Frühling auf Mallorca

© Franz Sebald                                                                                                             http://surf.to/sebald

 

 

Dieses Jahr sind wir erstmals ohne unsere Kids unterwegs. Erstmals auch in Bayern eine Woche Faschingsferien die wir uns gleich für einen Kurzurlaub auf Mallorca zunutze machen. Unser Hotel liegt im Norden (Port de Alcudia) es ist ein guter Ausgangspunkt für unsere Touren. Im voraus wurde ein Opel Corsa gebucht, der uns in die entlegensten Flecken der Insel bringt.

 

So. 02.03.2003 - Tour 155 km – Port de Alcudia - Mirador Es ColomerPollencaLluc - Sa Calobra

 

Am Vorabend gut angekommen, warteten wir Vergebens auf die Übergabe unseres reservierten Mietwagens. Die Agentur hatte Samstags geschlossen.

 

Nachbars Dusche schmeißt uns aus den Federn. Das ausgiebige Frühstück – lässt keine Wünsche offen. Gegen 9 Uhr empfangen wir einen gut gekleideten Herrn der unseren Wagen anliefert. Wir staunen nicht schlecht, als der Corsa auf einem Tieflader mit weiteren sechs Fahrzeugen vor der Hoteltür steht.

Nach schneller Übergabe, geht’s auch gleich auf die Landstraße nach Port de Pollenca. Sie wird schnell abgespult - kaum das Meer in Sicht, kommen erste Urlaubsgefühle auf. Nach Port de Pollenca folgen wir den Wegweiser zum Cap Formentor.

Bereits beim Hochfahren der Serpentinen zum Mirador Es Colomer weht uns der würzige Duft der Matchia  entgegen. Vom Parkplatz führt ein schön angelegter Weg,  entlang der steil ins Meer abfallenden Klippen, zur Aussichtsplattform Mirador Es Colomer. Die großzügige Plattform befindet sich in 232 Meter Höhe. Spektakulär fallen die Felsen senkrecht zum blauen Meer ab.

Hier auch der Blick auf die vorgelagerte Insel Illa Colomer. Bestimmt das meistfotografierte Motiv hier.

 

Eine gut ausgebaute Straße führt zum Leuchtturm am Cap de Formentor. Unterwegs zum Leuchtturm durchfahren wir Kiefernwälder, in denen Zwergpalmen wachsen. Am Leuchtturm der 1862 erbaut wurde, ergattern wir noch den letzten Parkplatz. Der Himmel ist wolkenverhangen - wir begnügen uns mit der Aussicht die der Dunst zulässt. Der Blick zurück auf die Serpentinen der Strasse ist allerdings sensationell.

 

Nachmittags erreichen wir Pollenca. Geparkt wird am Ortsrand. Vorbei an einer römischen Doppelbogenbrücke schlendern wir durch enge Gassen zum Kalvarienberg. Auffällig sind die verschlossenen Fensterläden, nur die bunten  Farben mildern die Strenge. Oben steht eine Kapelle an der ein Spanier meisterhaft spanische Volklore auf seiner Gitarre zupft - tolle Atmosphäre! Es findet sich ein schöner Ausblick über die Stadt bis hin zum Meer. Die Bettenburgen im entfernten Port de Pollenca erscheinen uns wie eine Fata Morgana.

Wir folgen einer Treppe. Mit 365 von Zypressen gesäumten Stufen führt sie runter zur Stadt. Kultur wird in Pollenca großgeschrieben, es gibt viele Kunstgalerien von denen wir eine besuchen.  Einen besonderen Flair vermittelt das Kellergewölbe in dem Bilder und Skulpturen ausgestellt werden.

 

Entlang der gut ausgebauten Straße C 710 lenken wir südwärts. Hunderte von Autos finden sich auf dem Parkplatz vor dem Kloster Lluc – wir überlegen ob wir weiterfahren, doch im Kloster selbst ist fast nichts los. Die meisten Menschen machen Picknick in der Umgebung. Das Kloster ist für uns nicht unbedingt ein Blickfang, aber zum Urlaubsbeginn geht`s schon.

Eine Treppe führt hoch zu einem Aussichtspunkt mit Blick aufs Kloster und ins Landesinnere.

 

Ein Höhepunkt ist die abenteuerliche Serpentinenstraße Sa Calobra. Wie eine Schlange (Calobra = Natter) windet sie sich über viele Schleifen hinunter zur 800 Meter tiefer liegenden Bucht Calobra. Oben beginnt die Strasse mit dem berühmten nus de la corbata, dem Krawattenknoten. Das ist eine Schleife von fast 360°. Mangels Platz konnte eine Felsstufe nur so überwunden werden. Auf der gut ausgebauten Strecke sind wir fast alleine unterwegs - es macht Spaß die Serpentinen hinunterzujagen. Unten können wir noch bequem einen kostenlosen Parkplatz auf der linken Seite ergattern, rechts gibt`s einen gegen Gebühr.

 

Ein enger durch den Fels geschlagener Fußgängertunnel, in dem das Licht ausgefallen war, führt zur Schlucht Torrent de Pareis. Plötzlich bekommt Margit im dunklen Tunnel Panik, glücklicher weise kommt gerade jetzt jemand mit Licht entgegen. Die Schlucht, deren Felswände im satten Rotbraun leuchten, ist mit dem Meer durch eine 12 Meter breite Felsspalte verbunden. Durch die Schlucht schlängelt sich ein seichter Fluss an dessen Ufer vereinzelt große Grasbüschel wachsen. Eine malerische Kiefer am Rande des Flusses rundet das stimmungsvolle Bild ab.

 

Oft genervt über das eigentümliche Öffnen der Fahrzeugtüren – zum Öffnen der Zentralverriegelung musste der Schlüssel zwei mal nach rechts gedreht werden – entdecken wir kurz vor unserer Rückfahrt den elektronischen Türöffner am Fahrzeugschlüssel.

 

Die Rückfahrt erfolgt über SelvaCampanot und ist landschaftlich sehr schön. Beim hinunterschleifen der Serpentinen haben wir den Blick auf Inca stets vor Augen.

 

Abends noch ein paar unfreiwillige Rundfahrten durch den Ort, wir schaffen es dann doch nach über 30 Min. chaotischer Fahrt unser Hotel zu finden. Obwohl wir fast die letzten sind die zum Abendessen erscheinen, wird am Buffet noch frisch aufgetischt.

 

Mo. 03.03.03Tour 110 km  - Port de Alcudia - AlbuferaArta - Ermita de BetlemCapdepera – Cala Rajada

 

Nächstgrößeres Ziel, welches wir ansteuern führt uns über die gut ausgebaute Landstraße nach Arta. Übrigens sind die meisten Straßen außerorts in sehr gutem Zustand und auch vorbildlich ausgeschildert - Innerorts sind sie oft schlaglöcherig. Unterwegs noch ein Zwischenstopp am Vogelschutzgebiet Albufera – leider können wir neben Enten nur ein paar Stelzenläufer sehen.

 

Den Wagen am Ortsrand von Arta geparkt, eine nicht so ganz weise Entscheidung wie sich später nach einstündiger Suche herausstellen sollte, marschieren wir kreuz und quer durch enge Gassen Richtung Festung. Die moderne Entwicklung ist an Arta vorübergegangen, gerade das macht das Städtchen interessant. Ein Pilgerweg führt zur Burganlage. 180 Treppenstufen sind zu bewältigen, die jedoch von schattenspendenden Zypressen gesäumt sind. Oben ein toller Rundumblick auf verwinkelte Gassen und liebliche Landschaft.

 

Um zur einsam gelegenen Ermita de Betlem zu gelangen, müssen wir mitten durch Arta. Entlang  vieler Einbahnstraßen und Sackgassen erreichen wir die teils gerade mal gute zwei Meter breite Straße nach Ermita de Betlem. Die landschaftlich reizvolle Strecke führt uns über viele Serpentinen durch Olivenhaine und lichte Wälder rauf  zu der Einsiedelei. Oft wachsen am Wegrand Zwergpalmen, deren Blätter weit in die Fahrbahn hängen und gelb leuchtender Ginster tupft die Landschaft. Nur den Mittelstreifen hat die schmale Straße nicht verdient. Die Gründung der Einsiedelei geht auf eine Landschenkung im Jahre 1805 zurück, die ersten fünf Eremiten mussten am Anfang noch im Stall wohnen und hier auch ihren Gottesdienst abhalten. So war der Name der Einsiedelei schnell gefunden, da die Situation an die biblische Geschichte erinnerte. Vom Kloster führen verschiedene Wanderwege ab, von denen wir einem folgen. An wild wachsenden Palmen, Gräsern und einheimischen Blumen führt er vorbei und aufgeschlichtete Bruchsteinmauern kreuzen den Weg. Der Pfad steigt an auf eine Anhöhe. Hier wird der Blick frei auf eine wundervolle Landschaft bis runter zum Meer.

 

Nicht weit von Arta ruht eine der größten mittelalterlichen Festungsanlagen Mallorcas inmitten fruchtbaren Akkerlandes. Im Schatten der Burg liegt Capdepera eine Stadt mit spanischen Charakter. Ein steiler Anstieg führt über Zahlreiche Treppenstufen zur Festung – die schöne Aussicht lohnt den Aufwand.

 

Nicht weit ist es zum Hafen von Cala Ratjada. Die Touristenhochburg liegt fest in deutscher Hand. Ein riesiges Angebot von Hotels und Bars drängen sich dicht an dicht. Im Hafenbecken wimmelt es von Fischerbooten und entlang der Uferpromenade liegen Berge von bunten Fischernetzen.

 

Nach gigantischem Abendessen werden noch Grüße an die Daheimgebliebenen geschrieben, bevor wir todmüde in die Betten fallen.

 

Di. 04.03.03 – Tour 197 km - Port de Alcudia - Puig de IncaOrient - Jardins d`Alfabia  - SollerFornalutx - Valldemossa

 

Erstmaliger Sonnenschein schmeißt uns aus den Federn. Wie uns am Vorabend ein Wanderer berichtete herrschte in den letzten Wochen richtig mieses Wetter auf Mallorca. Vor fünf Tagen lagen noch über 30 cm Schnee auf den Bergen.

 

Frühmorgens bei frostigen Temperaturen führt unsere Fahrt nach Inca zum Puig de Inca einen 300 Meter hohen Tafelberg. Oben befindet sich das Kloster Ermita de Santa Magdalena. Die Luft ist klar und bietet einen Fernblick bis rüber zum Tramuntanagebirge, deren Ausläufer von einem Nebelschleier durchzogen sind – ein wunderschöner Ausblick.

 

Unterwegs entdecken wir auf unserer Karte etwas Sehenswertes. Wir biegen ab in eine Seitenstraße die zum Castel d`Alaro führt. Die von Bruchsteinmauern  abgegrenzte Strecke führt uns durch Obstplantagen hindurch. Die Fahrbahn wird enger, geht in einen Schotterweg über und schließlich brutal bergauf. Angesichts der immer schlechter werdenden Straße entschließt sich Franz an einer halbwegs geeigneten Stelle umzudrehen. Fast wieder unten sind wir recht verwundert als uns „Bofrost“ entgegen kommt.

 

Eine stimmungsvolle Fahrt führt uns weiter in das Bergdorf Orient. Trotz der zahlreichen Hinweisschilder hält sich der Radsport an diesem Vormittag in Grenzen. Bei einem Spaziergang durch den Ort entdecken wir viele idyllische Plätze.

 

Einen gewissen Flair vermitteln die arabischen Gärten Jardins d`Alfabia mit ihren Wasserspielen und gigantischen Palmen. Die Gärten wurden im 12 Jh. angelegt und dokumentieren maurische Kunstfertigkeit auch mit Pflanzen. Der Eintritt von 4,5 Euro ist in Anbetracht der Größe zu teuer.

 

Durch einen drei Kilometer langen Tunnel geht`s runter nach Soller. Der Ort liegt in einem paradiesischem Großgarten - Orangen und Zitronenbäume glänzen in der Sonne.

 

Leider kein Geheimtipp mehr ist der malerische Ort Fornalutx. Mit glücklicher Fügung finden wir auch gleich am Ortsrand einen kostenlosen Parkplatz. Das fast vollständig aus Naturstein errichtete Bilderbuchdorf Fernalutx wurde schon zweimal als Spaniens schönstes Dorf ausgezeichnet. Auch Fremde zieht es magisch an, so ist es kein Wunder dass mehr als ein drittel der Bewohner Deutsche und Briten sind. Immer wieder sehen wir Schilder „zu Verkaufen“ an den Hauswänden. Es ist auch verständlich, wenn man bedenkt wie viele Stufen wir bereits zu den Häusern zurückgelegt haben.

 

Die Anfahrt zur Küste lässt es schon erahnen, dieser Teil wird ein besonderer Reise-Abschnitt. Schöne Ausblicke, Olivenhaine mit alten knorrigen Olivenbäumen, tiefblaues Wasser und dazwischen schroffe steile Felswände.

Port de Soller mit seinem großen Naturhafen liegt in herrlicher Lage. Die Hafeneinfahrt wird durch zwei Leuchttürme begrenzt, von denen wir einen besuchen. Eine enge Panoramastraße führt hoch zum Cap Gros – der Blick auf die Bucht von Soller ist uns stets vor Augen. Oben vom Leuchtturm haben wir einen traumhaften Blick auf den Naturhafen bis weit ins Gebirge hinein.

Gerne hätten wir Deia gesehen, doch der Besuch scheitert am Finden eines Parkplatzes.

 

Den ganzen Tag war uns Sonnenschein beschert, doch kurz nachdem wir die Küste verlassen ziehen dicke dunkle Wolken auf. Eine düstere Stimmung umgibt Valldemossa. Eigentlich ein touristischer Anziehungspunkt erster Güte,  bei uns kommt allerdings keine so richtige Stimmung auf. Nur kurz durchstreifen wir den Ort. Auffallend sind hunderte von bunt bepflanzten Blumentöpfen die Hausfassaden und Straßen säumen. Das wohl sehenswerte Kloster müssen wir mangels Zeit sausen lassen.

 

 

Mi. 05.03.03 - Tour  213 km - Port de Alcudia - Sant Salvador - Cala Sa Nau - Cala Figuera - Es Port – Randa

 

Nach gewohntem Frühstück, brechen wir zeitig auf. Dieses mal wollen wir an die Ostküste, aber zuerst noch zum Kloster Sant Salvador. Wir erreichen es über Santa Margalida, Petra quer durch die Ebene Es Pla. Die Wahlfahrtskirche Sant Salvador thront auf einem Tafelberg in 500 Meter Höhe über dem Meer. Die Auffahrt zum großzügigen Parkplatz am Kloster erreichen wir über eine kurvige Passstraße. Neben dem Hauptgebäude erhebt sich ein 30 Meter hoher Turm, auf dem sich eine 7 Meter hohe Christusstatue befindet. Von der Plattform haben wir  einen Ausblick über hügelige grüne Landschaft bis hin zum Meer.

Gegenüber des Berges führt ein Fußweg zu einem gigantischen Steinkreuz, das im Laufe der Geschichte schon zweimal erneuert wurde. Wir genießen den Fernblick über die Llanura – Ebene bis rüber zum Tramuntanagebirge ganz alleine hier oben.

 

Entlang eines sehr schmalen Weges, gesäumt von Bruchsteinmauern, folgen wir den Wegweisern zu Cala Sa Nau. 

Wie ein kleiner Fjord schlängelt sich der Meeresarm ins Land. Am Ende eine traumhafte Bucht für uns allein. Weißer Strand, sattes türkisblaues Wasser, dunkelrote Felsen und das kräftige Grün der Kiefern lassen Urlaubsflair pur aufkommen. Ein Trampelpfad führt uns rüber zur nächsten Bucht. Hier steile Klippen und ein großes Felsenloch.

  

Die Karte verspricht etwas Sehenswertes, wir biegen ab zur Cala Figuera (bei Santanyi). Die Lage ist einzigartig. Der schmale Naturhafen reicht weit ins Land hinein, umgeben von kleinen Häusern. Malerische Fischerboote tümpeln im Wasser und die Bootschuppen sind teilweise in den Fels gehauen. Besonders stimmungsvoll ist unser Spaziergang entlang des Hafens.

Wir sind fasziniert von den kräftigen Farben des träge sich wiegenden Wassers. Von leuchtendem türkis bis tief blau sind alle Schattierungen vertreten.

 

Ein paar Autominuten entfernt liegt Es Pontas eine Felsenbrücke im Meer gelegen.

Die Küstenregion wird verlassen, es geht ins Landesinnere nach Llucmajor zurück. Hinter dem Ort Randa führt eine Strasse hinauf auf den 542 Meter hohen Tafelberg. Landschaftlich ist der Weg hinauf sehr schön. Randa ist neben dem Kloster Lluc das größte Wallfahrtsziel der Insel.

Oben ist es bitterkalt, ein eisiger Wind weht uns um die Ohren. Vom vielversprechenden Rundumblick bekommen wir wenig mit, denn starker Dunst trübt die Aussicht. Für einen ausgiebigen Besuch bleibt wenig Zeit, wir wollen dieses Mal zum Abendessen rechtzeitig erscheinen.

 

 

Do. 06.07.03 - Tour 155 km - Port de Alcudia - Cap Formentor – Alcudia - Büger - Cala de Sant Vicenc - Talala d`Albercutx - Cap Formentor (Leuchtturm)

 

Heute morgen bei Sonnenschein erwacht, ausgiebig gefrühstückt und dann voller Tatendrang  losgefahren zum Cap Formentor. Am Aussichtspunkt Mirador Es Colomer, den wir bereits zum zweiten mal besuchen, sind wir die Ersten an diesem Morgen. Direkt gegenüber vom Parkplatz führt eine schmale Strasse den Berg hinauf. Sie ist sehr kurvig, schlecht asphaltiert und voller großer Schlaglöcher. Sie lenkt uns direkt zum Wachturm Talala d`Albercutx . Übrigens ist die Strecke eine gute Gelegenheit die Bodenfreiheit des Fahrzeugs zu testen, wobei man mit einem Kleinwagen fast an seine Grenzen kommt. Nachdem wir die einzigen sind, die sich den Weg hochschrauben, bleibt genügend Zeit zum Anhalten um die wundervollen Ausblicke zu genießen.

Der Wachturm stammt aus dem 16. Jahrhundert und war Teil einer ganzen Kette von Türmen die ein inselumspannendes Wachsystem bildeten. Von hier hielten Wächter nach Piraten Ausschau und gaben mit Feuerschein in der Nacht oder Rauchsignalen und Horn am Tag den Alarm weiter. Die ständigen Piratenüberfälle führten auch dazu, dass sich die Einwohner von der Küste ins Landsinnere zurückzogen. Oft blieb am Meer nur noch ein Hafenort gleichen Namens, die es heute noch gibt.

Oben am Turm weht ein orkanartiger Wind der dunkle Wolken herantreibt. Plötzlich stehen wir mitten in den Wolken die rasch an uns vorbeiziehen. Leider ist es uns nicht vergönnt den Panoramablick zu genießen. Nur weit unterhalb können wir ein Leucht- oder Funkfeuer, das den ankommenden Flugzeugen den Weg nach Palma de Mallorca weist, ausmachen. Die meisten Landeanflüge auf Palma führen über diese Gipfel hinweg und verschaffen den Besuchern einen ersten Überblick über diese grandiose Landschaft.

Wir brechen den Besuch ab und beschließen ihn auf einen anderen Zeitpunkt bei besserem Wetter zu verlegen.

 

Alcudia, bereits oft durchfahren aber nie besucht, wollen wir uns nicht entgehen lassen. Leider steckt hinter der vielversprechenden, komplett erhaltenen Stadtmauer ein nicht besonders sehenswerter Ort. Will man sich die Zeit mit Bummeln und Schoppen vertreiben, dann ist es hier OK.

 

Ein Blick auf die Karte verrät Windmühlen im Landesinneren zwischen Sa Pobla und Büger (Richtung Inca). Wir fahren zurück in die zentrale Ebene, wo sich auch das Wetter wieder in Sonnenschein wandelt und besuchen ein paar Windmühlen verschiedenen Erhaltungszustandes.

Mehrere tausend Getreidemühlen und Mühlen zum Wasserheben verteilten sich im 19. Jahrhundert über die Insel. Die meisten sind heute verschwunden oder verfallen. Die ersten Wassermühlen nutzte man aber nicht zur Bewässerung, sondern zum Trockenlegen von Sümpfen.

 

Über Pollenca geht`s wieder zurück an die Küste zur Cala de Sant Vicenc, einer kleinen Bucht mit Blick aufs Cap Formentor. Einen gewissen Zauber bewahrt die malerische Bucht, deren Zugang  leider von Hotelburgen zugebaut ist. In den umliegenden Restaurants und Bars wird fast überall renoviert und repariert bevor die Touristenmassen zu Saisonbeginn einströmen.

Mittlerweile sind die Wolken abgezogen, der Blick zum Cap ist frei und das bei bester Fernsicht. Eine gute Gelegenheit für einen erneuten Besuch des Wachturms Talala d`Albercutx.

Wieder kriechen wir die Löcherstraße  hoch. Dieses mal sind wir nicht alleine auf der schmalen Fahrbahn (soweit man es als Fahrbahn bezeichnen kann). Des Öfteren kommen uns Fahrzeugen entgegen und es wird manchmal schon verdammt eng. Der erneute Besuch hat sich gelohnt, der 360° Superpanoramablick ist einfach gewaltig!

Bei einem Blick über die Steilwand hinter dem Turm hinab, erkennen wir den Aussichtspunkt Es Colomer mit den winzigen Touristen, die sich gerade dort befinden.

Die Sonne steht schon ziemlich tief und auf den Bergen zeichnen sich lange Schatten. Margit meint es währe eine gute Gelegenheit für einen Sonnenuntergang an der Spitze des Cap`s.

Fast pünktlich kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir den Leuchtturm am Cap Formentor. Mittlerweile füllt sich der kleine Parkplatz am Turm, vermutlich hatten andere auch die Idee. Langsam nähert sich die Sonne den Horizont, verzaubert noch ein letztes mal die Bergrücken in ein leuchtendes Rot, bevor sie entgültig hinter den Bergen verschwindet. Ein tolles Erlebnis - unvergesslich!

Vermutlich schaffen wir es an diesem Abend wieder nicht pünktlich zum Abendessen.

 

 

Fr. 07.03.03 – Tour 200 km - Port de Alcudia - Valldemossa - Son Marroig - Hafen ValledmossaBanyalbufar - Punta d`es Verger – Palma

 

Heute ist unser letzter Urlaubstag auf der Insel, denn morgen geht bereits um 8 Uhr unser Flugzeug nach München. Am Vorabend beschlossen wir den Hafen von Valldemossa anzufahren. Über Inca, Palmanyola erreichen wir den Ort. Die Zufahrt erfolgt über eine engen atemberaubende Serpentinestraße die stets den Blick auf Meer und Hafen freigibt. Die Strecke bietet wenige Ausweichpunkte, so kommt es immer wieder vor, dass ich zurückstoßen muss.

Der kleine Ort ist noch immer ein Fischerdorf und dementsprechend malerisch. Bunte Fischerboote liegen vor den aus Naturstein gemauerten Häusern mit ihren farbenfrohen Fensterläden und den Hintergrund bildet die Felsenwelt des Tramuntana Gebirges.

 

Noch ein kurzer Abstecher nordwärts zum 10 km entfernten Son Marroig, der einstigen Residenz Ludwig Salvators. Sie ist als Museum eingerichtet und bietet die berühmte Aussicht – die wohl in keinem Reiseführer fehlen wird - vom Säulenbalkon über den Gartenpavillon hinab zu Meer. Entspannt genießen wir die Aussicht von der stimmungsvollen Anlage. Anfangs waren wir fast alleine hier – später als eine spanische Touristengruppe ankommt geht’s lautstark und hektisch zu.

 

Die Fahrt entlang der Nordküste ist Erholung pur: gute Straßen, tiefblaues Wasser, Sonnenschein, und immer wieder wunderschöne Ausblicke.

Wir rollen weiter nach Süden bis zum Terrassendorf Babyalbufar.

Unterwegs an einer Quelle in den Bergen, die vor lauter Wasser förmlich überquellt und über die Straße fliest, werden große Mengen Trinkwasser gebunkert. Vor einem Pkw stehen mindestens 30 Kanister zum Abfüllen bereit.

Kurz nach einer Kurve wird der Blick frei auf die gewaltigen Terrassenplantagen von Banyalbufar.  Der Reichtum des Örtchens an der Steilküste, dessen von den Arabern geprägter Name „kleiner Weingarten am Meer“ bedeutet, ist die Kunst aus unregelmäßigen Bruchkalksteinen im Trockenbau Mauern und Terrassen zu errichten. Wie überdimensionale Treppenstufen liegen sie ober- und unterhalb des Dorfes. Die Felder werden nur noch selten für Obst- und Ackerbau benutzt und in ihrer Mehrheit verwildern sie. Seit Einzug des Tourismus sterben immer mehr Bauern und Mauerbauer, deren Handwerk einst von den Arabern erlernt wurde, aus. Meist werden Natursteinbrocken auf Betonkern vorgeblendet – ist billiger und man sieht`s ja kaum.

 

Acht Kilometer südlich von Banyalbufar erreichen wir den Wachturm Tore de Ses Animes. In spektakulärer Lage liegt er in schwindelerregender Höhe auf den steilen Klippen am Meer. Über eine Metalleiter geht’s rauf zum Turm. Margit zögert erst, doch dann lockt die grandiose Aussicht auf Terrassengärten und Meer.

 

Wegen Zeitmangel nehmen wir für den Rückweg die schnellere Variante über Andratx und später entlang der Autobahn nach Palma.

Doch schneller als uns recht ist, sind wir mitten in Palma. Die letzte Autobahnabfahrt verpasst, sind wir gezwungen die Innenstadt zur Rushhour zu durchqueren. Nach schier unglaublicher Geduld unsererseits, schaffen wir es dann doch noch die Stadt zu verlassen und wieder Richtung Norden nach Alcudia zu lenken.

 

Sa. 08.03.03 - Port de Alcudia – Palma - München

 

Gegen 3:45 heißt es Aufstehen. Nach dürftigem Not-Frühstück, auch der Kaffeeautomat funktioniert nicht, werden wir um 4:45 Uhr zum Transfer nach Palma abgeholt. Der schnelle Rückflug verläuft reibungslos. Nur in München müssen wir 45 Minuten auf unsere Koffer warten.

 

Die eine Woche Frühling auf Mallorca hat uns sehr gut gefallen. Wie wird dieses tolle Fleckchen Erde wohl zur Hauptsaison aussehen? Na das wollen wir lieber nicht in Erfahrung bringen – wir können es uns gut ausmalen.

 

Franz Sebald

 

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