Gardasee  Pfingsten 2003

© Franz Sebald                                                                            www.sebaldreisen.de                                                       

 

 

Die im letzten Jahr bei Camping Molino in San Felice gemachten Erfahrungen waren sehr positiv. Dies bewog uns in diesem Jahr erneut ein Domizil zu mieten. Entgegen unserer letzten Reisen, verbringen wir dieses mal einen „fast“ Badeurlaub am See.

Zudem versuchte Lukas (2 Jahre) ständig seinen Aktionsradius weiter auszudehnen.

 

Monheim – San Felice

09.06.03

 

Die letzten Tage von der Hitzewelle über Deutschland geplagt, fahren wir der Schlechtwetterfront in den österreichischen Bergen entgegen. Plötzlich einsetzender Regen, bringt einen überholenden Motorradfahrer, der nur wenige Meter vor unserem Fahrzeug einschert, gewaltig ins Schleudern. Nach olympiareifem Slalomkurs, kann er die Maschine gerade noch abfangen. Die vorangegangene Müdigkeit ist wie weggeblasen und der Adrenalinschub reicht mindestens bis zur nächsten Kaffeepause am Brenner.

Doch kurz bevor wir die Grenze zu Italien passieren wird noch vollgetankt. Der Sprit in Österreich ist um 20 Cent billiger als bei uns. Kaum die Grenze nach Italien passiert, bricht die Sonne wieder voll vom Himmel. Kurz nach Rovereto hängen wir uns an das Ende eines Staus. Nach über einer Stunde „Stop and Go“ erreichen wir den nur wenige Kilometer entfernten Ort Torbole.

Die Anfahrt erfolgt wie üblich entlang des Westufers. Die Gardesana Occidentale - so wird die Uferstraße genannt - mit ihren 50 Brücken und 74 Tunnels ist eine der schönsten Panoramastraßen der Alpenregion. Am Straßenrand blühender Oleander verleiht der Strecke südliche Atmosphäre und läßt erste Urlaubsgefühle aufkommen.

 

Den obligatorischen Zwischenstopp in Limone lassen wir uns nicht entgehen. Obwohl wir den touristisch attraktiven Ort bereits mehrmals durchstreift haben, entdecken wir immer wieder aufs Neue malerische Gassen und Hinterhöfe.

 

Kaum den Campingplatz Molino erreicht, wird auch gleich der reservierte Caravan bezogen und das neue Schlauchboot klar Schiff gemacht. Die Jungs können es kaum erwarten, so dass wir schon sehr bald voll beladen in See stechen.

 

San Felice – Gardone Riviera

10.06.03

 

Das lautstarke Gerangel  von Lukas (2) und Philipp (9) zwingt uns zum frühzeitigen Aufstehen. Den früh begonnen Tag nutzen wir zugleich  für einen ausgiebigen Besuch von Gardone Riviera. Dem befürchteten Verkehrschaos in Salo glücklich entgangen, finden wir im Nachbarort Gardone Riviera prompt einen schattigen Parkplatz neben einem Bach, der später Philipp nasse Klamotten beschert.

 

Einigermaßen erstaunt über die unzivilen Eintrittspreise entschließen wir uns zu einem Besuch des Vittoriale.

Beim durchstreifen der weiträumigen Anlage, die sich an einen Hang schmiegt, sind wir schon sehr bald gezwungen den fahrbaren Untersatz von Lukas an einer Ecke zu deponieren. Weiter geht’s über viele Stufen - und viel Genörgel unserer Kids - zu Fuß.

Stets konzentriert sich der Blick auf Zypressen und grandiose Aussicht zum See. Eine offen stehende Tür, auf der „Privat“ steht, hindert Lukas nicht am Besuch der „italienischen Gärten“. Wir sind nicht alleine hier, eine Gartenpartie findet gerade statt, so dass wir unter den vielen Gästen erst gar nicht auffallen. Der Zauber des alten Gartens lockt uns vorbei an alten Säulen, Skulpturen und blühenden Pflanzen bis uns die Mittagshitze zu einer Rast auf einer schattigen Bank zwingt. Die mächtige Anlage des fanatischen Patrioten beherbergt neben einem Theater, einer Säulenhalle mit Grab des Hausherrn und einem Museum, sogar ein Schiff. Unglaublicher Weise hatte der Mussolinifreund den Bug des Schlachtschiffes „Puglia“ auf den Berg schleppen und so geschickt mit Beton ausfüllen lassen, dass man sich tatsächlich an Bord wähnt.

 

Unangenehm Überrascht werden wir im Supermarkt von Salo. Im Vergleich zum letzten Jahr haben die Preise erheblich angezogen. Wie es sich gehört für einen Italien Urlaub wird natürlich ständig italienisch aufgekocht. Heute gibt’s Tortelinie mit Steinpilzen.

 

Das neue Aldi-Schlauchboot ausgiebig getestet, bekommen wir gleich abends Gelegenheit das mitgebrachte Flickzeug zu untersuchen. Zwei Löcher entdeckten wir in den beiden Hauptkammern. Ach in den darauffolgenden Tagen bekommen wir noch reichlich Anlass Löcher zu stopfen, als sich an verschiedenen Stellen die angeblich doppelt verschweißte Naht löst. Mittlerweile entwickeln sich Philipp und Franz zu richtigen Flickprofis.

 

San Felice

11.06.03

 

Die schlecht geschlafene Nacht veranlasst uns einen Badetag einzulegen. Vor allem die Jungs sind stark erfreut, als das Schlauchboot noch prall gefüllt vor dem Caravan liegt.

 

Lukas findet ständig einen Grund auszubüchsen. Mal ist es eine Eidechse, ein anderes Mal ein Vogel dem er hinter her springt. Jedenfalls sind wir alle sehr damit beschäftigt ihn in unserem Reservat zu halten.

 

San Felice – Toscolano Maderno – Tremosine

12.06.03

 

Schon einige Male den Urlaub in Toscolano – Maderno verbracht, fanden wir es nicht für nötig die sehenswerte Kirche aus dem 12 Jahrhundert zu besichtigen. Jetzt da wir auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht von Salo unser Quartier bezogen fahren wir rüber um dieses nach zu holen. Schwer beeindruckt verlassen wir die alten Gemäuer und begeben uns auf den Weg die Bergwelt des Tremosine zu erforschen.

 

Unterwegs nach dem Durchschleifen der Serpentinen verraten uns parkende Autos etwas Sehenswertes. Hier führt uns ein Wanderweg entlang eines Kreuzganges rauf zur Wahlfahrtskirche Madonna di Monte Castello. Sie thront in herrlicher Lage 700 Meter über dem Gardasee. Der Superpanoramablick entlohnt den anstrengenden Aufstieg über Hunderte von Stufen. Parallel zum Wanderweg verläuft eine Straße mit 26 % Steigung, die aber für Turis momentan gesperrt ist.

 

Die  Rückfahrt erfolgt über Campione.  Abenteuerlich lenken wir durch eine atemberaubende Schlucht. Für mehr als eine Fahrzeugbreite bietet das kühn angelegte, an Wasserfällen und Schluchten vorbeiführende Sträßchen kaum Platz. Fluss und Straße sind zwischen steil emporragenden Felswänden gezwängt. Oft wechseln sich Tunnels und Brücken ab. Nur selten dringen Sonnenstrahlen in die enge Klamm. Wir durchfahren einen gemauerten Bogen, über den ein Bach geleiten wird der gleich neben der Fahrbahn als Wasserfall nieder rauscht.

 

San Felice – Rocca di Manerba

13.06.03

 

Den Tag mit Baden, Schlauchbootfahren und Faulenzen verbracht, können wir uns doch noch abends zu einem Besuch der senkrecht abfallende Felsklippe Rocca di Manerba aufraffen.

Wie auch letztes Jahr entschließen wir uns den Aufstieg erst kurz vor Sonnenuntergang anzugehen. Vom Parkplatz aus führt ein Weg vorbei an mittelalterlichen Befestigungsanlagen rauf zum Gipfelkreuz (218m). Letztes Jahr schweiften unsere Blicke bis rüber zum Nordufer (Torbole) des Sees, dieses mal müssen wir mit Dunst und Schleierwolken vorlieb nehmen. Dafür ist der Sonnenuntergang traumhaft.

 

Unter lautstarkem Protest von Lukas marschieren wir in den nahe gelegenen Ort San Felice, um ein gemütliches Lokal zum Abendessen aufzusuchen. Den kleinen Ort kurz durchstreift werden wir schon sehr bald fündig.

Die tolle Atmosphäre und das verlockende Angebot verführen uns gleich einen Liter Wein zu bestellen. Gut gelaunt und die Strapazen mit Lukas schon wieder vergessen freuen wir uns auf die bestellten Pizzas. Doch Lukas lässt nicht locker. Mit lautstarker Stimme verkündet er immer wieder, dass er Wein trinken möchte. Sämtliche Besänftigungsversuche scheitern. Unterdessen den Wein schnell vernichtet, um den Genörgel von Lukas zu entgehen, verlassen wir schon zeitig -mit leichtem Seegang- das Lokal.

 

San Felice – Punta San Vigilio – Garda – Lazise

14.06.03

 

Schon beim Frühstück brennt die Sonne gnadenlos vom Himmel. Bereits um 8 Uhr morgens zeigt das Thermometer 29°C. Ein Ausflug rüber auf die andere Seite des Sees steht bevor. Entlang der Uferstraße geht’s über Desenzano, Peschiera nach Garda. Die kleine Halbinsel Punta San Vigilio, erreichen wir über eine Zypressenallee. Malerisch, direkt am See ruht die gleichnamige Kirche aus dem 5. Jh. Gleich nebenan liegt ein kleiner Hafen der zu den bezauberndsten  Flecken des Gardasees zählt. Den Buggy über das grobe Kopfsteinpflaster geschleift, erreichen wir die Renaissance-Villa -in prächtiger Parklandschaft- von Brenzone.

Den kostenlosen Parkplatz wieder verlassen geht’s zurück nach Garda. Mittelalterliche, verwinkelte Gässchen mit schicken Boutiquen und eine breite elegante Seepromenade lädt uns zum Flanieren ein. Dass an jeder Ecke sündhaft teure Schlemmerlokale und hochmoderne Bekleidungsläden lauern, tut uns keinen Abbruch.

Ganz angetan ist Lukas von ein paar putzig jungen Schwänen die sich in der Sonne aalen. Philipp interessiert sich mehr für das Technische. Ob die gerade vorbeiradelnde Eisverkäuferin ihren Strom für das Kühlaggregat selbst per Muskelkraft erzeugt?

Den Ort ausgiebig durchstreift machen wir uns auf den Rückweg um in Lazise einen kurzen Zwischenstopp einzulegen.

Lazise zweimal durchkreuzt müssen wir mit dem überteuerten Parkplatz vorlieb nehmen. Doch das Zentrum ist nicht weit, so dass wir auch schnell den Hafen -entlang der gut erhaltenen Stadtmauer- erreichen. Die üppige Uferpromenade lässt keine Wünsche offen. Bars und Cafeterias drängen sich dicht an dicht. Nur kurz verweilen wir im Ort, denn die obligatorische Schlauchbootfahrt am Abend steht bevor.

 

Zurück vom Essen im platzeigenen Restaurant müssen wir feststellen das unser geliebtes Boot schlaff vor dem Caravan lullt. Den betrübten Blicken der Kinder entnehme ich, dass mir heute noch eine Flickaktion bevorsteht. Philipp hilft fleißig mit so dass die Operation gegen 21:30 Uhr erfolgreich abgeschlossen wird.

 

San Felice – Toscolano

15.06.03

 

Das superklare Wetter bewog uns zu einer Fahrt nach Toscolano-Maderno. Eine Kirche hoch auf dem Berg lockt mit schönen Ausblicken. Toscolano schon mehrfach umrundet finden wir erst beim dritten Anlauf die Seitenstrasse die uns hoch zur Kirche S. Michele führt. Das Gotteshaus ruht in herrlicher Lage -umgeben von uralten Zypressen- weit über den Gardasee. Die Aussicht ist einzigartig und berauscht mit einem Fernblick quer über den See bis runter zur Halbinsel Sirmione.

 

Das tägliche Federballtraining macht sich bei Philipp schwer bemerkbar. Mittlerweile hält er Margit gut auf Trapp.

 

Heftiger Regen trommelt nachts auf das Blechdach des Caravan. Wir kommen uns vor wie unter dem Membran einer Trommel. Nachts bestätigt sich, was wir schon beim Abendessen befürchteten: Ein Gewitter mit starkem Sturm tobt um uns herum und hält die Familie wach.

Beim morgendlichen Gespräch mit unseren Nachbarn erfahren wir dass letztes Jahr bei einem starken Gewitter  einige Wohnwagen vom Uferrand weggespült wurden. Kaum vorstellbar, wenn man bedenkt dass eine befestigte Mauer noch zwei Meter zum See hin abfällt.

 

San Felice

16.06.03

 

Wieder wie gewohnt erwachen wir bei strahlendem Sonnenschein. Ausgeruht, weil die Jungs uns schlafen ließen, und voller Tatendrang geht’s nach dem Frühstück auf Erkundungstour der näheren Umgebung.

Der wohl schönste Blick auf die Insel Isola del Garda ist uns aus dem Reiseführer bekannt. Die wage Beschreibung wie man den Aussichtspunkt erreicht, lässt uns einige Zeit umherirren. Erst als wir unser Auto am Straßenrand parken und uns weiter zu Fuß entlang eines schmalen Weges durchschlagen stoßen wir auf den gut versteckten Aussichtspunkt. Die Suche hat sich gelohnt. Wir stehen hoch über einer ansprechenden Bucht. Türkisgrünes Wasser und ein kleiner Naturhafen in dem zwei alte Boote tummeln lenken den Blick vom eigentlichen Ziel unserer Wanderung ab. Die wohl sehenswerte Insel, nur getrennt durch einen schmalen Streifen Wasser, ist in Privatbesitz und kann nicht besucht werden.

 

Um die Familie bei Laune zu halten, wird auch heute der Abend  -schon fast traditionell- mit Schlauchboot reparieren verbracht.

 

San Felice

17.-19.06.06

 

Schweißtreibende Temperaturen um die 38°C lassen die Motivation für geplante Ausflüge bei uns allen stark schrumpfen. Die Jungs sind sich auch gleich einig als wir beschließen die nächsten Tage mit Baden, Schlauchbootfahren und Faulenzen zu verbringen.

Unser Sprössling hat sich mal wieder aus dem Staub gemacht. Er wollte mit seinen fünf Cent die er auf der Straße gefunden hat, im Restaurante Eis kaufen gehen.

Beim anschließenden Bummel durch den Campingplatz kann Lukas sich am meisten für das Hasengehege unter dem großen Bananenbaum begeistern. Nach Fütteraktion und planschen im benachbarten Bach geht’s dann zum Eis kaufen.

 

Den Abend lassen wir mit dem mittlerweile schon obligatorischen Federballspielen ausklingen.

Der Caravan vom Tags so richtig aufgeheizt, hat auch spät nachts keiner so rechte Lust schlafen zu gehen. Alternativ wird noch eine Flasche Wein geöffnet.

 

Felice - Monheim

20.06.03

 

Nach morgendlicher Putzaktion und abschließendem Frühstück werden noch die restlichen Koffer im Fahrzeug verstaut, denn heute ist der Tag unserer Abreise. Um die Rückreise etwas zu verkürzen wählen wir die Gardesana Occidentale um bei Torbole noch einen kurzen Zwischenstopp einzulegen. Einem Stau kurz nach Klausen können wir gerade noch entgehen, so dass der Rest der Strecke entspanntes Fahren erlaubt. Kurz vor München erkennen wir auch gleich, dass wir wieder Zuhause sind. Starker Regen auf der Autobahn.

 

Franz Sebald