Fam. Pfeiffer
http://www.udoro.de
Fährinfos findet Ihr unter www.faehren.info
Wir sind dieses Jahr erstmals von Venedig mit der Fähre "Erotokritos" abgefahren, ein Entschluss der nicht zu
letzt aus meinen Erfahrungen mit den italienischen Tankwarten entlang der
Südroute resultierte. Zudem ist die Anbindung für uns Schwarzwälder via St.
Gotthard-Tunnel optima. Dies allerdings vor dem schweren Tunnel-Unglück.
Venedig ist nicht unbedingt eine Extra-Reise wert, so unser
Gesamteindruck. Die Stadt an sich ist sicherlich wunderschön, auch und gerade
wegen der Kultur, Musik und Kunst. Aber: in erster Linie ist sie dreckig.
Überall stinkt es, nicht nur nach Abgasen, sondern oftmals auch nach Urin. Wir
sind in der Nacht angekommen und haben mit glücklicher Fügung einen
Wohnmobilparkplatz im Hafengelände erwischt. Zumindest dachten wir, dies sei
ein Glück. Doch nach dieser Nacht habe ich an einem Bein bei 50 Stichen
aufgehört zu zählen. Stucka-Zone!!! Auch sonst: der
Platz ist Schweineteuer, mit 40 Mark für 8 Stunden. Und es stinkt und stinkt
und stinkt!
Nun gut, wir sind sonst sicher nicht
etepetete, aber eine Anhäufung wie in Venedig findet man auch nicht oft.
Versöhnt wurden wir spätestens mit einem Fenster-Platz auf dem Camping-Deck der
Fähre. Und der Start ist filmreif. Da bewegt sich der Riesenpott quer durch
Venedig, entlang von Dogen-Palästen und Gondel-Anlegestellen. Und wir lehnen
uns bequem im eigenen Womo zurück und genießen diese wunderbare Optik. Es ist
wie Fernsehgucken...
Während den beiden Zwischenstops der Fähre - es ist bereits dunkel
- renne ich schnell mit Frodo von Bord, damit der
arme Hund wieder festen Boden unter den Pfoten hat. Die Bedingungen auf einer
Fähre sind für Hunde wirklich unter aller Sau. Sicherlich auch ein kleiner
Vorgeschmack auf alles, was uns demnächst an Hunde-Unfreundlichkeit noch
erwarten sollte.
Morgens sind wir dann ganz nett aufgeschreckt, man merkt wohl
recht leicht, wenn eine Fähre die Motoren drosselt. Im Morgengrauen erreichten
wir den Hafen von Patras. Eigentlich nicht unbedingt
ein Blickfang, aber zum Urlaubsbeginn einfach schee.
In Patras haben wir noch für 10000 Drachmen getankt
und sind dann an der Nordküste weiter bis Eleanos.
Mit ena Psomi und dem ersten Bad im Meer ein gelungener
Urlaubsauftakt.200m weiter geht der Pope im Meer baden, ein Ameisenhaufen ist
direkt vor dem Frühstückstisch und ein streunender "Möter"
freundet sich mit Frodo an. So soll es sein.
Nach dem Frühstück ging es weiter bis Diakofto, dem Einstieg zur legendären und uralten
Zahnradbahn nach Kalavrita hoch. Nach schier
unglaublicher Geduld unsererseits (wer über deutsche Beamten jemals ein
schlechtes Wort verloren hat, sollte es einmal in Griechenland probieren!)
ergattern wir zwei Fahrkarten für den nächsten Tag. Meine Nachfrage nach Hund
bleibt unbeantwortet... . Doch als wir am nächsten Tage wieder mit der Bahn
nach unten wollen, werden wir derart rüde angepöbelt, dass sowohl Tim als auch Doro die Tränen bekämpfen müssen. Doro
allerdings eher vor Zorn. Trotz gültiger Tickets gilt Sippenhaft, denn auf mein
Angebot hin, ich würde ja laufen, dürfen Doro und Tim
noch lange nicht wieder einsteigen. Nach langer, hitziger Diskussion werden wir
in ein stinkendes Gepäckabteil gepfercht. Aus diesem flüchten wir an der
nächsten Station und nehmen lieber den rund 11 km langen Fußweg in Kauf. Ein
wunderbarer Entschluss, denn die Schlucht ist derart einmalig, man glaubt es
kaum.
Abends sind wir zurück ans Meer, trotz der schönen Wanderung
dezent angesäuert über die Art und Weise der Behandlung durch die griechischen
Schaffner. Zusammen mit einigen anderen stehen wir am Strand, als die Policia kommt und uns von dannen schickt. Genau der
richtige Abschluss eines solchen Tages... .
Wir überlegen kurz und fahren direkt die New National Road durch
bis nach Akrokorinth. Oben auf der alten Festung ist
eine Taverne und ausreichend Parkplätze. Einer der schönsten
Übernachtungsplätze die ich kenne, denn man schaut von oben herab auf den Kanal
von Korinth und den Isthmus. Bei einer Flasche Wein und einem Tratsch mit einem
älteren bayerischen Ehepaar, welches wir übrigens noch öfters treffen sollten,
genießen wir den Abend und die Aussicht.
Nach dem Frühstück besichtigen wir die
Festung. Das letzte Mal, als wir hier oben waren ist schon lange her. Auch Tim
kann sich nicht mehr an seinen Besuch erinnern. Direkt im Anschluss fahren wir
zum Kanal von Korinth, suchen uns eine Taverne, einen Schattenplatz und hoffen,
dass ein Schiff kommt. Und es wird wirklich wahr!!! Die Brücke muss nun
abgesenkt werden, damit die Boote passieren können. Wir eilen sofort hinüber
und sind begeistert.
Danach ging es die Ostküste entlang bis Palea Epidauros. Auf dem Camping
(von Velbinger empfohlen) von Nikolaos hängen wir im
wahrsten Sinne des Wortes unter Limonen- und Maulbeerbäumen. Hier bleiben wir
gleich drei Tag. Der Bäcker ist nicht weit, mit dem Hund lässt es sich laufen -
und das Meer ist klasse. Auch die teuerste Taverne unseres Urlaubs lernen wir
hier kennen. Preise wie zu Hause. Aber keine Angst: wir haben wir auch in einem
Hinterhof gegessen, für ausgesprochen wenig Drachmen und haben ein Weltklasse-Chicken erhalten. Weiter von hier ging es zum
antiken Theater. Viele Menschen, viel zum Gucken. Beeindruckend.
Porto Heli ist unser nächstes Ziel, einmal
bitte quer durch das Gebirge. Von dieser Stadt ist abzuraten, es sei denn, man
ist überzeugter Massentourist. Wir sind lieber weiter Richtung Nafplio, genießen in einer Bucht den Sonnenuntergang und
unser Essen.
So richtig geil wird es erst am nächsten Platz
in Agios Andreou, kurz bevor es bei Leonidi in die Berge geht. Hier stehen wir gottverlassen an
einer ewig langen Küste. Nicht weit von uns ist eine Minitaverne. Trotz den
aufziehenden Wolken beschließen wir nach einer Runde Siedler, dorthin essen zu
gehen. Wir fassen es kaum, aber am Ende zahlen wir 25 Mark für drei
Hauptspeisen, Wein, Cola. Gigantisch. Und derart freundlich-bruddelige
Leute. Der Schwabe in uns denkt sich: einfach schee.
Nächstes größeres Ziel, welches wir
anzusteuern gedenken ist ein Platz Vis a Vis der Insel Finikounda.
Bis jetzt waren wir noch nie dort, haben aber schon sehr viel von der
Wasserqualität gehört. Außerdem ist es wohl das griechische Surfrevier Nummer
eins. Als wir dort ankommen muss ich spontan an eine deutsche Kolonie in
Mallorca denken. Wir sind noch nicht einmal richtig ausgestiegen, da erscheinen
Typen in unserem Blickfeld die mich fatal an Hausmeister erinnern. Gott sei
Dank sind nicht alle so - unsere direkten Nachbarn sind Alt-68´er aus Hannover.
Alle haben sie ihre Musikinstrumente dabei: zwei Klampfen und unzählige
Mundharmonikas. Wer kennt "Die Typen" aus einer Ecke Hannovers??? Die
Abende sind klasse: nacktbaden, viele philosophische
Diskussionen mit viel Rotwein im Kopf, House of the Rising Sun zum mitsingen. Geil.
Nach einem Zwischenstopp für eine Nacht in Monemvassia fahren wir weiter an die Westküste. Hier können
wir uns in alten Erinnerungen wälzen und die letzte Urlaubswoche in vollen
Zügen genießen. Ganz besonders hängen wir an der Gegend um Pilos,
die Voidokilja. Doro findet
bei einem Spaziergang noch eine Aktentasche mit Inhalt und Visitenkarten.
Jetzt, zwei Monate danach, sind wir endlich diese Tasche los. Wir haben sie
direkt nach Urlaubsende zu seinem Eigner nach Kanada
geschickt. Leider kam der unsägliche 11. September dazwischen, aber
mittlerweile hat er die Tasche erhalten. Und sich sehr gefreut. Wir stehen die
nächsten Abende in Romanos, fahren von dort weiter nach Elea.
Schön zu sehen, dass dort immer noch alles beim alten ist. Selbst der Wirt der
Taverne am Eingang zu dem großen Gelände ist noch derselbe.
Abends kommt ein Supergeiles Riesengewitter
vom Meer her auf uns zu, wir schaffen es gerade noch trocken aus der Taverne
unser Heim zu erreichen. Die kommenden Tage sind von Wechselwetter geprägt. Auf
unserem letzten Übernachtungsplatz bei Killini werden
wir regelrecht sandgestrahlt. Trotzdem schmeckt das Essen.
Viel zu früh geht es am 7. September am Port 6 wieder an Bord. Auf
der Überfahrt genießen wir die letzten Stunden, wieder mit einem Fensterplatz.
Wenn man einmal von der Hundefeindlichkeit der Griechen insgesamt, sowie von
ihrer Müllkultur absieht, bleibt Griechenland nach wie vor unser
Lieblingsreiseland.