Herøysund. Von
dort geht es mit dem Boot nach Os, von Os geht dann ein Bus nach Bergen (dieser
wartet auf das Boot). Die Kosten für einen Erwachsenen belaufen sich auf 160 NOK.
Dauer: 55 min Boot, 50 min Bus.
Die dritte und gleichzeitig vermutlich schönste, aber auch teuerste Variante führt
von Sunde direkt mit dem Boot in den Hafen von Bergen. Preis für einen
Erwachsenen 260 NOK, Dauer der Fahrt ca. 2 1/2 Stunden. Es gibt hier einige
Rabatte, so zahlt bei einem Paar der zweite nur die Hälfte, Kinder ab 4 zahlen
ebenfalls nur die Hälfte, Kinder unter 4 sind frei. Auch eine Familienkarte
wird angeboten, was sich aber mit einem zahlenden Kind nicht rechnet.
Welche der 3 Varianten wir wählen, werden wir morgen kurzfristig entscheiden.
Bei Schönwetter ist die letzte Variante der Favorit, bei Schlechtwetter wäre
wohl die reine Autovariante zu bevorzugen.
Das Wetter wird ab Mittag wieder schlecht, den Kindern ist das aber
einerlei und spielen vor der Hütte im Regen. Um 15 00 starten wir im
Regen zur nur 300 m entfernten Baroniet Rosendal. Ins Schloss hinein gehen
wir allerdings nicht, da wir annehmen, dass es den Preis von 170 NOK für
unsere Familie kaum wert sein kann. Stattdessen spazieren wir im Garten herum
und freuen uns, dass langsam wieder die Sonne durchkommt.
Abends wird natürlich wieder gegrillt, dieses mal gibt es Seifilet, welches wir
am Morgen um 59 NOK pro kg im Supermarkt erstanden haben. Beim Essen des
Fisches bereuen wir nun doch etwas, dass wir vor dem Urlaub nicht das Angeln
gelernt haben - der Fisch schmeckt einfach herrlich.
Nach dem Essen fahre ich mit dem Rad die Straße
in Richtung des Hattebergfossen ab, die leider kurz vor dem Wasserfall zu einem
reinen Fußweg "verkommt" und mich zum Umkehren zwingt. Das Tal selbst
kann mit dem Bondhusdalen keineswegs mithalten, es ist um vieles lieblicher und
der Fluß auch um einiges zahmer als die Bondhuselva.
Christine joggt dann noch zum Myrdalsvatn, der es ihr sehr angetan hat. Dieser
wird deshalb eines unserer nächsten Ziele werden.
Wir stehen schon um 6 15 auf, das
Wetter ist perfekt für eine Fahrt nach Bergen. Entgegen unseres gestrigen
Planes, bei schönem Wetter die Fähre Sunde/Bergen zu nehmen, ziehen wir nun
doch die Variante mit dem eigenen WoMo vor. Man ist so einfach flexibler, was
die Rückkehr anbelangt. Und gerade mit Kindern ist das ein sehr gewichtiger
Faktor.
Um 7 30 stehen wir am Fähranlager Løfallstrand, von wo um 7 50 die Fähre
nach Gjermundshamn geht. Dauer der Fahrt 40 min, da die Fähre um diese
Zeit über Varaldsøy fährt. Weiter über die 48 bis Mundheim und Eikelandsosen
Kurz vor Eikelandsosen bleiben wir an einem kleinen See stehen, um
wieder einmal den Fotoapparat zu aktivieren. Als wir dann losfahren wollen,
bleibt ein Polizist neben uns stehen. Mich packte sogleich das schlechte
Gewissen, weil ich mit dem WoMo so halb/halb auf der Straße gestanden bin und
bangte um unzählige NOK aus der Urlaubskasse. Er fragte uns aber nur ganz höflich,
ob wir Hilfe bräuchten...
Die Strecke entlang des Eikelandsfjorden ist sehr schön und wir
bleiben des öfteren stehen, um die Landschaft zu genießen und Fotos zu machen.
Für die 44 km von Gjermundshamn bis zur Fähre von Venjaneset nach Hattvik
benötigen wir in Summe 1 1/4 Stunden. Die Fährfahrt dauert 13 min, Kosten
63 NOK.
Weiter geht es dann über dei 552 bis Osøyro, dann über die E39 bis Bergen.
Bei der Einfahrt nach Bergen werden 10 NOK Stadtmaut kassiert. Diese Maut
gilt für jeweils 1x in die Stadt fahren. Wer sich - wie wir - bei der Einfahrt
in die Stadt in der Abfahrt irrt, der fährt durch den Fløyfjellstunnelen an
der Stadt vorbei und zahlt gleich noch einmal bei der Wiedereinfahrt. Wer also
nicht auch doppelt zahlen will, der sollte sich gleich Richtung Sentrum
einordnen. Hier kommt man dann zu einem Parkhaus, welches aber für WoMos nicht
geeignet ist, da es eine Höhenbeschränkung auf 1,9 m gibt. WoMo-Fahrer müssen
sich rechts halten und zum Busparkplatz bzw. Richtung Entsorgungsstation fahren.
Dort parkt man für 12 NOK die Stunde, maximal jedoch 60 NOK und bis
zu 24 Stunden.
Nach ca. 5 min Fußmarsch ins Zentrum gelangt man direkt zum
Fischmarkt, der Montag bis Samstag jeweils bis 15 00 abgehalten wird. Die Touristinfo liegt
schräg gegenüber, wer eine mündliche Auskunft haben will, muss zuerst eine
Nummer ziehen und warten, bis er aufgerufen wird. Da wir aber ohnehin nur einen
Nachmittag in Bergen bleiben und ich schon vor 2 Jahren hier war, ist für uns
das Programm aber klar. Fischmarkt (wo wir uns ein Lachsfilet zu 79 NOK/kg
kaufen), Bryggen und die Fløyenbahn, welche sich nur in 150 m Entfernung
vom Fischmarkt befindet und in der Hauptsaison bis 24 00 fährt.
Erwachsene zahlen für die 6 min lange Fahrt 50 NOK, Kinder die Hälfte.
Die Aussicht
von oben ist sehr schön, kann aber mit jener, die man vom Ulriken genießen
kann, nicht ganz mithalten. Dafür gibt es hier neben einem Restaurant und einem
Kiosk auch einen Kinderspielplatz, der von unseren Kindern selbstverständlich
sofort gestürmt wird.
Kurz vor 17 00 treten wir dann die Rückreise nach
Rosendal an, wo wir gegen 20 00 ankommen.
Wir heizen wie üblich den Griller an und genießen den auf dem Fischmarkt
erstandenen Lachs
Klare Fernsicht und ein nahezu wolkenloser Himmel erwartet uns
heute. Der Malmangernuten, unser "Hausberg", sieht mit seinen 889 m
in der Morgensonne noch imposanter aus. Durch die in Norwegen relativ niedrige
Baumgrenze sehen die Berge ohnehin um einiges höher aus, als in Mitteleuropa.
Unsere Geduld, was langsames Wandern anbelangt, wird heute durch unsere Kinder
auf eine harte Probe gestellt. Bei der Wanderung zum Myrdalsvatn (2 km bis
zu einem Parkplatz fahren wir) legen sie den kleinsten Gang ein und bleiben bei
jedem Heidelbeer- und Himbeerstrauch stehen. So brauchen wir für den Hin- und Rückweg
insgesamt 5 Stunden. Aufgrund des immer schlechter werdenden Wetters, sind wir
auch von der Landschaft nicht so angetan, als es Christine gestern Abend beim
Laufen war. Doch auch bei Schönwetter könnte dieser Weg keinesfalls mit dem
durch das Bondhusdalen mithalten. Was hier fehlt, ist der Fluss neben dem
Wanderweg und auch der See ist bei weitem nicht so eindrucksvoll. Am schönsten
waren noch die ersten paar Meter des Weges, solange man den Blick auf den
Hardangerfjord und Rosendal genießen konnte. Kinderfreundlich ist aber auch
dieser Weg, denn bis zum See führt eine Schotterstraße, die man auch mit dem
Kinderwagen hochfahren könnte.
Als wir dann wieder ins Auto steigen, sehen wir auch schon die ersten
Regentropfen auf der Windschutzscheibe - Glück gehabt!
Selbstverständlich lassen wir es uns aber auch heute wieder nicht nehmen, unter
dem Vordach den Griller anzuheizen.
Später lösen sich die Wolken dann wieder mehr
und mehr auf, was wir dazu nutzen, ein paar Stimmungsbilder von Rosendal und
Umgebung zu machen, während unsere Kinder am Fjord mit voller Begeisterung
Muscheln sammeln.
Wieder schönes Wetter. Mike will auf keinen
Fall wandern, so entschließen wir uns dazu, heute eine gemütliche Tour mit dem
WoMo zu machen. Gemütlich heißt, nicht zu weit zu fahren und viele, längere
Pausen einzulegen. Da der Treibstoff langsam zu Neige geht, frage ich
sicherheitshalber in der Touristinfo nach, wo die nächste Tankstelle zu finden
ist. 4 km südlich von Rosendal und 30 km nördlich in Sunndal.
Sunndal passt perfekt für uns, da wir den Maurangsfjorden bis zum Ende der Straße
fahren wollen
Ab Gjerde wird die Straße dann schon recht eng und es geht auch
durch einen recht abenteuerlichen Tunnel. In Flatebø machen wir den ersten längeren
Halt. Die Kinder werfen wieder mit Begeisterung Steine ins Wasser und sind dann
kaum noch vom Wasser wegzubekommen. Wir genießen den herrlichen Ausblick über
den Maurangsfjorden und den Folgefonn im Hintergrund.
Etwas später fahren wir bis Eikenes weiter, bis wir an einem Sackgasse-Schild
ankommen. Da die Straße von hier relativ eng und steil wird und auch nicht
asphaltiert ist, lassen wir das WoMo stehen und gehen zu Fuß weiter. Nach einer
Stunde machen unsere Kinder einfach nicht mehr mit und wir kehren nach einer
kurzen Rast wieder um. Bis dahin hatte der Weg nichts Aussergewöhnliches zu
bieten, über das, was noch gekommen wäre, könnte ich jetzt nur spekulieren.
Allerdings ist uns auch ein "T" untergekommen - die Markierung für
Wanderwege. Es könnte also gut sein, dass es hier den ein oder anderen Weg auf
die umliegenden Berge gibt.
Auf dem Rückweg machen wir wieder Halt beim
Strand in Flatebø, wo unsere Kinder wieder eine ganze Stunde ihrer
Lieblingsbeschäftigung nachgehen
Gegen 17 00 kommen wir wieder in unserer Hütte an.
Es ist bereits unsere letzte Nacht und so beginnen wir, die Hütte aufzuräumen
bzw. das WoMo wieder einzuräumen. Bevor ich die Räder wieder festzurre, drehe
ich noch eine kleine Runde mit dem Rad und fahre zum Hattebergfossen. Es ist ein
angenehmer Weg, allerdings muss man das Rad neben dem Wasserfall tragen, da der
Weg hier zu steil wird. Eine kurze Wanderung, die sicher auch mit Kindern gut
durchzuführen ist, wobei dieser Weg aber nicht Kinderwagen-tauglich ist.
Nach meiner Rückkehr wird ein letztes Mal der Grill angeheizt, bevor wir mit
der Endreinigung der Hütte beginnen.
Resüme: so eine Hütte ist auf jeden Fall eine super Sache! Den Kindern gefällt
es, wenn man eine Weile am gleichen Ort bleibt, man hat sein eigenes Bad und gemütliche
Betten, einen absolut wetterunahängigen Unterschlupf - also einfach Komfort pur
im Vergleich zum Wohnmobil. Besonders dann, wenn das Wetter - wie in unserem
Fall - recht wechselhaft und regenerisch ist.
Abschied von unseren Vermietern. Wir verlassen Rosendal so, wie wir
es bei unserer Anreise vorgefunden haben - wolkenverhangen und verregnt. Über
die 48, dann 550 fahren wir in Richtung Sunndal und dann durch den 11150 m
langen Folgefonntunnel (Maut 55 NOK) nach Odda. Am Ende des Tunnels
erwartet uns erfreulicherweise schönes Wetter, welches zu einem kleinen
Zwischenstopp in der angeblich "hässlichsten Stadt Norwegens" - nämlich
Odda - einlädt. Dass die Industrie hier eine große Rolle spielt, ist nicht zu
übersehen. Trotzdem ist Odda nicht so hässlich, wie es gerne beschrieben wird.
Allerdings würde ich hier auch nicht gerade gerne meinen Urlaub verbringen
wollen.
Kurz nach Odda kommen wir am wohl bekanntesten
Wasserfall Norwegens vorbei, dem Låtefossen. Wie immer herrscht hier reger
Betrieb. Dann weiter auf der E134 Richtung Røldal. Statt durch den Røldalstunnelen
wählen wir die Route über der alten Haukelivegen, der kurz vor dem Tunnel
links abzweigt
Der alte Haukelivegen war die erste Bergstrasse zwischen Ost- und
Westnorwegen. Der Bau der Straße begann 1857 und wurde 1889 vollendet. Anfangs
war die Straße nur 12 bis 14 Wochen für Pferdegespanne geöffnet, später dann
16 bis 20 Wochen für KFZ. 1960 wurde dann die neue Straße durch den Tunnel
gebaut und im Winter 67/68 blieb sie zum ersten Mal ganzjährig geöffnet. Aber
Achtung: der alte Haukelivegen ist für (größere) WoMos nicht geeignet, da die
Straße streckenweise sehr eng wird und zudem ein Fahrverbot für Fahrzeuge mit
einer Breite über 2.0 m herrscht. Der Umweg übers Rølalsfjell lohnt sich
aber auf jeden Fall, die Landschaft ist einmalig.
Den nächsten Zwischenstopp legen wir dann in Røldal bei der Stabkirche ein,
auch hier sind 20 NOK zu bezahlen, wenn man reinwill. Fotografieren ist in
der Kirche generell untersagt. Røldal ist recht schön, die Temperaturen ab
recht niedrig, da der Ort ringsum von Bergen umgeben ist und somit selbst im
Sommer recht wenig Sonne abbekommt.
Kurz nach Røldal biegen wir dann nach links ins Valldalen ab und
fahren bis zum Beginn des Stausees, wo wir eine kleine Essenspause einlegen. Es
weht ein fast schon eisiger Wind, über uns dichte Wolken, im Hintergrund bricht
aber immer wieder auch die Sonne durch.
Wir bleiben der E134 nicht lange treu, denn wir umfahren auch den
Haukelitunnelen über die Aussichtsstraße, die mit Dyrskar ausgeschildert ist.
Dieser Umweg ist auch mit großen WoMos problemlos zu bewältigen, bietet dafür
aber bei weitem nicht die Aussicht, als es der Gamle Haukelivegen tat.
Kurz nachdem man auf die E134 zurückkehrt, erreicht man die Grenze
der Fylke Hordaland zur Telemark. Hier befindet sich auch ein großer Parkplatz,
von dem aus man die Landschaft hervorragend genießen kann. Der Ståvatn und die
umliegenden Berge bieten einmalige Motive und verleiten wohl jeden Fotografen
zum mehrmaligen betätigen des Auslösers. Während wir also die Kameras zücken,
vergnügen sich unsere Kinder beim Bauen von Steinmanderln.
Auch den folgenden Tunnel am Kjelavatn
umfahren wir wieder, eine Schotterstraße führt kurz vor dem Tunnel rechts weg.
Hier gilt eine Beschränkung auf 3 Tonnen, der Weg ist stellenweise auch wieder
recht schmal. Mit unserem kleinen 5 m WoMo haben wir absolut keine
Probleme, größere WoMos dürften aber hier schon Probleme bekommen. Wir halten
auch diesen kleinen Umweg für lohnenswert, denn der Ausblick über den
Kjelavatn ist fast schon als genial einzustufen.
Bedingt durch die vielen Zwischenstopps kommen
wir erst gegen 20 00 bei Åmot vorbei und so nehmen wir den direkten Weg nach Seljord.
Wer genung Zeit hat, sollte unbedingt den Umweg über Dalen machen (ca. 20 km).
Dalen habe ich während der 99er Reise genossen - die Serpentinen ins Tal bzw.
der Blick von oben auf Dalen und den Bandakvatn ist ausgezeichnet.
Gegen 20 45 erreichen wir dann Sandnes Camping, etwa in der Hälfte nordöstlich
des Sees. Am Eingang warnt man uns, dass es hier die beiden nächsten Nächte
wegen eines Truckertreffens bis 2 00/3 00 in der Früh etwas lauter sein könnte.
Wir bleiben aber trotzdem, da der Platz optisch einen sehr guten Eindruck macht
und auch die Kinder gerne hier bleiben würden.
Mike und Sandra übernachteten dann zum ersten Mal im Zelt, was sie sehr
begeisterte. Die Beiden haben dann auch sehr gut geschlafen, wir beiden
Erwachsenen dafür fast überhaupt nicht. Zum einen waren die Trucker schuld,
die bis 3 00 Musik spielten, zum anderen war es der Wind, der recht kräftig
blies. Zudem liegt der Campingplatz direkt an der Straße, die zwar nicht stark
befahren ist, aber gerade bei schlechtem Schlaf stört jedes einzelne Auto.
Nachdem wir gestern übers Haukelifjell unsere wärmere Kleidung
auspacken mussten, sind heute die kurzen Hosen dran. Der Sonne versteht es zum
ersten Mal in diesem Urlaub, uns so richtig "einzuheizen". Wir stellen
den Campingtisch an den See und genießen jeden einzelnen Sonnenstrahl. Der See
ist recht kühl, ich würde ihn auf ca. 16 Grad schätzen. Zum Schwimmen zu kühl,
zum Erfrischen aber okay. Wie unsere Reise jetzt weiter gehen soll, wissen wir
noch nicht wirklich. Eigentlich wollten wir ja 4 Nächte am Seljordsvatn
bleiben, aber da die Trucker auch heute Nacht noch feiern und zudem auch die
sanitären Einrichtungen nicht wirklich gut sind, werden wir zumindest diesen
Campingplatz verlassen. Um auch die positiven Aspekte dieses Platzes zu erwähnen:
der Kiesstrand ist wirklich sehr schön, der Preis ist mit 100 NOK pro
Nacht auch recht günstig.
Gegen Mittag wird uns dann klar, wie es weitergehen soll. Wir werden Tuddal
ansteuern, ein kleiner Ort, der an einer Provinzstraße liegt, die die E134 mit
Rjukan bzw. die 37 verbindet. Dort ist im Veiatlas ein kleiner See mit
Campingplatz eingezeichnet.
Gegen 14 00 brechen wir dann auf. Zuerst zurück Richtung Seljord, dann die
E134 Richtung Oslo, nach ca. 40 km bei Sauland Richtung Rjukan. Bis wir
dann den richtigen Campingplatz gefunden haben, steuern wir 2 falsche Plätze
an, die vor Tuddal Sentrum liegen. Einer davon war ein reiner
Wohnwagen-Stellplatz mit fixen Plätzen, der zweite lag sehr abgelegen.
Der Platz, den wir aber gesucht haben, ist Bøen Camping - ein
weitläufiger Platz mit Stellplätzen unter Birken oder auf der freien Wiese. Es
werden auch Hütten vermietet. An den Campingplatz schließt der Bjårvatn an,
in dem vom Ufer aus auch kostenlos geangelt werden darf. Die sanitären
Einrichtungen sowie generell der gesamte Platz machen einen absolut gepflegten
Eindruck. Wichtig für die Kinder - es gibt auch zwei relativ große Spielplätze.
Die Nacht hat es durchgeregnet, am Morgen kommt aber wieder die Sonne
durch, was wir dazu nutzen, um nach Rjukan - vorbei am Gaustatoppen -
aufzubrechen. Von Tuddal sind es 23 km bis Rjukan. Der Fv. 651 führt auf
dieser Strecke von 470 m Seehöhe zuerst auf 1260 m hinauf und dann
ins 200 m hoch gelegene Dale hinunter. Bei Stavsro (ca. 13 km nach
Tuddal) ist ein größerer Parkplatz. Von hier aus hat man einerseits einen
guten Ausblick auf das 1461 m hohe Heddersfjell, andererseits ist das ein
guter Ausgangspunkt für eine Wanderung auf den Gaustatoppen (laut Touristinfo
von hier ca. 2 Stunden Fußweg). Warme Kleidung ist obligat, selbst jetzt im
August bläst hier ein sehr frischer Wind - von der relativ niedrigen Seehöhe
darf man sich hier nicht beirren lassen. Kurze Zeit später taucht dann auf der
linken Seite der Gipfel des Gaustatoppen (1883 m) auf, der aber in Wolken
gehüllt ist. Als ich dann während unserer weiteren Abfahrt auf der rechten
Seite ein rot schimmerndes Feld entdecke, ist der nächste Halt vorprogrammiert
- Moltebeeren!
Das Pflücken vom Moltebeeren ist eine sehr feuchte Angelegenheit, da
diese nur in sumpfigen Gebieten wachsen. Wer Gummistiefel dabei hat, für den
lohnt es sich, diese für ein solches Vorhaben auszupacken
Es führt dann eine Stichstraße zum Kvitåvatn, die wir auch
nehmen. Am Parkplatz des Skistadions gegenüber dem Berghotel Gaustablikken
stellen wir unser WoMo ab und marschieren eine Schotterstraße neben der
Skipiste hoch. Die Wunden, die man hier der Natur zugunsten des Skigebietes
zugefügt hat, sind schon tief und jetzt im Sommer keineswegs ein Augenschmaus.
Der Weg nach oben ist aber äusserst lohnenswert, der Blick auf Rjukan und vor
allem den Kvitåvatn ist phantastisch.
Der Gipfel des Gaustatoppen ist aber nur ganz selten zu sehen, da
die Wolken den Blick auf ihn kaum einmal freigeben. Wir brauchen wegen der
Kinder wieder einmal überdurchschnitlich lang, fast 2 Stunden sind es hin und
zurück. Aber wir sind ja zur Erholung hier, und nicht um zu hetzen. Es gibt
hier für sie einfach zu viel zu sehen, was sie fasziniert, wie Wollgras und
Moltebeeren.
Die Straße weiter hinunter nach Rjukan ist extrem holprig,
dementsprechend vorsichtig sollte man deshalb auch fahren. Rjukan ist durch eine
Ansiedelung des Betriebes "Norsk Hydro" aus der Taufe gehoben worden.
Der Ort entstand Anfang des Jahrhunderts und ist dann innerhalb weniger Jahre
entstanden. Der Betrieb sorgte für die gesamte, notwendige Infrastruktur und
baute Wohnungen, Geschäfte, Krankenhaus etc.. 1928 wurde dann die Krossobahn
erbaut - eine Seilbahn, die auf eine Höhe von 886 m führt und die
Einwohner auch im Winter die Sonne sehen lässt. Auch diese Seilbahn wurde von
Norsk Hydro gebaut und war ein Geschenk an die Arbeiter.
Wir gehen unserer aller Lieblingsbeschäftigung nach und suchen die Touristinfo
auf, um nach Broschüren zu sehen. Auch die Kinder sind wieder mit Begeisterung
dabei.
Während der Rückfahrt zu unserem Campingplatz genießen wir vor allem die
absolut herrliche Aussicht während der Abfahrt
nach Tuddal. Es herscht eine ausgezeichnete Fernsicht und so werden
natürlich wieder zahlreiche Fotos geschossen.
Am Abend werfen wir ein letztes Mal den Griller an - es ist schon unsere
vorletzte Nacht in Norwegen, wenn man die Fährüberfahrt nicht mitrechnet.
Den letzten Tag gehen wir absolut gemütlich an und es steht heute
nichts auf dem Programm, ausser faulenzen. Wir verbringen einen Großteil des
Tages am Fluss, der direkt am Campingplatz in den Bjårvatn fließt. Die Kinder
halten etwas die Angel ins Wasser, wie genießen die Sonne, sofern sie scheint,
denn es ziehen immer wieder auch ein paar Wolken durch.
Warum der Campingplatz dermaßen sauber und gepflegt ist, wird einem sehr
schnell klar, wenn man Turid, die Platzbesitzerin, etwas beobachtet. Sie flitzt
ständig über den Platz und hält sämtliche Räumlichkeiten peinlich sauber.
Zudem punktet der Platz durch kleine Dinge, die man ansonsten nur recht selten
auf einem Campingplatz findet. So gibt es in der Küche mit 2 kleinen Tischen
und den üblichen Abwaschgelegenheiten auch eine Mikrowelle, Mixer,
Kaffeemaschine, Wafferlmaschine etc. alles kostenlos. Will man warm duschen,
muss man aber auch hier - wie auf den meisten Campingplätzen Norwegens - für 5
Minuten Warmwasser 10 NOK berappen.
Beim Bezahlen des Platzes kommt dann die nächste positive Überraschung, der
Platz kostet nur 95 NOK pro Nacht. Ich persönlich hätte mich bei diesem
Platz auch über 120 NOK nicht beschwert. Einziges Manko: Kreditkarten
werden nicht akzeptiert.
Tuddal ist ein recht kleiner Ort, bietet aber die notwendige Infrastruktur, wie
ein Kaufhaus, einen Kiosk, eine Tankstelle und auch Telefonzellen. In den beiden
Telefonzellen kann man allerdings nur mit einer Telefonwertkarte telefonieren,
die man aber im Geschäft bekommen kann. Es gibt sie zu 40/90/140 NOK, eine
Karte zu 40 NOK beinhaltet 23 Tarifeinheiten
Gegen Abend spazieren wir entlang des Bjårvatn, um ein paar
Himbeeren zu pflücken. In weiser Voraussicht haben wir unsere Regenkleidung
mitgenommen, die wir dann auch prompt einsetzen dürfen. Nach nicht einmal einer
halben Stunde ist der Regen aber wieder um und es kommt sogar die Sonne durch,
welche uns mit schönen Stimmungsbildern belohnt.
Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, nun geht dieser Urlaub langsam
wirklich schon wieder seinem Ende zu. Morgen haben wir noch die Fahrt nach Oslo
vor uns und am Abend geht es dann ab auf die Fähre.
Unser vorrangiges Ziel ist heute, möglichst rasch nach Oslo zu kommen, um
eventuell noch etwas von der Stadt zu sehen. Wir haben (zu) gut geschlafen,
wodurch wir uns dafür eine etwas ungünstige Ausgangslage verschaffen. So
kommen wir erst um 9 30 zum Fahren, obwohl wir schon gestern Abend unser WoMo fahrbereit
bepackt haben.
Der Weg führt zuerst zurück nach Sauland und dann weiter auf der E134 Richtung
Oslo. Von dieser Kreuzung weg sind es dann noch ca. 130 km
Bereits nach ein paar Kilometern Fahrt kommt man an der wohl
bekanntesten Stabkirche Norwegens vorbei, nämlich der Stabkirche in Heddal. Da
die Kirche derzeit gerade renoviert wird, verschwindet ein Teil davon unter
einem Gerüst. Wer die Kirche von innen sehen will, muss dafür 30 NOK
bezahlen.
Die Silbermine in Kongsberg dürfte (derzeit?) geschlossen sein, denn die
Wegweiser dorthin sind abgedeckt.
In Drammen machen wir einen Zwischenstopp, aber nicht, um die Serpentinen
hochzufahren (sehr empfehlenswert, siehe Tour 1999), sondern um einzukaufen. In
drei Geschäften sind wir wieder umgekehrt, da dort keine Kreditkarten
akzeptiert werden. Irgendwie interessant, dass man in kleineren Orten wie
Eidfjord oder Rosendal überall mit Kreditkarten bezahlen kann, in einer größeren
Stadt wie Drammen aber nicht. So sind wir dann gezwungen, den nächsten Bankomat
aufzusuchen, um Geld zu beheben.
Wir kommen deshalb auch viel später als erwartet am Holmenkollen
an (von der Autobahn Drammen kommend hält man sich an den Ring 3). Von unten
sieht die im Sommer als Freibad umfunktionierte Sprunganlage gar nicht so beängstigend
aus, aber wenn man nur ein paar Stufen des Auslaufes hinaufsteigt, lernt man die
Leistung der Athleten sehr schnell wieder zu schätzen. Der Skisimulator sollte
einem dieses Gefühl vor dem Absprung etwas näher bringen, was aber nur bedingt
gelingt. Neben einem Sprung vom Holmenkollen ist man auch bei der Abfahrt von
Kvitfjell dabei. Der Simulator ist nicht schlecht, wirklich fasziniert hat er
aber nur Mike und auch Sandra. Kleine Kinder sollte man aber unbedingt auf den
Schoß nehmen, denn etwas durchgeschüttelt wird man schon. Eigentlich wären
Kinder zwischen 0 und 6 Jahren überhaupt nicht zugelassen. Preis: 45 NOK für
Erwachsene, 30 NOK für Kinder für ca. 2 Minuten.
Aus Zeitmangel müssen wir dann schon Richtung Fähranleger der Color Line
fahren, wo wir dann gegen 16 00 ankommen. Check-in ist ab 16 30 für die um 19 30 ablegende Fähre. Obwohl der Check-in Schalter erst um 17 15 öffnet und
das Beladen erst gegen 18 30 startet, legt die Fähre pünktlich um 19 30 ab.
Nachdem die Fähre dann mehr und mehr an Fahrt gewinnt und Oslo
immer kleiner wird, verspüre ich so ein Kribbeln im Magen und ich kann jetzt
schon sagen: "Norwegen - ich komme wieder!".
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