Griechenland 2001

 Fam. Pfeiffer                                                                             http://www.udoro.de

 

Fährinfos findet Ihr unter www.faehren.info

Wir sind dieses Jahr erstmals von Venedig mit der Fähre "Erotokritos" abgefahren, ein Entschluss der nicht zu letzt aus meinen Erfahrungen mit den italienischen Tankwarten entlang der Südroute resultierte. Zudem ist die Anbindung für uns Schwarzwälder via St. Gotthard-Tunnel optima. Dies allerdings vor dem schweren Tunnel-Unglück.

Venedig ist nicht unbedingt eine Extra-Reise wert, so unser Gesamteindruck. Die Stadt an sich ist sicherlich wunderschön, auch und gerade wegen der Kultur, Musik und Kunst. Aber: in erster Linie ist sie dreckig. Überall stinkt es, nicht nur nach Abgasen, sondern oftmals auch nach Urin. Wir sind in der Nacht angekommen und haben mit glücklicher Fügung einen Wohnmobilparkplatz im Hafengelände erwischt. Zumindest dachten wir, dies sei ein Glück. Doch nach dieser Nacht habe ich an einem Bein bei 50 Stichen aufgehört zu zählen. Stucka-Zone!!! Auch sonst: der Platz ist Schweineteuer, mit 40 Mark für 8 Stunden. Und es stinkt und stinkt und stinkt!

Nun gut, wir sind sonst sicher nicht etepetete, aber eine Anhäufung wie in Venedig findet man auch nicht oft. Versöhnt wurden wir spätestens mit einem Fenster-Platz auf dem Camping-Deck der Fähre. Und der Start ist filmreif. Da bewegt sich der Riesenpott quer durch Venedig, entlang von Dogen-Palästen und Gondel-Anlegestellen. Und wir lehnen uns bequem im eigenen Womo zurück und genießen diese wunderbare Optik. Es ist wie Fernsehgucken...

 

Während den beiden Zwischenstops der Fähre - es ist bereits dunkel - renne ich schnell mit Frodo von Bord, damit der arme Hund wieder festen Boden unter den Pfoten hat. Die Bedingungen auf einer Fähre sind für Hunde wirklich unter aller Sau. Sicherlich auch ein kleiner Vorgeschmack auf alles, was uns demnächst an Hunde-Unfreundlichkeit noch erwarten sollte.

Morgens sind wir dann ganz nett aufgeschreckt, man merkt wohl recht leicht, wenn eine Fähre die Motoren drosselt. Im Morgengrauen erreichten wir den Hafen von Patras. Eigentlich nicht unbedingt ein Blickfang, aber zum Urlaubsbeginn einfach schee. In Patras haben wir noch für 10000 Drachmen getankt und sind dann an der Nordküste weiter bis Eleanos.

 

Mit ena Psomi und dem ersten Bad im Meer ein gelungener Urlaubsauftakt.200m weiter geht der Pope im Meer baden, ein Ameisenhaufen ist direkt vor dem Frühstückstisch und ein streunender "Möter" freundet sich mit Frodo an. So soll es sein.

 

Nach dem Frühstück ging es weiter bis Diakofto, dem Einstieg zur legendären und uralten Zahnradbahn nach Kalavrita hoch. Nach schier unglaublicher Geduld unsererseits (wer über deutsche Beamten jemals ein schlechtes Wort verloren hat, sollte es einmal in Griechenland probieren!) ergattern wir zwei Fahrkarten für den nächsten Tag. Meine Nachfrage nach Hund bleibt unbeantwortet... . Doch als wir am nächsten Tage wieder mit der Bahn nach unten wollen, werden wir derart rüde angepöbelt, dass sowohl Tim als auch Doro die Tränen bekämpfen müssen. Doro allerdings eher vor Zorn. Trotz gültiger Tickets gilt Sippenhaft, denn auf mein Angebot hin, ich würde ja laufen, dürfen Doro und Tim noch lange nicht wieder einsteigen. Nach langer, hitziger Diskussion werden wir in ein stinkendes Gepäckabteil gepfercht. Aus diesem flüchten wir an der nächsten Station und nehmen lieber den rund 11 km langen Fußweg in Kauf. Ein wunderbarer Entschluss, denn die Schlucht ist derart einmalig, man glaubt es kaum.

 

Abends sind wir zurück ans Meer, trotz der schönen Wanderung dezent angesäuert über die Art und Weise der Behandlung durch die griechischen Schaffner. Zusammen mit einigen anderen stehen wir am Strand, als die Policia kommt und uns von dannen schickt. Genau der richtige Abschluss eines solchen Tages... .

Wir überlegen kurz und fahren direkt die New National Road durch bis nach Akrokorinth. Oben auf der alten Festung ist eine Taverne und ausreichend Parkplätze. Einer der schönsten Übernachtungsplätze die ich kenne, denn man schaut von oben herab auf den Kanal von Korinth und den Isthmus. Bei einer Flasche Wein und einem Tratsch mit einem älteren bayerischen Ehepaar, welches wir übrigens noch öfters treffen sollten, genießen wir den Abend und die Aussicht.

Nach dem Frühstück besichtigen wir die Festung. Das letzte Mal, als wir hier oben waren ist schon lange her. Auch Tim kann sich nicht mehr an seinen Besuch erinnern. Direkt im Anschluss fahren wir zum Kanal von Korinth, suchen uns eine Taverne, einen Schattenplatz und hoffen, dass ein Schiff kommt. Und es wird wirklich wahr!!! Die Brücke muss nun abgesenkt werden, damit die Boote passieren können. Wir eilen sofort hinüber und sind begeistert.

 

Danach ging es die Ostküste entlang bis Palea Epidauros. Auf dem Camping (von Velbinger empfohlen) von Nikolaos hängen wir im wahrsten Sinne des Wortes unter Limonen- und Maulbeerbäumen. Hier bleiben wir gleich drei Tag. Der Bäcker ist nicht weit, mit dem Hund lässt es sich laufen - und das Meer ist klasse. Auch die teuerste Taverne unseres Urlaubs lernen wir hier kennen. Preise wie zu Hause. Aber keine Angst: wir haben wir auch in einem Hinterhof gegessen, für ausgesprochen wenig Drachmen und haben ein Weltklasse-Chicken erhalten. Weiter von hier ging es zum antiken Theater. Viele Menschen, viel zum Gucken. Beeindruckend.

 

Porto Heli ist unser nächstes Ziel, einmal bitte quer durch das Gebirge. Von dieser Stadt ist abzuraten, es sei denn, man ist überzeugter Massentourist. Wir sind lieber weiter Richtung Nafplio, genießen in einer Bucht den Sonnenuntergang und unser Essen.

 

So richtig geil wird es erst am nächsten Platz in Agios Andreou, kurz bevor es bei Leonidi in die Berge geht. Hier stehen wir gottverlassen an einer ewig langen Küste. Nicht weit von uns ist eine Minitaverne. Trotz den aufziehenden Wolken beschließen wir nach einer Runde Siedler, dorthin essen zu gehen. Wir fassen es kaum, aber am Ende zahlen wir 25 Mark für drei Hauptspeisen, Wein, Cola. Gigantisch. Und derart freundlich-bruddelige Leute. Der Schwabe in uns denkt sich: einfach schee.

 

Nächstes größeres Ziel, welches wir anzusteuern gedenken ist ein Platz Vis a Vis der Insel Finikounda. Bis jetzt waren wir noch nie dort, haben aber schon sehr viel von der Wasserqualität gehört. Außerdem ist es wohl das griechische Surfrevier Nummer eins. Als wir dort ankommen muss ich spontan an eine deutsche Kolonie in Mallorca denken. Wir sind noch nicht einmal richtig ausgestiegen, da erscheinen Typen in unserem Blickfeld die mich fatal an Hausmeister erinnern. Gott sei Dank sind nicht alle so - unsere direkten Nachbarn sind Alt-68´er aus Hannover. Alle haben sie ihre Musikinstrumente dabei: zwei Klampfen und unzählige Mundharmonikas. Wer kennt "Die Typen" aus einer Ecke Hannovers??? Die Abende sind klasse: nacktbaden, viele philosophische Diskussionen mit viel Rotwein im Kopf, House of the Rising Sun zum mitsingen. Geil.

 

Nach einem Zwischenstopp für eine Nacht in Monemvassia fahren wir weiter an die Westküste. Hier können wir uns in alten Erinnerungen wälzen und die letzte Urlaubswoche in vollen Zügen genießen. Ganz besonders hängen wir an der Gegend um Pilos, die Voidokilja. Doro findet bei einem Spaziergang noch eine Aktentasche mit Inhalt und Visitenkarten. Jetzt, zwei Monate danach, sind wir endlich diese Tasche los. Wir haben sie direkt nach Urlaubsende zu seinem Eigner nach Kanada geschickt. Leider kam der unsägliche 11. September dazwischen, aber mittlerweile hat er die Tasche erhalten. Und sich sehr gefreut. Wir stehen die nächsten Abende in Romanos, fahren von dort weiter nach Elea. Schön zu sehen, dass dort immer noch alles beim alten ist. Selbst der Wirt der Taverne am Eingang zu dem großen Gelände ist noch derselbe.

 

Abends kommt ein Supergeiles Riesengewitter vom Meer her auf uns zu, wir schaffen es gerade noch trocken aus der Taverne unser Heim zu erreichen. Die kommenden Tage sind von Wechselwetter geprägt. Auf unserem letzten Übernachtungsplatz bei Killini werden wir regelrecht sandgestrahlt. Trotzdem schmeckt das Essen.

 

Viel zu früh geht es am 7. September am Port 6 wieder an Bord. Auf der Überfahrt genießen wir die letzten Stunden, wieder mit einem Fensterplatz. Wenn man einmal von der Hundefeindlichkeit der Griechen insgesamt, sowie von ihrer Müllkultur absieht, bleibt Griechenland nach wie vor unser Lieblingsreiseland.